Es ist nicht wichtig wie viele Tempel du auf deinem Trip besichtigst, wie viele Stunden du am Strand verbringst, wie teuer du isst oder welche Sehenswürdigkeiten des UNESCO Welterbes du besichtigst. Es ist wichtig wie du dich dabei fühlst, bei dem was du machst. Es ist entscheidend, dass du Spaß hast.

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Als ich vor ein paar Wochen in Japan ankam, hatte ich drei Übernachtungen in Tokyo gebucht. Weiter nichts. Ich hatte mich nicht festgelegt in welche Städte ich reisen will und was ich alles erleben möchte. Ich wollte spontan sein. So kam es, dass die weiteren Pläne erst Stück für Stück Gestalt annahmen. Doch dann brach am Ende meiner ersten Woche die Ferienzeit in Japan an. Es begann der Run auf die Hostels und die anderen Unterkünfte des Inselstaates und ich war genötigt meinen Plan zu finalisieren und alle Buchungen bis auf die letzte Nacht fix zu machen. Das war gut für eine gewisse Grundstruktur, doch nahm es mir die Spontanität.

In Taiwan hatte ich in den ersten beiden Tagen ebenfalls ein Gerüst geschaffen, an dem ich mich lang hangeln wollte. Doch dann folgte der Taifun. Meine ersehnte Waltour in Hualien fiel aus und in Kenting, dass ich wegen seiner tollen Sandstrände besuchte, regnete und stürmte es drei Tage ohne Pause! Trotzdem gehören genau diese Tage in Taiwan zu den tollsten meiner Reise. Ich habe wahnsinnig nette Leute kennengelernt und wir waren einfach super spontan und haben von der einen zur anderen Sekunde gelebt.

Diese Spontanität begann nach meiner Raftingtour, als ich einen Taiwanesen traf, der in ein paar Monaten nach Deutschland fliegt, um dort ein Jahr zu leben und zu arbeiten. Er hatte ein paar Fragen und lud mich ein mit anderen zum Nachtmarkt zu fahren. Eigentlich passte mir das gar nicht in den Kram, da ich gerade dabei war die Raftingvideos von der Kamera zu ziehen. Aber natürlich wäre es viel amüsanter mit ein paar Einheimischen durch die Stadt zu ziehen, als alleine im Zimmer zu sitzen und Videos zu schneiden. Das könnte definitiv warten, entschied ich mich!

Wir fuhren also mit dem Auto zum Nachtmarkt, kauften frisch gepresste Säfte, Bier, Gegrilltes, Suppen, gefüllte Toasts sowie Sushi ein und fuhren zurück zum Hostel. Anschließend saßen wir die halbe Nacht im Aufenthaltsraum des Colorful Taiwan, genossen die Speisen und Getränke, plauderten fast die ganze Nacht und verglichen China, Taiwan und Deutschland. Wir stellten gemeinsam fest, dass der Flaschenpfand immer noch besser sei als den Abfall auf der Straße liegen zu haben, dass Facebook in China nicht verboten sein sollte und das Taiwan das Rennen um das schönste Land gewann. Kaum ein Thema blieb bei unseren Gesprächen aus, bis wir am Ende des Abends nach mehrmaligem Biernachschub albern und glücklich zu unseren Treppen torkelten.

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Am Folgeabend saß ich etwa 300km südlicher auf der unteren Matratze eines Doppelstockbettes. Ich schnitt das besagte Video, fügte emotionale Musik hinzu und lud es hoch. Danach folgte ich dem Gitarrenspiel, das durch das Hostel schallte. Im Gemeinschaftsraum traf ich auf Sean, Andrew und weitere Asiaten und klatschte als Andrew seinen letzten Song beendete. Seine Reaktion war symbolisch für dieses Land. Er fragte, ob er zu laut sei und ob er aufhören soll. „Nein, bloß nicht!“ erwiderte ich. Ich verschwand kurz auf die Straße, kaufte ein paar gegrillte Oktopusse und zwei Sixer Bier und war nach zehn Minuten wieder zurück im Konzertraum. Es war der Beginn eines unheimlich tollen Abends, eines kleinen Konzertes und einer Freundschaft. Ich konnte es kaum glauben wie einfach es war tausende von Kilometern von der Heimat entfernt zu sein und eine für beide Seiten fremde Sprache zu sprechen, Witze zu machen und Sympathien zu ernten.

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Am nächsten Tag, als ich frisch geduscht gegen halb zwölf Uhr wieder im Gemeinschaftsraum eintraf und gerade zum Frühstück gehen wollte, fragten mich Sean und Andrew, ob ich nicht mit zum Mittagessen mitkommen will. Klar, ob Frühstück oder Mittag spielte hier keine Geige. Es ging immer deftig zu!

