von Laura Brosch

Anfang des Jahres fragte mich mein guter Freund Steven, ob ich zum Wandermarathon am Westerwaldsteig mitkommen möchte. Rheinland-Pfalz Tourismus und Westerwald-Touristik haben zum 2. Bloggerwandern in Rheinland-Pfalz aufgerufen. Ich als echtes Pälzer Mädel sagte natürlich gleich zu. Seit mehr als 7 Jahren lebe ich bereits in den Großstädten Deutschlands und sehne mich häufig nach mehr Natur als Ausgleich zum stressigen Stadt- und Büroleben. Zudem kenne ich zu meiner Schande bislang diese Region meines Heimat-Bundeslandes Rheinland-Pfalz nicht. Deshalb war ich Steven dankbar für die Gelegenheit und antwortete in pfälzisch: Alla hopp, Uff geht’s! 45km und somit gleich drei Etappen des Westerwaldsteigs können uns nicht stoppen!

 

Tag 1: Ooooooh wie ist es schön…! Einmal quer durch Deutschland. Von Berlin in den Westerwald.

04.45Uhr – Uff stehen!

Zu dieser unmenschlichen Zeit klingelt der Wecker, denn um 05:38 Uhr steigen Steven und ich in den Zug um in unser Pfälzer Wanderabenteuer zu starten. Über Köln geht es weiter bis nach Koblenz. Leider regnet es wie aus Kübeln. Laut unserer ICE- Sitzbanknachbarin fahren wir auf einer der schönsten Bahnstrecken Deutschlands. Doch leider sehen wir nur einen grauen Schleier an uns vorbeiziehen. Langsam steigt in mir etwas Nervosität auf. War es wirklich eine gute Idee mich bei diesem Regenwetter in ein Natur-Abenteuer zu stürzen? Gedanken an ein gemütliches Café in Berlin Mitte mit Sojalatte und einem Stück Cheese Cake kommen in mir hoch… Aber nun gut, ich hob’s jo net anners gewollt („ich hab es ja nicht anders gewollt“) spricht meine innere Pfälzerstimme aufmunternd zu mir. Jetzt gibt es kein zurück mehr! Uff in den Westerwald!

In Koblenz angekommen holt uns Karin von der Rheinland-Pfalz Tourismus ab und nach dreißigminütiger Fahrt erreichen wir das Wildpark Hotel in Bad Marienberg. Das Hotel liegt fantastisch gelegen mit einem wunderschönen Blick in die Ebene. Außerdem gibt es in unmittelbarer Nähe einen Aussichtsturm und einen netten Wildpark, der nicht nur Kinder sondern auch Steven sichtlich begeistert. Bei einer netten Begrüßungsrunde lernen wir die restlichen 18 Blogger kennen und stoßen erstmal mit einem Glas Prosecco an. So n Drobbe ist scho foi („Solch ein Tropfen ist schon lecker“)!

Danach geht’s zu Fuß und mit Regenschirmen ausgestattet zur Touristeninformation, einem schönen Fachwerkhäuschen in Bad Marienberg, wo wir herzlich mit Kaffee und Kuchen empfangen werden. Das ist bei diesem Regenwetter auch genau das Richtige. Im Anschluss stellen wir in Vorbereitung auf unsere bevorstehende 45-Kilometer-Wanderung unter der Anleitung von Kräuterexpertin Iris Franzen ein belebendes Fußbadesalz aus Salbei und Rosmarin her. Zudem erhalten wir eine tolle Rundführung durch den Apothekergarten. Wusstet ihr, dass Birkenrinde das älteste Kaugummi der Welt ist und Thymian Husten löst?

Danach geht’s ab auf den Barfußpfad, der mit einem einem Gang durch das eiskalte Kneipp-Becken endet.

Den Abend lassen wir mit gutbürgerlichem österreichischem Essen ausklingen. Sehr lecker, wenn auch mein Pfälzer Herz sich über eine Rheinland-Pfälzische Gaumenfreude noch ein Stück mehr gefreut hätte.

Tag 2: Wandertastic! 45 Kilometer Wandermarathon auf dem Westerwaldsteig!

05:30 Uhr – schon wieder heißt es früh uffstehen! Nach einem reichhaltigen Frühstück im Wildparkhotel kann es endlich losgehen. Drei Etappen Westerwaldsteig, vom Dappricher Hof durch die Holzbachschlucht bis zum Stöffelpark, stehen uns bevor. Leider meint es der Wettergott nicht gut mit uns und wir starten in strömendem Regen. Der Boden ist aufgeweicht, schlammig und innerhalb kürzester Zeit schaffe ich es den Titel „schmutzigste Hose“ mir zu sichern.

