Meine grünen Reisetipps für eine Fahrradreise in der Gironde:

1. Das Département Gironde ist extrem vielfältig. Atlantikfeeling bei Lacanau-Océan, Städtetrip in Bordeaux, Wälder und Weinberge im Entre deux Mers oder Kanäle und Baden am Canal de Garonne. Was magst du am meisten? Entscheide dich und verbringe deine Zeit an dem Ort, den du liebst. Oder: Mache wie ich einen Rundtrip.

2. Leih dir ein Fahrrad und fahr vom Atlantik zum Lac de Lacanau. Plane dir den ganzen Tag ein und picknicke am See. Folge der Boucle du Lion für einen schönen Rundkurs.

3. Besuche die Dune du Pilat am Abend, wenn die Sonne hinter dem Atlantik verschwindet. Seit fast 40 Jahren steht die größte Wanderdüne Europas unter Naturschutz.

4. Mach einen Abstecher in die Stadt Gujan-Mestras, besuche die Austernfarmen und gönn dir ein tolles Abendessen ohne ein schlechtes Reisebudget-Gewissen zu haben.

5. Miete dir für nur 7€/Woche ein städtisches Fahrrad in Bordeaux.

6. Besuche die Cité du Vin in Bordeaux, aber nimm dir sehr viel Zeit mit. Sonst läufst du wie ein aufgeregtes Frettchen durch das Museum und weißt nicht wohin mit deiner Aufmerksamkeit.

7. Iss ein vegetarisches Menu im „La Brasserie Bordelais“ in Bordeaux.

8. Laufe nachts durch die Straßen Bordeaux und bewundere die Straßenmusiker.

9. Übernachte im Camping Le Village du Lac vor Bordeaux und kombiniere eine Städtereise mit einer nachhaltigen Unterkunft.

10. Miete dir ein Fahrrad und fahr durch die Weinberge des Entre deux Mers.

11. Mache einen Stopp bei Emilie im Château Peneau in Haux und lass dir das Weingut zeigen.

12. Probiere den süßen Cadillac – eine Spezialität des Entre deux Mers.

13. Übernachte bei Anne im La Parenthèse und frühstücke in ihrem Innenhof.

14. Entdecke den Canal de Garonne vom Fahrrad oder vom Boot und speise am Ende deines Tages im Ecluse 52. Der Chef ist ein französisches Original, etwas hektisch, aber sehr sympathisch.

 

 

Schau dir mein Video der Reise durch die Gironde an.

Reiseerlebnisse aus dem Département Gironde

Schmale asphaltierte Straßen führen an Ferienhäusern und Ferienwohnungen vorbei. Mein Navigationsgerät zeigt an, dass wir gleich da sind. Wir stoppen vor einem Betonklotz im 70er Jahre Stil. Das Ding muss sich irren, vermute ich, denn vom erwarteten Charme der international bekannten Surfergemeinde Lacanau Océan nehme ich nichts wahr: Keine blonden Typen, die oberkörperfrei ihr Surfbrett tragen und keine jungen Surferinnen in Neoprenanzügen. Ein Hausdurchgang führt Simon und mich zum Atlantik. Die Sonne brennt urplötzlich in meinen Augen, denn sie steht tief an diesem Nachmittag. Das Meer ist dabei sich zurückzuziehen, legt den Strand frei und beruhigt mich mit seinem sanften Rauschen. Wir sind da. Willkommen im Departement Gironde, denke ich und bin ein bisschen über die Betonplattenwege und betonierte Häuserfront enttäuscht. Hat mir nicht neulich erst jemand etwas von einem französischen Gesetz erzählt, dass es verbietet die Küste dicht zu bebauen? Ein hastiges Rumgetippe auf meinem Smartphone bringt keine Klarheit. Aber ich finde raus, dass eine Reisebekanntschaft, die vehement behauptete Croissants stammen aus Österreich, wohl auch nicht recht hatte. Das klingt vielleicht verrückt, aber die Theorie Croissants stammen aus Österreich hält sich wacker. So ist das manchmal. Manchmal haben wir Vorurteile, falsche Bilder oder schlicht und einfach andere Erwartungen im Kopf.

 

 

Lacanau Océan | Surfertreffpunkt in der Gironde

Na dann mal auf zum Strand. Es ist recht umtriebig an diesem Samstagnachmittag. Einige Kinder baden mit T-Shirts im seichten Wasser und zwei jugendliche Jungs versuchen mit ihren Surfbrettern in den verbotenen Bereich zu paddeln. Sie entgehen den Augen einer engagierten Rettungsschwimmerin nicht, die sich in hektischer Baywatchmanier ihr Shirt vom Leib reist und zur Rettung eilt. Weder ich, noch die Jungs verstehen ihren übereifrigen Einsatz. Entweder braucht sie eine Erfrischung oder kennt die Gefahren. Nicht umsonst wird dieser kleine Bereich abgesperrt sein, vermute ich und wundere mich dann doch über zwei weitere Rettungsschwimmer, die sich entspannt einen Aussichtsturm teilen und die junge Kollegin in aller Seelenruhe beobachten.

