Im Süden der skandinavischen Halbinsel in der Nähe eines kleinen Kalksees der wahrscheinlich sogar Fuchs und Hase zu weit ab vom Schuss wäre, verbrachten wir ein Sommer-Festival der ganz besonderen Art. Zwischen wilden Sträuchern, Wald und Brennesseln, eroberten wir uns ein kleines Stückchen Paradies und zelebrierten die Freundschaft und das Leben mit musikalischen Klängen, Tanz und viel Natur…

 

Als ich das erste Mal von der Idee eines Freundes hörte ein kleines Festival in Schweden zu organisieren, war ich sofort völlig begeistert. Ich hatte zwar keine Ahnung wo, wie lang, wie viele und was überhaupt genau aber Freunde und Festival passt nicht nur zusammen weil beide Wörter mit F anfangen (ja, es gibt auch noch andere Wörter, die mit F anfangen aber versucht einfach mal für einen kurzen Moment naiv zu sein).

Mit der Zeit kamen mir dann aber die ersten Zweifel. Festival. Das klingt so groß. Kriegen wir so viele Leute zusammen? Und wie ist das mit den Kosten? Und wie komme ich nach Schweden? Und überhaupt? Der Alltag holte mich ein und ich vertagte diese Gedanken zu Gunsten meiner Prüfungen in Spanien.

 

Licht ins Dunkel

Anfang April dann plötzlich die erste Infomail mit genauer Ortsbeschreibung und Planung. „Festival“ hieß es nicht mehr, sondern „Sommarfest“. Das nahm dem ganzen dann schon mal den überdimensionierten Charakter und klang sowieso viel familiärer – gefiel mir. Vier Freunde nahmen die Organisation in die Hand. Der Spaß sollte auf einem kleinen Bauernhof im Süden Schwedens stattfinden. Dort hat einer meiner Freunde seit dem er ein Kind war, immer Urlaub gemacht. Genug Platz zum Campen war schon mal da. Das Orga-Team, dem praktischerweise ein Tischler beiwohnte, wollte noch Toiletten und Duschen bauen. Das klang ja schon einmal nicht schlecht. Kosten sollte das ganze 30€, damit die Materialkosten gedeckt werden. Jeder der wollte, konnte sich aber auch beteiligen – zum Beispiel bei der Dekoration.

Meine Begeisterung schlug der Skepsis die Tür vor der Nase zu und tanzte einen Freudentanz. Doch die Skepsis fand den Tanz scheiße und erinnerte mich daran, dass das ganze ja auch noch Fahrtkosten bedeuten würde. Ich organisierte mich mit zwei Freundinnen, um gemeinsam nach Schweden zu fahren. Die Fähre kostete ca. 70 € pro Person. Dazu kamen die Spritkosten von Berlin nach Rostock und vom Fährhafen zum Bauernhof. Als Studentin sind meine finanziellen Mittel derzeit etwas begrenzt aber meine tollen Freunde sammelten für mich als Willkommens-Geschenk, da ich nach zehn Monaten aus Spanien wiedergekommen war. Die Begeisterung hatte also gesiegt und ich konnte mit zum Sommarfest fahren.

Einladung-Sommarfest-Schweden-1

 

Ahoi!

Mitte August ging es dann auch schon los. Der Tag startete super: Mir brannte die Milch an. Schuld daran war einzig und allein Club Mate. Ich hatte vergessen meinen Lebensnektar einzukaufen und musste dringend noch einmal zum Supermarkt rasen bevor wir losfuhren – dabei vergaß ich dann die Milch auf dem Herd. Wenigstens noch gemerkt, bevor es nach Rostock los ging. Dort angekommen hüpften wir auch schon direkt auf die Fähre, auf der wir sechs Stunden verbringen durften. Wir haben uns genug Verpflegung, Musik und Bücher mitgenommen, so dass wir die Fahrt gut überstehen konnten. Glücklicherweise war auf der Hin- und Rückreise kein einziges Wölkchen am Himmel, so dass wir die Zeit auch noch zur gesunden Hautbräunung nutzten. In Schweden angekommen verfuhren wir uns natürlich prompt. Merke: Checken, ob auf dem Navi auch Karten für ganz Europa sind. Ich erwähne an dieser Stelle nicht, dass uns das gleiche auf der Rückfahrt auch passierte (ups).

