„Wasser ist Leben“, sagen die Menschen in Uganda und führen die Aussage scherzhaft weiter mit, „… es sei denn du lebst in Bwaise.“
Bwaise ist ein kleiner Ort zwischen Kampala und Luweero. Aufgrund seiner tiefen geographischen Lage kommt es hier regelmäßig bei starken Regenfällen zu Überschwemmungen und Schlammlawinen, die ganze Häuser wegspülen.

 

Frage ich nach Dingen, die sich die Menschen aus Uganda für ihre Stadt oder Region wünschen, so antworten fast alle mit Wasser oder Regen. Fehlendes Wasser ist für die Landwirtschaft ein Problem. Zwar gibt es die Regenzeiten zwischen März und Mai sowie August und November in Uganda, aber während der Trockenperiode fehlt es an Wasser und dabei ist Uganda noch lange nicht einer der heißesten oder trockensten Orte der Welt. Wie ein Idiot komme ich mir vor, wenn ich daran denke, wie ich mich im guten alten Deutschland darüber aufrege, wenn meine Internetverbindung spinnt, es nicht meinen Lieblingsjoghurt im Supermarkt gibt oder ich mehrere Wochen auf mein frisch bestelltes Telefon warten muss. Wie nebensächlich sind doch unsere Probleme.

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Gerade in den letzten Tagen bekam ich mit, wie dringend der Regen erwartet wird. Die Brunnen hier um Nandere sind erschöpft. Wasser für die Pfarrerei mussten wir neulich bestellen, da der 25.000-Liter-Tank komplett aufgebraucht war. 6.000 Liter Wasser kosteten etwa 40 Euro. Das klingt wenig, ist aber für die Menschen in Uganda sehr viel, da sie im Durchschnitt nur 100 Euro je Monat verdienen.

 

Gestern Nachmittag fiel mal wieder der Strom aus und unser Wassertank, der den Wasserdruck erzeugt, war leer.

Ich war den halben Tag im Wald arbeiten und kam nach dem Fußball spielen erschöpft, verschwitzt und dreckig Heim. Und dann kein Wasser. Uff.

Also nahm ich mir einen Kanister, der 10 Liter Wasser fasste und ging damit unter die Dusche. An das Duschen mit kaltem Wasser habe ich Warmduscher mich ziemlich schnell gewöhnt, somit war das Duschen mit Wasserkanister auch kein Problem, nur eben weniger Luxus. Aber wer braucht schon Luxus.

 

Im Anschluss wollte ich das verbrauchte Wasser nicht nur wieder auffüllen, sondern mehr besorgen als ich verbraucht hatte. Also schnappte ich mir zwei große 20-Liter-Kanister und ging zum Brunnen. Da man mich hier nicht ohne weiteres Dinge alleine erledigen lässt, kam Collin mit zwei weiteren Kanistern der gleichen Größe mit. Der Weg zum nächsten Brunnen ist nicht weit – nur ein paar Minuten zu Fuß. Dort angekommen mussten wir eine Weile warten, da viele Kinder Wasser holten. Schlussendlich waren wir an der Reihe, ich stellte einen der Kanister unter den Auslauf und begann zu pumpen. 10 Mal, 20 Mal, 30 Mal bewegte ich den langen Metallhebel nach oben und unten. Kein Wasser. Ein Junge meinte, dass ich mich gedulden soll. Das Wasser wird es einer Tiefe von 80 Metern hochgepumpt. Also geduldete ich mich. Kurz danach kam das erste Wasser aus dem Erdreich. Ein schöner Moment, aber es war zu wenig. Pro Pumpstoß plätscherte nur eine Hand voll Wasser in den Kanister. Um einen der vier Kanister zu füllen, benötigten wir 26 Minuten. Für nur 20 Liter!

 

Ich war erschöpft und demotiviert. Da ich die letzten Tage immer fleißig beim Pumpen geholfen hatte, wenn ich am Brunnen vorbeikam, kamen jetzt auch einige Kinder und Jugendliche und eilten zur Hilfe. Nach über einer Stunde ging ich mit zwei gefüllten Kanistern zurück, um meine Wäsche zu waschen.

 

Also ich die halbe Strecke zurückgelegt hatte, tauchte Collin hinter mir auf, der mir einen der Kanister abnahm. Er musste ein paar Energiesparlampen wechseln und wir würden einfach etwas später zum Brunnen zurückkehren.

 

Als ich eine Stunde später am Brunnen ankam, erfuhr ich, dass die hilfsbereiten Kinder bereits die anderen beiden Kanister gefüllt und zu uns gebracht haben. Ich war sprachlos, denn ich wusste ganz genau wie anstrengend das Pumpen als auch das Tragen von 40 Liter Wasser waren. Ganz uneigennützig und ohne, dass wir darum gebeten hatten, haben sie uns geholfen.

 

Ich war gerührt und fragte mich, ob mir das in Deutschland auch passiert wäre.

 

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Mit dem Hashtag #VolunteerUganda kannst Du mir bei meiner Reise durch Uganda und das Volunteering in den digitalen Kanälen FacebookTwitter und Instagram folgen. Inzwischen lebe ich in Nandere, einem kleinen Dorf bei Luweero ungefähr 70 Kilometer von Kampala entfernt. 

Ich freue mich über deine Fragen und Kommentare. Wie viel Wasser verbrauchst Du sinnlos? Was schätzt Du? Erzähl uns davon.

Autor

Ich bin Steven, 30 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Im März 2019 habe ich die NGO WeWater gespendet. Hast du ein paar Euro übrig, freue ich mich für meine Organisation über eine Spende. Vielen Dank. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

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