Seit den 70er Jahren ist der Ortsteil Lacanau-Océan als Surfspot bekannt. Surfer aus aller Welt treffen sich hier, etwa 60 Kilometer westlich von Bordeaux in der Region Aquitanien. Viele von ihnen übernachten in Ferienwohnungen, auf den zahlreichen Campingplätzen oder auf dem Parkplatz direkt vor der Küste im eigenen Van.

Im Fahrradverleih Nomade, mieten wir uns zwei Räder. Wir fahren die Silberküste (Côte d’Argent) entlang, sehen einige Surfer und fahren auf der Vélodyssée Richtung Süden. Bis nach Spanien würden wir kommen, wenn wir der Route folgen würden. In anderer Richtung würde es bis nach Norwegen gehen. Doch irgendwann biegen wir ins Landesinnere ab. Der Lac de Lacanau, einer der größten Binnenseen Frankreichs, ist unser Ziel. Wir fahren auf schönen Fahrradwegen durch die Pinienwälder. Der salzig-feuchte Geruch des Meeres verschwindet immer mehr und wird vom harzigen Duft der Nadelbäume abgelöst. Fast 18 Kilometer folgen wir der Boucle du Lion, einem Rundkurs zwischen den Badeorten Lacanau, Carcans-Maubuisson und Hourtin und den Seen, Dünen, Wäldern und dem Meer – auf der Halbinsel Médoc.

Betonbauten an der Küste am Atlantik
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Unendlicher Strand
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Simon und ich kurz nach der Ankunft
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See von Lacanau
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Fahrradverleih Nomade

Bordeaux | Weinhauptstadt Frankreichs in der Gironde

Die Halbinsel Médoc reicht geografisch bis Bordeaux. Hier übernachten Simon und ich auf dem Campingplatz Le Village du Lac am Stadtrand der Weinmetropole. Städtereise und Camping: Bordeaux zeigt, dass die nachhaltige Kombination möglich ist. Am Abend mieten wir uns zwei Stadträder des städtischen Verkehrsangebotes. Direkt vor dem Campingplatz befindet sich eine von 174 Leihstationen. Die Preise sind mit 1,5€/Stunde, 7€/Woche, 10€/Monat und 30€/Jahr so gering, dass sich ein eigenes Fahrrad selbst als Bewohner der Stadt kaum rentiert.

Die Straßen in Bordeaux sind überfüllt, es gibt viele Baustellen und viel Verkehr. Wie praktisch das Fahrradfahren ist und wie schnell er sich dadurch in der kleinen Stadt fortbewegen kann, erzählt mir Felix Nicot, den wir zufällig in Bordeaux treffen und ihn fragen warum er mit dem Fahrrad unterwegs ist.
57 Millionen Flaschen Wein werden jährlich in Bordeaux produziert, lerne ich in der Cité du Vin. Am Abend genehmigen wir uns eine davon. Die Fahrräder lassen wir in der Stadt stehen und wollen mit der Straßenbahn zurückfahren. Später essen wir in La Brasserie Bordelais ein vegetarisches Menue und trinken … ach, das kannst du dir schon denken.

 

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Wein in Bordeaux
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Cité du Vin
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Fluss Garonne in Bordeaux
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La Brasserie Bordelais mit vegetarischem Angebot
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Camping vor der Stadtgrenze

Entre deux Mers | Weinberge soweit das Auge reicht

Wie genau der Wein produziert wird, bevor er durch französische Kehlen rinnt, erklärt uns Emilie am nächsten Tag in Haux, einer Gemeinde im Entre deux Mers.

Sprachlich übersetzt bedeutet „Entre deux Mers“ etwas wie „Zwischen zwei Meeren“. Wer jedoch glaubt (wie ich), damit wäre das Festland zwischen Atlantik und Mittelmeer gemeint, liegt falsch. Richtig ist, dass die Bezeichnung für das hügelige Land zwischen den Flüssen Garonne und Dordogne steht. Richtig ist aber auch, dass hier der Radweg Voie Verte entlang führt, der einen bis nach Toulouse und dann entlang des Canal du Midi bis nach Sète und ans Mittelmeer führt.

