Er, ein etwa 40 jähriger Chinese, stand bis zur Brust im Fluss, nachdem er kurz zuvor rückwärts aus dem Boot gefallen war. Nun machten es ihm die Strömung und die knapp 80 Zentimeter bis zur Bootsoberkante unmöglich wieder einzusteigen. Vor uns lag schon die nächste Stromschnelle und wir steuerten auf einen Felsen zu, der die Größe einer Waschmaschine hatte. Endlich Abenteuer, dachte ich, warf mein Paddel in die Mitte des Bootes, stand auf und taumelte bis an das Ende des Schlauchboots. Ich packte ihn mit beiden Händen an seiner Schwimmweste und zählte: „One…two…three!“. Bei drei sprang er hoch und ich zog ihn im gleichen Moment mit meiner ganzen Gewichtskraft in das Bootsinnere.

Diese kleine Anekdote klingt am Ende des Tages vielleicht viel abenteuerlicher, als sie im Endeffekt war. Fakt ist aber, dass wir unglaublichen Spaß hatten.

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Um halb acht startete gestern früh mein Rafting-Tag und somit auch meine erste gebuchte Tour. Bisher hatte ich alles auf eigene Faust erkundet.  Eine tolle Abwechslung, nach drei Tagen in Taipei! Es ging von meinem Hostel in Hualien zum Xiuguluan River. Nachdem wir ein paar weitere Leute in der näheren Umgebung eingesammelt hatten, fuhren wir die Schnellstraße in Richtung Süden. Wir brauchten etwa eineinhalb Stunden, bis wir das Ufer des Xiuguluan River erreichten. Das lag aber nicht an der weiten Distanz, sondern eher am Fahrer, der die ganze Zeit plauderte und dabei ganz vergaß mal auf das Gaspedal zu treten. 70 km/h ist auf glatter gerader Straße echt laaaaaaaaangsaaaaaaam. Aber wir hatten ja Zeit und kamen letztendlich pünktlich an.

Kurz nach der Ankunft bekamen wir Schwimmwesten, helmähnliche Kappen und mussten ein Sicherheitsmovie schauen, bevor wir noch mal an den Booten eingewiesen wurden. Bei so viel Sicherheit vorab wären meiner Mama bestimmt die Freudentränen gekommen!

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Diese Kappen kannte ich vorher nur von Petr Čech.
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Nicht unbedingt ein Modeknaller, aber unheimlich sicher und nicht mal unangenehm zu tragen.

Bei der Einteilung der Boote konnte ich mich in eine Gruppe mit zwei englischsprachigen Rumänen mogeln. Das rettete mir vermutlich den Tag, denn viele sprechen auch hier kein Englisch.

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Kurz vor dem Start: Ein letzter Ausrüstungscheck!

Der Start im seichten Gewässer war perfekt, um Crew und Boot kennenzulernen. An Bord begrüßten wir neben den beiden aus Bukarest auch Touristen aus Taiwan und China. Doch für ein ausführliches Kennenlernen war gar nicht so viel Zeit, denn schon nach wenigen Minuten hatten wir die erste Stromschnelle erreicht.

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Die Crew!

Wir waren wie das Team vom Turmbau zu Babel, nur eben auf dem Wasser. Ein führerloses Boot, eine zum Kentern verurteile Nussschale. Jede Flaschenpost war schneller und sicherer unterwegs. Was zur Folge hatte, dass wir die erste Stromschnelle rückwärts nahmen und kurz darauf gegen einen Felsen knallten. Passiert ist dabei zum Glück nie etwas. Der oben erwähnte Chinese ist bei einer kleinen Kaskade (= Stufenwasserfall) einfach nach hinten geplumpst.

Damit das nicht zu häufig passierte und keiner ernsthaft verletzt wird, hatten wir motorisierten Begleitschutz. Die Guides, die den Fluss schon seit Jahren kannten, rammten unser Boot mit einer ungeheuren physikalischen Zielgenauigkeit, so dass wir genau in die richtigen Fahrwege kamen und auch mal in der Lage waren eine Stromschnelle vorwärts hinunter zu sausen. Außerdem verhinderten sie so, dass wir in einen der Strudel kamen und uns minutenlang um uns selbst drehten. Denn da mit der Babel-Crew rauszukommen war gar nicht so einfach.

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Auch Helden brauchen mal eine Pause!

Und wenn wir mal den Anschluss an das Hauptfeld verloren hatten oder der Fluss eine Weile etwas ruhiger war, dann wurden wir von den motorisierten Guides ein Stück gezogen.

