Zwei Tage nach der Ankunft in Norwegen wanderten wir zum Preikestolen. Es war eine schöne Wanderung bei schrecklichem Wetter. Doch das Ziel der Reise war es wert: Ein wundervoller Ausblick über den Lysefjord. Da ich am Ende dieser Wanderung zum ersten Mal einen Fjord in Norwegen sehen würde, war dieser Tag für mich ein ganz besonderer. Aber der Reihe nach, denn unsere Reise mit dem Elektroauto in Norwegen begann schon zwei Tage eher.

Mit der Fähre von Hirtshals (Dänemark) nach Kristiansand (Norwegen)

Die Überfahrt von Hirtshals nach Kristiansand war alles andere als ein schöner Bootscruise. Acht bis dreizehn Meter hohe Wellen brachten unsere Fähre ordentlich ins Schaukeln. Wir fühlten uns wie auf einer Nussschale. Kurz vor dem Boarding hatten wir noch überlegt welches Wetter solch ein gigantisches Schiff aus dem Gleichgewicht bringen würde. Dieses Wetter.

Etwa jeder fünfte auf der Fjordline wurde seekrank, musste sich übergeben. Wein- und Whiskeyflaschen flogen aus den Regalen des Bordshops und hin und wieder war der Aufschlag auf einer Welle so groß, dass wir abhoben. Nicht nur das Schiff – auch alle Passagiere. Mein Bruder und ich vertrugen die Fahrt außerordentlich gut. Nach dem Ablegen des Schiffes waren wir zu lange an Deck geblieben, winkten Dänemark ein letztes Mal zu und verließen den Hafen von Hirtshals. Als wir ins Schiff zurückkehrten waren alle Sitzplätze belegt. Nicht gerade ein Fest, wenn man über einhundert Euro für die Überfahrt bezahlt, aber wir machten es uns auf dem Fußboden gemütlich und schliefen während ein Teil des Schiffes mit dem Rennen zur Toilette beschäftigt war.

Ladesäulen für Elektroautos in Norwegen

Das Durchqueren Dänemarks war während unserer Reise bisher der anstrengendste Teil. Die Infrastruktur für Elektrofahrzeuge hat in Dänemark noch Luft nach oben. Wir erreichten nicht eine Schnellladestation und mussten immer eine Zeit auf den vollen Akku warten. Während eines kostenlosen Ladevorgangs bei einem IKEA trafen wir ein Paar mit einem Tesla. Sie klagten uns ihr Leid. Gerade der Tesla braucht in Dänemark oft einfach zu lange, um aufzuladen.

Mit dem Erreichen Norwegens verblassten diese Probleme. Ich hatte vor dem Start unserer Reise die Apps Charge & Drive sowie Grønn Kontakt heruntergeladen und mich bei beiden registriert. Beide akzeptieren Kreditkartenzahlung und die Bedienung ist sehr einfach. Während wir mit Charge & Drive in ganz Südnorwegen laden konnten, nutzen wir Grønn Kontakt überall nördlich Bergens. Mit diesen beiden Apps können wir ganz Norwegen vom südlichsten Punkt bis Trondheim abdecken. Das Laden kostet bei beiden Anbietern 2,5 Norwegische Kronen pro Minute. Für eine volle Ladung zahlen wir ungefähr 9 Euro. Damit können wir im Schnitt 200 Kilometer fahren. Meistens planen wir die nächste Ladung nach 150 Kilometern ein, so dass wir im Notfall noch einen geringen Ladestand haben und nicht mit leerer Batterie irgendwo eintreffen.

Wanderung zum Preikestolen

Die Wanderung zum Preikestolen, einer überdimensionalen natürlichen Aussichtsplattform, war vor unserer Abreise in Berlin die einzige Aktivität, die in Norwegen fest eingeplant war. Ich hatte Bilder des Felsvorsprungs in meinem Reiseführer gefunden und wollte die natürliche Plattform unbedingt besuchen.

Für meinen Bruder, der tiefen Herzens das Motto „Laufen über 50 Meter ist Landstreicherei“ vertritt, war der Start zur Wanderung eine kleine Überwindung. Ihm macht wandern einfach keinen Spaß. Vor einer körperlichen Herausforderung muss sich jedoch keiner fürchten. Jeder, der halbwegs sportlich ist, schafft den Weg zum Preikestolen.

Echte Wanderer werden hingegen eher enttäuscht sein. Der Weg zum Preikestolen ist einer der touristischen Highlights Norwegens. 300.000 Menschen werden im Jahr 2017 den Weg zum Preikestolen finden. Dem entsprechend kann es auf den fast zu perfekten Wegen mit steinernen Stufen sehr voll werden. Herausforderungen suchen echte Abenteurer hier vergebens. Für Hobby-Abenteurer und Touristen, die die Natur genießen wollen, ist der Pfad zum Preikestolen perfekt.

Tipp: Einige Wanderer steigen erst am Abend mit Zelt und Ausrüstung auf den Preikestolen hinauf. Eine Übernachtung vor dem Gipfel ist eine tolle Idee, um den Preikestolen am frühen Morgen bei Sonnenaufgang ohne viel Trubel zu erleben.

