Weltweite Trinkwasserknappheit – das kannst du für die Zukunft tun

“Ich habe große Angst vor dem Coronavirus. Dem Hunger und der Krankheit. Keiner hat Geld: Kein Essen, kein Geld. Wir möchten nicht sterben“, sagt Schauspielerin Mayova aus Lagos, Nigeria, im Interview mit einem der Fotografen des Instagram-Accounts EverydayAfrica. „Mit der Verbreitung der Covid19-Pandemie bleibt sicherer Zugang zu sauberem Wasser eine der effektivsten Maßnahmen gegen die Übertragung. Aber nicht jeder hat solches Wasser zur direkten Verfügung“ erklärt der Post weiter.

Wie EverydayAfrica richtig erklärt, ist Hygiene einer der wichtigsten Faktoren dafür, Seuchen, Bakterien und Viren einzudämmen. Das Problem der Zugänglichkeit zu sauberem Wasser bestand allerdings schon vor der Pandemie: Für ungefähr ein Zehntel der Weltbevölkerung heißt es mit – und ohne – Corona: Trinkwasserknappheit ist weltweit ein reelles und alltägliches Problem. Davon betroffen ist natürlich nicht nur der akute Durst. Denn sauberes Wasser wird für beinahe alles im Alltag benötigt: Kochen, Putzen und sich Waschen. Für viele der 844 Millionen Menschen weltweit ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser verschärft sich die Problematik derzeit weiterhin. Und das ist nur die optimistische Zahl. Schaut man sich an wie viele Menschen bis zu 30 Minuten bis zur Wasserquelle laufen müssen, sind wir schon bei 2,1 Milliarden Menschen mit erheblich erschwertem Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Was können wir also gegen weltweite Trinkwasserknappheit für eine bessere Zukunft unternehmen?

Virtuelles Wasser beachten für Nachhaltigkeit im Alltag

 

Wasserverbrauch und Wasserknappheit in Deutschland

Um all die alltäglichen Haushaltserledigungen vorzunehmen, braucht der oder die Deutsche am Tag im Schnitt 122 Liter. Im europäischen Vergleich liegen wir damit im oberen Mittelfeld: Nur die Italiener benötigen knapp die doppelte Menge. Unsere Nachbarn Richtung Osten, wie zum Beispiel Polen, nutzen dagegen nur knapp um die achtzig Liter. Wenn man bedenkt, dass empfohlen wird, anderthalb bis drei Liter Wasser am Tag zu trinken, dann klingen Literangaben im dreistelligen Bereich ganz schön hoch und abstrakt.

Dass uns das so geht, ist aber ganz natürlich. Denn wir müssen uns nie Gedanken darum machen, ob heute Wasser aus dem Hahn kommt, oder eben nicht, denn seit wir denken können, war es immer schon da. Aber tatsächlich ist auch in Deutschland Wasser keine unendliche Ressource.

In den letzten Jahren haben wir immer häufiger das Wort Dürresommer gehört. Auch die Hitzesommer 2018 und Hitzesommer 2019 machten Schlagzeilen. Denn insbesondere in den heißen Monaten regnet es auch hier nur noch sehr viel seltener als noch vor einigen Jahren oder Jahrzehnten. Eine reale Wasserknappheit in Deutschland im Jahr 2019 war näher als jemals zuvor. Natürlich ist der Klimawandel der Auslöser dafür, aber die Symptome zeigen sich überall. Noch gibt es zwar genug Wasser. Aber es wird prognostiziert, dass sich Landwirtschaft, Industrie und Privathaushalte in der Zukunft um diese Ressource streiten werden. Wenn es weniger regnet, müssen Landwirte zunehmend künstlich bewässern und auch Familien mit Gärten greifen häufiger zum Gartenschlauch. Das verringert die gespeicherten Vorräte. Außerdem wird das Regenaufkommen der kälteren Jahreszeiten in der Zukunft nicht mehr ausreichen, um die Grundwasserspeicher bis zu den warmen Monaten wieder zu füllen. Bei uns ist die Wasserknappheit noch ein recht abstraktes Phänomen. Trinkwasserknappheit gibt es quasi nicht. Zwar sieht man viele trockene Bäume, die Hitzesommer häufen sich und auch Brände nehmen eher zu als ab. Perspektivisch werden diese Beobachtungen wohl zunehmen, denn Prognosen sagen: Der Mangel wird sich verstärken.