 

Endlich da

Wir kamen aber iDJ-Pult-Schweden-3rgendwann an und trotz Nacht konnten wir bereits sehen, wie toll das Gelände war. Wir stellten unsere Zelte auf und genehmigten uns ein, zwei, vielleicht auch drei Getränke und stürmten die grasige Tanzfläche vor dem Disko-Wohnmobil – ein Traum. In ebendiese Träume vertieften wir uns dann auch nachdem wir uns ausgetanzt hatten.

 

Am nächsten Tag konnten wir dann die Umgebung bei strahlendem Sonnenschein erkunden. Fünf Minuten von dem Bauernhof befand sich ein Kalksee. In Hippie-Manier wuschen wir uns in dem glasklaren Wasser die Haare mit Bio-Shampoo und schwammen lustig umher. Der Bagger, der nebenan noch Kalk abbaute störte erstaunlicherweise überhaupt nicht. Ein kleiner Wald befand sich ebenfalls nebenan, ich muss jedoch gestehen, dass ich weniger die Gegend erkundete und mich mehr am Kalksee sonnte.

 

 

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Kalksee-Schweden-Enrico-Wagner©Enrico Wagner

 

Auf dem Gelände wurde Fußball gespielt, gegessen, getrunken und gequatscht. Insgesamt waren wir circa 49 Personen inklusive ein paar Kindern und nem Hund. Jeder verpflegte sich selbst, doch es wurde natürlich auch gern geteilt. Neben Toiletten und Duschen, wurde auch eine Bar gebaut und für einen kleinen Obulus konnten Getränke erworben werden. Gegen Abend fing der musikalische Teil des Sommarfestes an. Es wurde selbst Musik gemacht und aufgelegt. Wir tanzten bis in die Nacht und sobald wir uns nicht mehr bewegen konnten, saßen wir bis zum Sonnenaufgang am Lagerfeuer.

Sommarfest-Schweden-Location7

Selfmade-Klo-und-Dusche-Schweden-8

Die Reise zum Sommarfest dauerte nur vier Tage und davon waren wir zwei Tage auf An- beziehungsweise Abreise. Dennoch haben sich die zwei vollen Tage in Schweden durchaus gelohnt. Da wir uns die ganze Zeit draußen aufhielten, waren wir natürlich sehr vom Wetter abhängig – und wir hatten großes Glück mit durchgängiger Sonnenanwesenheit. Die Aktion hat nur funktioniert, weil viele Menschen zusammengearbeitet haben und ihre Zeit und Arbeitskraft in die Vorbereitungen investiert haben. Auch war eine Grundvoraussetzung das Gelände. Es gab keine direkten Nachbarn und wir konnte somit so lang wir wollten so laut sein, wie wir wollten. Die Hauptsache war jedoch, dass einige Freunde Lust und Spaß daran hatten gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen und daraus wurde eine unvergessliche und ganz besondere Reise. Wieder in Berlin wirkte das paradiesische Gefühl noch einige Tage nach – sehr zu empfehlen!

 


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Autor

Johanna lebte 2014/15 während ihres Studiums der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation fast ein Jahr in Valencia. Mittlerweile arbeitet sie als New Work- und Digital Transformation Beraterin in ihrer Heimatstadt Berlin und kehrt trotzdem mindestens einmal im Jahr in ihre "2. Heimat" am Mittelmeer zurück. Steven und Johanna kennen sich schon ziemlich lange und deswegen darf sie hier auch ab und zu ihren Senf dazu geben.

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