Doch schon nach den ersten Kilometern lässt der Regen nach und es macht Spaß das satte Grün der Landschaft zu genießen. Ich genieße es der Großstadt entflohen zu sein und die volle Natur mit allen Sinnen zu erleben. Zudem hat das Regenwetter einen erheblichen Vorteil. Ich als Allergikerin bin froh, dass Staub und Pollen nicht in meiner Nase kitzeln. Stattdessen duftet die Luft nach Regen. Habt ihr euch auch schon immer gefragt, warum es nach dem Regen eigentlich so toll duftet? Mein Erdkundelehrer hat mir das damals so erklärt: Einige Pflanzen sondern in der Trockenheit bestimmte Öle ab. Wenn es regnet, vermischen sie sich mit der Feuchtigkeit und deshalb riecht es so frisch und einfach gut.

Wolkendecke-Westerwald

Nach 17 Kilometern steht die erste größere Versorgungspause an. Westerwälder Grumbeere Supp, wie die Pfälzer sagen würden. Für das restliche Deutschland: Kartoffelsuppe. Noch ein ordentlicher Schluck hochprozentigen Wegweiser und weiter geht es auf die Rennstrecke. 28 Kilometer stehen uns noch bevor. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich. Wir wandern durch Wälder und Wildblumenwiesen und kommen an Seenplatten und Flüssen vorbei. Die Veranstalter versorgen uns ständig mit neuen Energieschüben. Von Schokoladentäfelchen über Trockenfrüchte bis hin zu Kaffee und Kuchen ist alles dabei. Das kühle Westerwälder Bierchen mit dem Namen Hachenburger (alkoholfrei!) schmeckt uns am besten und verhilft uns noch einmal zu der nötigen Spritzigkeit für die letzten 10 Kilometer unseres Wandermarathons.

 

DCIM102GOPROGOPR2118.

Nacktschnecke-Westerwald

 

Flowerpower-Westerwald

 

Bach-Westerwald

Unser Wanderpensum ist natürlich happig. Nach Kilometer 30 fangen die Waden langsam an sich zu beschweren und wirklich bequem fühlen sich meine Lowa-Wanderschuhe auch nicht mehr an. Aber da unsere Gruppe aber aus super interessanten Personen zusammengesetzt ist und man sich angeregt unterhält, verfliegen die Kilometer wie im Fluge. Nach 13 Stunden, mehr als 54.000 Schritten und 48 Kilometern – wir haben uns kurz verlaufen – kommen wir endlich an unserer Endstation dem Stöffelpark an. Nach einer erfrischenden Dusche stürzen wir uns alle auf das wohlverdiente Steak und stoßen mit Bier und Weinschorle auf unseren Wandererfolg an.

 

Als Pfälzerin muss ich neidlos anerkennen, dass mein Bundesländchen noch viele weitere schöne Ecken vorweisen kann. Daher rate ich euch allen: Uff geht’s – macht euch auf in den Westerwald!


Die Beiträge der anderen Teilnehmer findet ihr hier:

anderswandern.de, wanderwuetig-blog.de, overlandtour.de, tharun-touren.de, lahntastisch.de, wanderwegewelt.defotografischereisenundwanderungen.com, outzeit-blog.de, jaeger-der-berge.dedeutschlandjaeger.dejo-igele.dehiking-blog.deoutdoorsuechtig.de


Laura war mit Steven auf Einladung im Westerwald. Die Meinung der beiden wurde durch die Einladung nicht beeinflusst.

Autor

Laura ist gebürtige Rheinland-Pfälzerin. Sie liebt die Natur und ausführliche Wanderungen so sehr, dass es ihr ganz egal ist, ob sie im Harz, Südamerika oder Indonesien wandern geht. Im Sommer 2016 wird sie mit einer Freundin die Alpen überqueren.

9 Kommentare

  1. Hey Laura,

    toller Einstand mit dem Beitrag! War mir eine Ehre mit dir zu Laufen und Grüße mir den Steven… der bestimmt mit liest!

    Wünsche euch noch einen schönen Sommer und dir viel Spaß auf dem E8 (oder war´s der E5?)
    Mit sonnigen Grüßen aus Frankfurt
    Jens

    • Wer lange wandern und an der Hotelbar feiern kann, kann offensichtlich auch lange Texte schreiben. ;)
      Gruß,
      Steven

  2. Wir Frauen sind ja immer schlecht im kurzfassen;)

  3. Das Video, absolut klasse ;-)
    So habe ich auch einen kleinen Einblick in eure Erlebnisse.

    Liebe Grüße aus Leverkusen
    Elke

  4. Pingback: Wandermarathon auf dem WesterWaldsteig – Von Füßen, Matsch und einer tollen Gemeinschaft – Hiking Blog

  5. Pingback: Mammutmarsch 2017: Meine besten Tipps für einen Wandermarathon -

Hinterlasse ein Kommentar

Bitte unterstützte das Funkloch mit einem Like. schliessen
oeffnen