Aber zurück zu Emilie. Sie ist Winzerin. Und vermutlich eine der schönsten Frauen, die ich jemals in Frankreich getroffen habe. Der Weinbau ihrer Familie Château Peneau in Haux ist 30 Hektar groß. Rotweine, Weißweine, Roséweine, Cremant und Clairet werden hier produziert. Aber vor allem auch der Cadillac, ein Weißwein, der durch die Hinzugabe eines Pilzes kurz vor der Ernte besonders süß wird. Während ich Emilie mit Fragen löchere, führt sie uns durch den Weinkeller und zeigt uns die Familienschätze, die nicht zum Verkauf stehen. Der älteste Wein ist von 1975. Ich verstehe wenig von Weinen, aber die Geschichte des Weins, die Herstellung und der Beruf des Winzers interessieren mich wahnsinnig. Irgendwann haben wir so viel erzählt, dass wir keine Zeit mehr für eine Verkostung haben. Glück für uns, denn Emilie gibt uns mehr Weinflaschen mit, als wir tragen können und lässt sie zu unserem Fahrradverleih liefern.

Emilies Weinberge

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Emilie erklärt den Job einer Winzerin
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Zu Vermieten: Aber nur ganzjährlich.

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Canal de la Garonne | Zwischen Schleusen und Platanen

Zusammen mit unserer Gastgeberin des La Parenthèse und zwei deutschen Winzern essen wir zu Abend. Die englisch-französischen Gespräche des Vormittags über den Wein und seinen Anbau kann ich mit den deutschen Winzern vertiefen. Eine Flasche des besagten Cadillacs öffnen Simon und ich nach dem Essen. Schnell und zielstrebig steigt mir der süße Cadillac in den Kopf.

Am nächsten Tag treffen wir Alain. Er hat dieses Jahr erst seinen Fahrradverleih Les Cycles du Canal in Castets-en-Dorthe eröffnet. Er zeigt uns seine Fahrräder, seine Garage und seine Werkstatt. Aus ihm strahlt der Stolz eines Jungunternehmers, gepaart mit sympathischer Nervosität. Wir nehmen uns viel Zeit, plaudern mit Alain, filmen ihn bei den Reparaturen seiner Fahrräder und in seiner Garage. Simon lässt sich dazu breitschlagen ein E-Bike zu nehmen. Ich will mich darauf mal wieder nicht einlassen und rede mir ein „ehrlich“ radeln zu wollen. Gesagt getan. Runter geht es den Hügel vom Zentrum Castets-en-Dorthes zum Kanal. Bis hier hin kann man die Gezeiten in der Garonne bemerken. Ab der Schleuse Nummer 52 beginnt der Canal de Garonne, der auch als Canal Latéral à la Garonne bekannt ist.

Mal wieder auf dieser Reise fühle ich mich wie in einer anderen Welt. Bemerkenswert, wie vielfältig das Département ist. Wir treffen Radfahrer, die „gerade“ aus der Bretagne kommen, Angler, die nach dem Mittagessen fischen, Bootsfahrer, die französische Kanäle entdecken und tasten uns unter Platanen von Schleuse zu Schleuse immer mehr den Kanal hinauf.

Ursprünglich wurde der Kanal zum Transport von Waren geschaffen. Doch in der gleichen Zeit blühte die Eisenbahnindustrie auf und so war der Kanal kurz nach seiner Fertigstellung zwar schön anzusehen, aber vollkommen nutzlos. Aber das mit dem Bootfahren, ist vielleicht eine andere Geschichte …

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Angler am Canal de Garonne

 

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Restaurant Ecluse 52

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Meine Reise durch das Département Gironde wurde von Gironde Tourisme und Atout France unterstützt und ermöglicht. Ziel war es Eindrücke französischer Naturregionen zu gewinnen und pro Region einen Film zu produzieren. Außerdem durfte ich auch auf die Unterstützung zahlreicher regionaler Partner zählen. Ich danke für diese Möglichkeit und garantiere, dass meine Meinung von der Einladung nicht beeinflusst wurde.

Autor

Ich bin Steven, 30 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Im März 2019 habe ich die NGO WeWater mit Freunden gegründet. Hast du ein paar Euro übrig, freue ich mich für meine gemeinnützige Organisation über eine Spende. Vielen Dank. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

2 Comments

  1. Super Steven für die schöne Reportage. Text und Video- habe jetzt wirklich ein bisschen abschalten können und hoffe auf die nächsten sonnige Tage in Neu-Aquitanien, obwohl ich in Bordeaux mit meinem BUB-Bike das ganze Jahr unterwegs bin. Der Herbst mit seinen bunten Blättern ist auch eine schöne Jahreszeit! Und ich habe dazu gelernt, dass man in der Brasserie Bordelais vegetarisch essen kann.
    Bedaure immer noch, dass wir uns nicht kurz gesehen haben in Bordeaux.
    LG, Yasmine

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