Das war perfekt, um sich in die wunderschöne Landschaft Taiwans zu verlieben. Wir konnten gemütlich die Füße hochlegen, uns die Sonne auf den faulen Pelz scheinen lassen und die tropische Vegetationszone mit all ihren Bergen, Felsen, Palmen, Vögeln und allem was sonst noch dazu gehört bestaunen. Einzig und allein ein Bier, oder von mir aus auch ein anderes kühles Getränk, hätten diese herrlichen Momente noch perfekter gemacht, als sie ohnehin schon waren.

Während die anderen fleißig paddelten, habe ich einige Zeit einfach nur da gesessen und Videos gemacht. Film ab, für weitere Eindrücke:


Der Mix aus abenteuerlichem Rafting und entspanntem Naturgenuss im treibenden Boot machten diesen Ausflug zu einem unvergesslichen Erlebnis und brachten die gewünschte Gehirnwäsche vom Großstadtgewümmel. Sehr cool, dass meine Freundin schon die nächste Raftingtour in Malaysia geplant hat!
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frisch gebloggt am 29. August um 01:20 Uhr Taiwan Zeit.

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Autor

Ich bin Steven, 29 Jahre alt und der Autor dieses Blogs Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

13 Comments

  1. Kevin Hille Reply

    Mehr Videos bitte !!!! ;) Geil!! Kannst dich noch an die Tour im Taurusgebirge Türkei erinnern??
    Wassersport is für uns Großstadtdödel schon was spannendes, wa!?

  2. Sabine Richter Reply

    Hallo Steven,
    mit Begeisterung lesen wir fast jeden Tag deinen Blog. Es ist einfach toll daran teilzunehmen.
    Du schreibst mit so einiger fantastischen Gabe, dass man das Gefühl bekommt man hat es selbst erlebt. Japan ist z.B. ein Land was mich (Tante Biene)von den asiatischen Ländern als Einziges schon immer interessiert hat.
    Wir wünschen dir weiterhin alles Gute und schöne Erlebnisse.
    Kommt gesund wieder nach Hause!
    Onkel Siggi und Tante Biene

    • Mache ich. Der Taifun ist zumindest schon Mal überstanden. Schön, dass es euch auch gefällt! Wart ihr denn schon mal in Japan?

  3. hammer steve :)
    ich bin noch gespannter auf deine ganzen erzählungen :)

  4. Du hast scheinbar eine schöne Zeit in Taiwan. Meine Zeit in Asien ist in ein paar Tagen leider schon vorbei (es geht dann nach Mittel- und Südamerika in ein paar Tagen). Allerdings wird es auch nicht mein letzter Besuch in Asien gewesen sein und Taiwan steht ab sofort auch mit auf meiner Liste für die nächsten Urlaub. Danke für die schönen Berichte !

      • Danke ! Da mal wieder ein Taifun Japan mit Dauerregen beglückt, nutze ich die Zeit für die Planung. Gar nicht so einfach – es gibt viel zu viele Orte die man besuchen könnte. Schon fast zum verzweifeln – 6 Monate sind einfach nicht genug ;) Wo geht es bei Dir noch hin?

        • Wenn das einer liest, der 28 Tage Urlaub im Jahr hat…haha.
          Immer der Karte im Header nach: Gerade in Singapur angekommen, da hole ich später meine Freundin vom Flughafen ab und dann nach Malaysia und Thailand.

          • Stimmt, das ist schon unverschämt. Wollte es mit dem Smiley hinter der Aussage etwas mildern ;)
            Ich werde auch nie wieder über japanische Reisegruppen in Deutschland lachen, die mit dem Bus ankommen, rausspringen, 1000 Fotos machen und wieder verschwinden. Bei 10 Tagen Urlaub pro Jahr haben die gar keine andere Wahl.
            Dir (oder ab nun besser Euch) eine gute Weiterreise – Malaysia soll echt schön zu bereisen sein. Habe ich leider nicht gemacht und nur in Kuala Lumpur einen Zwischenstopp gehabt (hat mir aber nicht so gefallen).

            Tipp für Singapur: falls Ihr in den Infinity-Pool im Marina Bay Sands wollt, müsst Ihr nicht unbedingt gleich dort übernachten (nur Hotelgäste kommen in den Pool). Ihr könnt einfach mal die Leute im Hotel ansprechen, ob sie Euch nicht ein Ticket für den Pool (sie bekommen mehrere wenn sie fragen kostenlos) holen können. Ein wirklich toller und Blick von hier … sehr zu empfehlen. Handtücher gibt es im Poolbereich kostenlos, d.h. ihr müsst nur die Badesachen einpacken.

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