 

Zunehmende Wasserknappheit weltweit

Natürlich ist ausbleibender Regen ein weltweites Problem. Seit den vergangenen Sommern liest man immer häufiger von prekären Situationen in Südafrikas Kapstadt oder dem US-amerikanischen Kalifornien. Wasserressourcen werden reguliert, bei Überschreitung der genutzten Menge drohen Strafen. Was in den genannten Gegenden durch den Klimawandel bedingt erstmal noch ein saisonales Phänomen ist, reicht weltweit aber natürlich noch viel weiter. In vielen ärmeren Regionen der Welt ist Trinkwasserknappheit ein täglicher Begleiter, so auch wie für Mayova in der nigerianischen Mega-Metropole Lagos. Brunnen oder Teiche sind oft mehrere Kilometer entfernt. Und wenn sie erreicht werden, ist das Wasser nicht sicher, sondern birgt Bakterien oder Viren.

 

Für die Zukunft: Lösungen gegen Trinkwasserknappheit

Lösungen gegen Trinkwasserknappheit gibt es viele. Wenn man selbst etwas dazu beitragen möchte, weniger Wasser zu verbrauchen, dann ist es – wie so oft – auch bei dem Thema Trinkwasser wichtig, kleine Schritte zu machen. Aber dabei das große Ganze natürlich nicht aus den Augen zu verlieren. Wasser im Haushalt zu sparen, hilft nicht allen der vielen Millionen Menschen, die Not leiden.

Dennoch schafft Trinkwasser sparen ein Bewusstsein und ist ein sinnvoller Start, um einer Austrocknung in eigenen Breiten entgegenzuwirken. Einige Tipps, um sich gegen Wasserknappheit weltweit zu engagieren, sind:

 

1.)    Im Haushalt

Kurzes Duschen statt langen Bädern, Wasserhahn zudrehen beim Zähneputzen und Hände einseifen. Auch Geschirrspüler sparen im Gegensatz zur Handwäsche der Teller Wasser ein. Hättest du das gedacht? So weit, so einfach. Aber manchmal reicht schon ein Reminder wie dieser, um noch einmal darauf zu achten – oder sich zu fragen: muss ich heute wirklich ein Bad nehmen?

 

2.)    Virtuelles Wasser für das Bewusstsein

Im Text zu den besten Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Alltag haben wir schon erklärt, was virtuelles Wasser ist: In allem, was wir kaufen und konsumieren, steckt Wasser: Von Jeans über Kaffee zu Smartphones und Autos. Eine Jeans braucht über die gesamte Produktion beispielsweise 8.000 Liter Wasser! Deshalb ist es so wichtig, lokal, nachhaltig und bewusst zu kaufen und konsumieren. Denn oftmals stammen die genannten Produkte – und noch viele mehr – aus anderen Teilen der Welt, wo Wasser vielleicht noch rarer ist als hier.

 

3.)    Vegetarische und vegane Ernährung gegen Wasserknappheit

Auch hier heißt’s wieder: Menschen, die sich pflanzlich ernähren, sparen einiges an Wasser ein. Für ein Kilogramm Rindfleisch können bis zu 15.000 Liter (virtuelles) Wasser benötigt werden! Große Tiere, viel Wasserverbrauch. Aber auch Ställe und die Tiere selbst müssen gereinigt werden und ihr Futter angebaut.

Wie bei der Einsparung von CO2 gilt leider auch beim Wasser sparen: Veganer*innen sparen nochmal mehr ein als Vegetarier*innen – schließlich werden auch Milch und Käse von den großen gutmütigen Tieren gewonnen. Wer nicht ganz verzichten möchte oder kann: Auch manche Produkte zu substituieren, hilft bereits.

