Wenn man an Australien denkt, dann denkt man natürlich sofort an Koalas und Kängurus. Ohne Frage gehören die putzigen Beuteltiere zu einer Reise nach Down Under genauso dazu wie ein Besuch am Great Barrier Reef oder eine Walbeobachtung. Doch im Osten Australiens kann auch das kurioseste Tier unserer Erde beobachtet werden: Das Schnabeltier.

Es fällt schwer ein Schnabeltier auf den ersten Blick biologisch zuzuordnen. Säugetier? Vogel? Reptil? Oder alles in einem?

Daran haben schon die Aborigines gerätselt. Irgendwann sind sie zu dem Entschluss gekommen, dass ein Schnabeltier bei der Paarung von Ente und Schwimmratte entstanden sein muss. In dieser Zeit ist wohl auch der englische Name „Platypus“ für das eierlegende Säugetier aus Australien entstanden.

Von den Legenden der alten Zeiten hört man in der Mackay Region im Bundesstaat Queensland viele, vor allem wenn man im Regenwald unterwegs ist. Aber auch neue Mythen reihen sich unter die Erzählungen der Einheimischen. So vermutet Ranger Col Adamson beispielsweise, dass leere Plastikflaschen wesentlich schwerer sind als gefüllte. Anders kann er es sich nicht erklären, dass er bei seinen täglichen Wanderungen immer wieder so viel Müll findet.

 

Weltweit einzige Tauchschule, um Schnabeltiere zu beobachten

Col ist ein ruhiger Typ. Sachlich erklärt er mir den Regenwald und die Mackay Region. Aber wenn er über das Verhalten mancher Touristen spricht, dann regt er sich merklich auf.

Ranger Col bei der Zubereitung des Mittagessens

Er kennt sich gut aus in seiner Heimat. Nur bei einem Thema lässt er lieber seine Kollegin Luana zu Wort kommen. Denn sie ist die Schnabeltier-Expertin der Region. In Finch Hatton eröffnete sie vor ein paar Jahren die „weltweit einzige Tauchschule, mit der man im Regenwald auf den Spuren der Schnabeltiere“ tauchen gehen kann. Ja, die Australier lieben Superlative. Als Luana auf die Reisegruppe trifft, ist der sonst so erzählfreudige Col plötzlich ganz schweigsam. Er überlässt der Ende 60-jährigen das Wort und lässt sie von ihrer Leidenschaft plaudern.

Luana, die Schnabeltier-Expertin der Region

Wer im Biologie-Unterricht richtig aufgepasst hat, weiß natürlich, dass Schnabeltiere Säugetiere sind. Dennoch sind sie sehr besonders. Sie legen Eier, säugen ihre Nachkommen, haben den Schnabel von Vögeln und die männlichen Tiere besitzen am Hinterbein einen kleinen Giftsporn. Damit gehören sie zu den wenigen Säugetieren, die giftig sind. Vermutlich wird der Giftsporn nur während der Paarungszeit eingesetzt. Für den Menschen sind sie ungefährlich. Im Internet stoße ich auf einige Berichte, in denen Hunde von Schnabeltieren und deren Gift verletzt wurden. Vermutlich handeltete es sich dabei um Hunde, die mit Jägern unterwegs waren. Dokumentierte Verletzungen von Menschen durch ein Schnabeltier gibt es nicht.

Und auch sonst ist das Tauchen im Regenwald harmlos, sagt Luana und vergleicht die ruhigen Gewässer im Regenwald mit dem offenen Meer an der Ostküste Australiens. Tauchgänge im Regenwald bietet sie für Anfänger ohne Erfahrung (160 AUD) und erfahrene Taucher mit Tauchschein (115 AUD) an. Ich gehöre zur ersten Gruppe und bin daher besonders aufgeregt.

Ich bin noch niemals zuvor in meinem Leben getaucht. Zwar hatte ich schon immer mal den Wunsch das Tauchen auszuprobieren, aber irgendwie kam es nie dazu. Und jetzt? Jetzt sitze ich mit dem Schnupfen meines Lebens im australischen Regenwald.

In Luanas Tauchschule bekommen wir das notwendige Tauchequipment. Ohne irgendwelche Vergleiche zu haben, schätze ich es auf den neuesten Stand. In ruhiger Stimmlage erklärt sie die wichtigsten Regeln des Tauchens. Dass wir hier einfach so ohne Tauchschein ins Wasser gehen können, liegt an der geringen Wassertiefe. Maximal drei Meter werden wir abtauchen.