Wir gingen in ein typisches taiwanesisches Restaurant. Ich bekam als einziger unserer Gruppe eine englische Karte, die zum Entsetzen aller anderen weniger Gerichte zu höheren Preisen beinhaltete. Dass das „normal“ sei, wollten mir die anderen nicht glauben. Letztendlich wählte ich einfach die Speisen, die mir auf Englisch gefielen und meine Übersetzer bestellten entsprechend der chinesischen Karte. „Du hast nur typisch japanische Speisen ausgewählt?“, fragte Sean. Oh, er hatte mich ertappt. Ich mochte das eben am liebsten. Um ihn nicht zu enttäuschen, strich ich die gemixte Sashimiplatte und wählte eine Muschelsuppe. Unsere Speisen kamen Stück für Stück und wurden für alle zugänglich auf den Tisch gestellt. Es war ein tolles Ambiente. Jeder probierte von jedem; allerdings mit kleinen Ausnahmen. Auf Kuhmagen, Schweinedarm und Hühnerfüße war ich dann doch nicht so scharf. Dank unserer großzügigen Auswahl konnte ich fleischfrei bleiben.

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Nach dem Essen wurde ich gefragt, was wir als nächstes machen sollten. Ich erwiderte, dass ich keine Idee hatte, da ich ja eigentlich wegen des Strandes hier war. „Okay, dann gehen wir eben zum Strand.“ Sturm und Regen zum Trotz kämpften wir uns langsam gegen den Wind zum Meer vor. Es war ein sagenhaftes Gefühl die riesigen Wellen auf uns zukommen zu sehen. Wir blieben solange, bis uns ein Rettungsschwimmer weg scheuchte. Es war wohl zu gefährlich am Strand.

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Und auch für das danach hatte ich keinen Plan. Auf dem Weg zum Hostel erzählte mir Andrew etwas von einem Aquarium ganz in der Nähe. Um dort hin zu kommen musst du einfach ihn nehmen, sagte er und zeigte auf einen zehn Meter entfernten Bus. „Sicher?“, fragte ich hektisch. Er war sich sicher. Also stürmte ich in den Bus und kaufte ein Ticket. Kurz nachdem ich mich hingesetzt hatte rief Andrew noch durch die sich schließenden Türen, dass sein Freund an der Station Ocean Aquarium aussteigen muss und dass der Busfahrer auf diesen freundlichen Deutschen Acht geben soll. Der ganze Bus lachte.

Am Abend nach dem Besuch des Aquariums saßen wir in unserer Gruppe wieder zusammen. Einige waren abgereist, aber auch andere hinzu gestoßen. Aus einer Schnapsidee heraus gingen wir nicht, wie eigentlich geplant, in einen Pub, sondern schnappten uns Andrew und seine Gitarre sowie ein paar Bier und gingen zum Strand. Alles war dunkel und kein Rettungsschwimmer anwesend, der uns vertreiben konnte. Der Himmel war inzwischen aufgeklart und wir sahen über dem Horizont des Meeres Millionen von Sternen. Die Wellen peitschten noch immer in der gleichen Intensität auf den Strand zu. Auch der Wind hatte nicht nachgelassen und schoss tausende Sandkörner gegen unsere Beine. Aber das machte uns nichts aus, wir setzten uns, lauschten den Klängen unseres Musikers und genossen jeden Moment!

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In einer dieser wunderbaren Sekunden, in denen du eigentlich an nichts anderes denkst, fiel mir dann ein, dass ich vor lauter Spontanität gar kein Zugticket für die morgige Rückkehr nach Taipei gebucht hatte. Aber auch das war kein Problem, wie sich später herausstellte. Ich wurde von Kenting bis Taipei, also fast 500km, von einem unserer Leute mit dem Auto mitgenommen und vor meinem Hostel abgesetzt. Besser hätte es wirklich nicht laufen können.

All diese kleinen Anekdoten und Erlebnisse haben mir gezeigt, dass man auch ohne akribische Planung eine Menge Spaß haben kann. Es wird vielleicht nicht möglich sein alle Attraktionen eines Urlaubsortes zu erkunden, aber ganz ehrlich, muss man das denn?

 

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frisch gebloggt am 03. September um 00:06 Uhr Singapore Zeit.

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Autor

Ich bin Steven, 29 Jahre alt und der Autor dieses Blogs Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

7 Comments

  1. Christiane Engling Reply

    Wann kommt eigentlich das Buch über Deine Reise raus ???
    Grüß Tante Maxe

  2. Hey, ich habe vor kurzem angefangen deinen Blog zu lesen und bin wirklich begeistert von den tollen Reiseberichten und Erlebnissen. Kompliment!!
    Wünsche euch noch eine gute Weiterreise, viele Grüße! :)

    • Huhu Nga,
      schön, dass es auch Menschen gefällt, die Asien schon lange vor mir erkundet haben. Ich lass´ von mir hören. Versprochen. =)

  3. Hi Steven, Deine einleitenden Worte sagen eigentlich schon alles und dem kann ich nur vollkommen zustimmen. Ich habe auf meiner nun schon einige Monate andauernden Reise so viele getroffen, die scheinbar ein Highlight nach dem anderen versuchen zu bereisen und dabei ganz vergessen, dass Reisen auch etwas mit Genießen zu tun hat. Es zählt eben nicht wie viel ich auf meiner Checkliste abhaken kann, sondern wie viel ich das “Abgehakte” genossen habe. Schön zu lesen, dass Du das auf jeden Fall (wenn sicher auch nicht jeden Tag) gemacht hast.

    VG aus (noch) Guatemala
    Tino

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