Denn für ein Glas Milch (200 ml) benötigt Kuhmilch weit über 100 Liter Wasser, Soja- und Hafermilch dafür unter 20.

 

4.)    Plastikflaschen? Nein danke!

In der Online-Nachhaltigkeitsszene geht der Gedanke um:

Überleg‘ mal, was Wassermarken eigentlich wirklich verkaufen, wenn das Wasser in Deutschland ja mit allerbester Qualität und umsonst aus dem Hahn kommt. Richtig: Einweg-Plastikflaschen. 

Ganz schön absurd, oder? Und die großen Marken füllen nicht einfach Leitungswasser ab. Im Gegenteil. Sie sind schuld daran, dass in manchen Orten riesige Quellen privatisiert werden und austrocknen – und die Bevölkerung vor Ort bekommt erst recht nichts ab.

 

5.)    Wasserkraft? Kompliziert.

Ähnlich sieht es leider bei Hydroenergie, also Wasserkraft aus. Sie gilt zwar als nachhaltig, da regenerativ, aber leider ist sie nur letzteres. Von Nachhaltigkeit kann keine Rede sein, wenn in natürliche Flussläufe eingegriffen wird. Wir sehen das gerade in dem Konflikt zwischen Äthiopien und Ägypten am Nil. Für Äthiopien geht es um grünen Strom. Doch wird das Wasser aufgestaut, verliert Ägypten seine Lebensgrundlage. Und noch viel schlimmer: Viele Spezies verlieren ihren Lebensraum. Auch Landwirte, die angrenzend wohnen, kommen nur noch an gestautes oder verdrecktes Wasser heran – wenn der Flusslauf nicht direkt komplett austrocknet. Wichtig ist hier, Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen: regenerativ ist nicht gleich nachhaltig!

 

6.)    Geld spenden und für sauberes Trinkwasser sorgen

Wir haben jetzt viel über das Sparen von Wasser in den eigenen Breiten gelernt. Aber wie das Einstiegsbeispiel von Mayova gezeigt hat: andernorts sieht es noch prekärer aus.

Deshalb hat Steven mit drei anderen Aktivisten im März 2019 WeWater ins Leben gerufen: Eine gemeinnützige NGO, die Wasserfilter in Teile der Welt bringt, wo akute Trinkwasserknappheit herrscht. Erste Projekte wurden in Uganda und Kenia umgesetzt.

lösung trinkwasserknapptheittrinkwasserknapptheit lösung zukunftDie Wasserfilter von WeWater gibt es in verschiedenen Größen und können dementsprechend viele verschiedene Leute mit sauberem Wasser versorgen, je nach Bedarf. Ideal an den Filtern ist, dass sie ohne elektrische Energie und ohne Chemie Wasser reinigen. Deine Unterstützung von NGOs wie WeWater hilft, weltweit gegen Trinkwassermangel vorzugehen.

Um dir das Spenden an WeWater zu erleichtern, haben wir hier direkt mal ein Spendenformular eingefügt. :D

 

 

Trinkwasserknappheit ist weltweit ein reales Problem. Auch wenn es in unseren Breiten noch nicht so dramatisch ist, wie andernorts, verschärft sich auch hier die Situation. Und der Klimawandel tut sein Übriges. Um Trinkwassermangel effektiv zu bekämpfen, braucht es eine Kombination aus bewusstem Handeln und Weitblick. Und natürlich: den richtigen Anlaufstellen, die Informationen zur Verfügung stellen.

Autor

Hey, ich bin Mina! Geboren in Berlin, bin ich schon immer gern unterwegs. Mich reizen Städte, Architektur und das urbane Leben, ich liebe Pflanzen, Natur und Kunst aber genauso. Ich bin durchs südliche Afrika getrampt und um für Frieden in Syrien zu protestieren quer durch Serbien gewandert. Ich durfte Machu Picchu sehen, im Antiatlas Rad fahren und in Tansania Interviews auf Swahili führen. Ich gehe stets der Fragestellung nach: Wie kann ich nicht nur ökologisch sondern auch ethisch nachhaltig reisen?

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