Mit einem Schlag löst sich meine Angst. Zuvor musste ich unterschreiben, dass ich vollständig gesund bin und auch keine Erkältung habe. Das Gegenteil ist der Fall. Meine Nase ist zu wie die Straßen Bangkoks im Berufsverkehr. Was das zu bedeuten hat, werde ich leider erst im Wasser erfahren.

Von den Schnabeltieren in Queensland habe ich ein Video gemacht. Viel Spaß damit. Wenn dir das Video gefallen hat, abonniere gerne meinen Kanal.

Schnabeltiere beobachten in Finch Hatton

Und die Wahrscheinlichkeit Schnabeltiere zu sehen? Luana kann nichts garantieren, hofft aber das Beste, als wir nach dem Mittagessen das Zwitschern der Vögel hinter uns lassen und in das stehende Gewässer eintauchen.

Plötzlich ist es still. Nur meine Atmung und das Aufsteigen der verbrauchten Atemluft nehme ich akustisch wahr. Ich führe meine rechte Hand zur Nase, halte sie fest zu und versuche durch die Nase auszuatmen. Luana hat mir eben erst erklärt, dass ich so einen Druckausgleich mache. Ich versuche es immer und immer wieder, aber nichts passiert. Kein Knacken in den Ohren, keine Entlastung beim Ausatmen. Mist, das scheint an dieser verfluchten Erkältung. Zum Glück sind wir nicht so tier.

Ich tauche durch eine grüne Wolke aus feinsten Algen und sehe einige Sekunden nichts. Auch das noch. Doch hinter dem Nichts schwimmt eine Schildkröte. Etwas weiter zeigt Luana auf einen Aal. Die Zeit unter Wasser, immerhin eine ganze Stunde, vergeht sehr schnell. Wir sehen noch einige Fische und tauchen dann zurück. Schnabeltiere sehen wir nicht.

Enttäuscht ziehe ich meinen Neoprenanzug aus und säubere mein Tauchequipment. Diesen sagenhaften Druck spüre ich nach wie vor auf den Ohren. Ich kann wirklich nicht empfehlen mit einer Erkältung tauchen zu gehen. Das war ziemlich unverantwortlich von mir.

Schnabeltiere im Eungella National Park

Wenige Minuten später treffen wir Col. Er holt uns mit einem Minibus ab und fährt uns zum Platypus Lodge Restaurant im Eungella National Park. Der Nationalpark ist vor allem wegen der Schnabeltiere bekannt. Kurz bevor wir das Restaurant erreichen, passieren wir eine Brücke. Col stoppt den Wagen und zeigt etwa 150 Meter flussaufwärts. Mir fällt es schwer etwas zu erkennen, doch dieses braune Etwas muss ein Schnabeltier sein. Wahnsinn. Wir werden sie hier wohl in aller Ruhe beobachten können.

Im Platypus Lodge Restaurant erfahren wir, dass die nachtaktiven Tiere am besten zwischen vier und acht Uhr am Morgen sowie zwischen drei und sieben Uhr am Abend zu sehen sind. Bis zu 1600 Tauchgänge absolviert ein Schnabeltier in einer Nacht auf der Suche nach Nahrung. Dabei bleibt es nur 30 bis 35 Sekunden unter Wasser und sucht nach Wasserläuferlarven, Krebsen oder Süßwassergarnelen. Doch gefressen wird ausschließlich an der Wasseroberfläche. Dieser Moment ist meine Chance einen Blick auf eines dieser skurrilen Tiere zu erhaschen. Da Schnabeltiere anscheinend die einzigen Tiere ohne klare Verhaltensmuster sind, ist auch das nicht garantiert.

Also übe ich mich in Geduld. Und du weißt sicher schon, dass Geduld nicht zu meinen Stärkn gehört. Doch ein Schnabeltier würde ich nur zu gerne in Australien zu Gesicht bekommen. Über eine Stunde gehe ich am Flussbett entlang und starre auf den Lauf des Wassers. Meine Reisebegleiter haben es sich mit Col im Restaurant gemütlich gemacht.

