Von Matthias Kutzscher

Der Süden von Laos fasziniert mit prächtiger Natur und uralter Kultur. Bei einer Mekong-Cruise lassen sich einsame Flusslandschaften, ursprüngliche Dörfer und über 1.000 Jahre alte Khmer-Bauwerke erkunden.

Lautes Rauschen, Gurgeln, Tosen kündigt das Spektakel an. Mächtig schäumt der Mekong tiefe Kaskaden hinab. Die Stromschnellen von Somphamit und Kon-Phapheng in Südlaos bilden den größten Wasserfall Asiens und den Start einer aufregenden Flusskreuzfahrt.

Mit einem Longtailboot geht die Cruise oberhalb der Mekongfälle los. Der Kahn tuckert durch ein einzigartiges Feuchtgebiet. Si Phan Don nennen die Laoten die tropische Feuchtlandschaft an der Grenze zu Kambodscha, in der über 4.000 Inseln liegen. Auf Don Det und Don Khong erinnern marode Villen, Brücken, Schienen an die frühe französische Kolonialzeit Ende des 19. Jahrhunderts.

Etliche Kanäle, üppig grün bewachsene Sandbanken, tückische Untiefen durchziehen das gut 14 Kilometer breite und 50 Kilometer lange Binnenmeer. Fischerdörfer stehen an schneeweißen Stränden, kleine Gemüsegärten wachsen das Ufer hoch, Wasserbüffel wälzen sich träge im Wasser, Kinder rufen immer wieder freundlich „Sabaidii“, hallo, herüber.

Für die Vat Phou ist das Archipel zu flach. In der Trockenzeit zwischen Dezember und April fällt der Mekong stark und lässt nur schmale Fahrrinnen frei. Es ist früher Nachmittag, als auf dem nur 33 Meter langen Kreuzfahrtschiff die Leinen gelöst werden. Während das Longtail zurück in die Inselwelt rauscht, schieben die beiden 260 PS starken Isuzu-Diesel die alte Fähre den Mekong hoch nach Norden. Dass die Vat Phou früher Holz, Schweine, Kühe, Reis bugsierte, davon sieht man nichts mehr. Auf zwei Etagen strahlen die zwölf Kabinen, große Decks, Bar und Speiseraum gepflegte Eleganz und historischen Charme aus.

„Wir wollen die Gastfreundschaft der Laoten vermitteln, ihre Kultur und die wunderschöne Natur des Landes zeigen“, berichtet Jérôme Trichard, Managing Director des Veranstalters Mekong Cruises. Seit Ende der 1990er Jahre tourt die Vat Phou ein bis zwei Mal in der Woche zwischen den 4.000 Inseln und der Provinzhauptstadt Pakxe. Während das leichte Schaukeln der Barke entspannt, prägen sich aufregende Bilder ein: mächtige Palmenhaine und goldene Buddhafiguren, Schaluppen mit Dutzenden Passagieren und Rindern, Fischer mit Wurfnetzen in der funkelnden Abendsonne und charmante Siedlungen.

Eine ist Tadea: Aus dem Fischerdorf kommen Kapitän Souksailong, einige Bootsleute und Führer. Auch der 42jährige Toune, der seit 18 Jahren als Guide auf dem Schiff fährt, stammt von hier. Herzlich grüßen ihn Freunde und Familie. Stolz zeigt er auf die Schule. „Wir unterstützen das Dorf, die Leute, die Schule, den Tempel“, erläutert Jérôme Trichard und sagt: „Die Menschen erlauben uns, einen Blick auf ihr Leben zu werfen. Viele arbeiten mit uns, unterstützen uns seit langem. Dafür wollen wir etwas zurückgeben.“

Die Liebe zum Land und seiner Kultur ist auf der Vat Phou und den täglichen Touren ständig erlebbar. Statt westliches Essen wird authentische laotische Küche serviert. Ausführlich erklären die Guides Gerichte, Fangmethoden für Fische oder seltene Pflanzen am Ufer. In der großen, verwunschenen Tempelanlage Wat Phou nahe der ehemaligen Khmer-Königsstadt Champasak erzählen sie vom Respekt vor dem Glauben längst vergangener Völker.

2001 machte die Unesco den am Hang hoher Berge gelegenen Tempelbezirk zur Welterbestätte: Die ältesten Bauten sind wohl aus dem 6. Jahrhundert und wurden damit weit früher errichtet als die legendären Khmer-Anlagen in der Region Angkor in Kambodscha. Vom obersten Tempel, der nur über eine steile Treppe erreichbar ist, sieht man weit über die uralte Kulturlandschaft bis zum Mekong.

Vorsichtig steuert Sikeo die Vat Phou durch den Fluss. Der Mekong hinter Champasak misst immer noch zwei bis drei Kilometer, aber nur wenige Inseln zwingen noch zum Ausweichen. „Der Mekong ist nicht leicht zu befahren“, sagt der 1. Steuermann. Ständig würde er sein Bett ändern und Sandbanken bilden. Nur wer genau hinschaut, registriert die Steuerkunst – auch wenn es gar keinen Verkehr auf dem Strom gibt. Zwei Stunden Bootsfahrt vor Pakxe heißt es wieder umsteigen. Selbst die flachen Longtails müssen behutsam manövriert werden. Doch Zeit spielt längst keine Rolle mehr.

 

Reiseinfos Laos

Anreise z.B. mit Etihad von Düsseldorf bis Bangkok, dann mit Thai Lion oder Nok Air nach Ubon Ratchathani und per Bus weiter über die Grenze nach Laos bis Pakxe. Tickets für Hin- und Rückflug ab etwa 800 Euro.

Einreise Deutsche brauchen ein Visum, das an Flughäfen und Grenzübergängen für 30 US-Dollar ausgestellt wird. Die lokale Währung heißt Kip (1 Euro: ca. 10.000 Kip). Landessprache ist Lao. Mit Englisch kann man sich gut verständigen.

Buchung Reserviert werden kann die Cruise mit der Vat Phou aus Deutschland über den Reiseveranstalter Geoplan Privatreisen. Die Kreuzfahrten dauern vier Tage mit drei Übernachtungen an Board.

Übernachtungen Das Pakxe Hotel am Startort der Cruise ist ebenso empfehlenswert wie das kleinere und etwas außerhalb des Zentrums gelegene Hotel Le Jardin.

 

Einen weiteren Beitrag von Matthias Kutzscher aus Laos findest du hier: Auf Baumhäuser fliegen und Gibbons beobachten in Laos

Autor

Matthias Kutzscher ist freier Redakteur, Journalismus-Dozent und Travel-Freak. Seine Sehnsucht wanderte von West nach Ost: vor 30 Jahren musste es Lateinamerika sein – unvergesslich der Trip per Pferd durch die kolumbianischen Anden. Mittlerweile tobt sich der Düsseldorfer mit dem MTB in der deutschen Wildnis, auf der iberischen Halbinsel und in Asien aus.

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