In der Ferne sehe ich kleine Bewegungen unter Wasser. Doch die Sicht ist zu schlecht, so dass ich nichts erkennen kann. Erst kurz bevor wir losfahren wollen, taucht ein Schnabeltier dreißig Meter vor mir auf, schaut sich um und verschwindet wieder unter Wasser. Ich habe nur einige Sekunden Zeit, um ein paar Videoaufnahmen zu machen und werde es nie wieder sehen, aber jetzt weiß ich, dass in diesen Gewässern wirklich diese sagenumwobenen Schnabeltiere leben. Und ganz ehrlich? Die Aborigines lagen mit ihrer Herleitung gar nicht so weit daneben: Ein Schnabeltier sieht aus wie eine Kreuzung aus Ente und Schwimmratte.

Spannende Fakten über Schnabeltiere

– Schnabeltiere sehen aus wie eine witzige Mischung aus Säugetier, Vogel und Reptil
– Die eierlegenden Säugetiere haben einen Schnabel, Schwimmhäute und gelten wegen dieser Besonderheiten als „lebendes Fossil“.
– Der Schnabel dieser Tiere ist biegsam.
– Beheimatet sind Schnabeltiere an der gesamten Ostküste Australiens.
– Eine alte Legende sagt, Schnabeltiere wären die Nachkommen aus einem Entenweibchen und eines Schwimmrattenmännchens. Von der Mutter hätten die Tiere Schnabel und Schwimmhäute, vom Vater das braune Fell.
– Schnabeltiere sind nachtaktiv.
– Bis zu 1600 Tauchgänge absolviert ein Schnabeltier in einer Nacht.
– Dabei taucht es zwischen 30 und 35 Sekunden ab.
– Bis zu 10 Minuten kann ein Schnabeltier unter Wasser bleiben.
– Schnabeltiere ernähren sich von Wasserläuferlarven, Krebsen oder Süßwassergarnelen.
– Gefangen wird die Nahrung unter Wasser, gefressen wird nach dem Auftauchen.
– Es wurde beobachtet, dass Kormorane oder Kingfisher den Schnabeltieren das Fressen nach dem Auftauchen aus dem Schnabel klauen.
– In Australien und im sonstigen englischsprachigen Raum werden Schnabeltiere Platypus genannt.
– Die männliche Platypus haben einen 1,5 cm langen Giftsporn. Somit zählt das Schnabeltier zu den wenigen giftigen Säugetieren.
– Männliche Schnabeltiere sind etwa ein Drittel größer als die Weibchen.
– Das Fell von Schnabeltieren ist so sehr wasserabweisend, dass es nie nass wird.

Alle Infos und Fakten, um Schnabeltiere zu sehen

– Ich habe die Schnabeltiere in der Mackay Region gesehen
– Zu empfehlen ist auf jeden Fall der Eungella National Park.
– Vor dem Platypus Lodge Restaurant hat man kostenlos die Möglichkeit die Tiere zu sehen.
– In Finch Hatton bietet Luana Tauchgänge zu den Schnabeltieren an. Da die Tiere sehr scheu sind, ist es meiner Meinung nach sehr schwierig sie beim Tauchen zu sehen. Die Seiten vor meinem Gästebucheintrag erzählten auch davon, dass die Teilnehmer die Tiere nicht beim Tauchen gesehen hatten.
Grundsätzlich sind Schnabeltiere im Osten Australiens in den Bundesstaaten Queensland, New South Wales, Victoria und Tasmanien im Süßwasser anzutreffen. Sie bevorzugen saubere Gewässer, stehend oder fließend. Auf der Känguru-Insel sind Schnabeltiere nicht ursprünglich beheimatet, wurden dort aber angesiedelt.
– Am besten sieht man die Tiere auf einer geführten Tour mit Menschen aus der Region. Diese Menschen kennen einfach die Aufenthaltsorte der Schnabeltiere und wissen wie man sie ungestört beobachtet.

 

 

Dieser Text ist in einer anderen Version zunächst in der WELT erschienen. Ich wurde 2017 nach Queensland (Australien) von Queensland Tourism eingeladen und reiste von Brisbane nach Cairns. Unterwegs machten wir eine Stopp in der Mackay Region und suchten die Schnabeltiere von Queensland. Die CO2-Emissionen für meine An- und Abreise habe ich privat mit mehr als 100% via Atmosfair kompensiert.

Autor

Ich bin Steven, 29 Jahre alt und der Autor dieses Blogs Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

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