Aufstieg zum Preikestolen in vier Akten

Vom unteren Parkplatz geht es einige hundert Meter neben der Straße entlang, ehe der Asphalt von einem Schotterweg abgelöst wird. Schon bald wird es etwas holpriger. Wurzeln und Steine erfordern Achtsamkeit. Über den Höhenrücken, geht es im Anschluss einen steinigen Pfad hinauf. In schnellen Schritten gewinnen wir an Höhenmetern und werden schon bald mit einem kleinen Aussichtspunkt über den See Revsvatnet belohnt.

Weiter auf dem Weg verlieren wir wieder etwas Höhenmeter, laufen in eine kleine Talebene über Wiesen, Bäche und Feuchtgebiete. Der Weg ist mit Bohlen ausgelegt, sodass niemand fürchten muss zu versinken. Über ein Geröllfeld geht es danach wieder in die Höhe. Große steinerne Stufen in Schlängellinien erleichtern den Aufstieg. Von hier kann man nochmal verschnaufen und auf den morastigen Wald zurückblicken.

Der vielleicht schönste Streckenabschnitt folgt danach. Wieder verlieren wir beim Wandern etwas an Höhe und erreichen eine Ebene mit mehreren kleinen Seen. Bei Sonnenschein lädt dieser Ort vermutlich wunderbar zum Baden ein. Bei Regen, dicken Wolken und 12° Celsius bleiben die Gewässer menschenleer.

Der letzte Abschnitt führt über runde gigantische Felsen. Ab dieser Stelle hat man schon eine wahnsinnig gute Aussicht. Man kann die gigantischen Berge hinter dem Lysefjord sehen und fühlt sich verdammt klein in dieser herrlichen Berglandschaft. Über eine schmale Felskante gelang man schlussendlich zum Preikestolen. Die Plattform ragt etwa 30 Meter über den Fels hinaus und hat eine Größe von etwa 25 mal 25 Meter. In 604 Metern Höhe genießt man hier einen grandiosen Ausblick über die Fjordlandschaften.

Entstehung des Preikestolen

Bis zu 1.000 Meter sind die Berge am Lysefjord hoch. Der Preikestolen entstand vermutlich während der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren durch Frostsprengung. Die Eisschicht lag damals noch etwa 2.000 weitere Meter über den Bergen. Die Felsen um den Preikestolen wurden vermutlich aufgrund der Ausdehnung des Eises abgesprengt und von der Gletschermasse mitgeführt. Als ich das mit der Frostsprengung lese, entdecke ich einen Spalt am Rande des Preikestolen. Doch auch dazu melden sich die Geologen zu Wort. Der Spalt ist bekannt. Gefahr besteht keine – der Preikestolen wird noch einige Jahre erhalten bleiben.

Das norwegische Wort Preikestolen bedeutet in der deutschen Übersetzung übrigens so viel wie Kanzel oder Predigtstuhl.

Safety first am Preikestolen in Eigenregie

Die Norweger lieben ihre Natur und ihre Fjorde. Und sie lieben es besonders ihre Berge naturbelassen zu erkunden. Aus diesem Grund befinden sich auf dem Pfad zum Preikestolen nur wenige Geländer und Sicherheitsvorrichtungen. Für seine eigene Sicherheit ist jeder selbst verantwortlich. Selfies mit baumelnden Füßen über dem Abgrund sind meiner Meinung nach unverantwortlich. Auch ohne sich in Gefahr zu bringen können auf dem Preikestolen tolle Fotos für die Erinnerung geschossen werden.

Reisetipps für eine Wanderung zum Preikestolen
Anreise zum Preikestolen

Von Stavanger liegt der Preikestolen etwa 1,5 Autostunden und 60 Kilometer entfernt. Die Anreise erfolgt über die E39 und die 13. In Lauvvik nutzen wir die Fähre nach Oanes. Die Fährverbindung gibt es ganzjährig und fährt jede halbe Stunde. Etwa acht Minuten benötigt die Fähre für die Überfahrt am Høgsfjord.. Kurz vor dem Erreichen von Oanes konnten wir einen ersten Blick auf den Lysefjord erhaschen. Die Fährverbindung hat mit dem Auto und zwei Erwachsenen etwa 18 € gekostet. Leider habe ich die Quittung verloren und der genaue Preis in Kronen ist nicht mehr nachzurecherchieren.

Ganz wichtig: Elektroautos fahren auf den meisten Fähren Norwegens kostenlos. Teilweise wird auch der Fahrer kostenlos transportiert. Da für das Personal nicht immer ersichtlich ist, welches Auto ein Elektroauto ist, sollte man auf jeden Fall freundlich darauf hinweisen. Wir haben daran erst bei einer der nächsten Fährverbindungen gedacht und konnten seit dem das Auto (und manchmal auch den Fahrer) kostenlos mitnehmen.

Ausrüstung für die Wanderung zum Preikestolen

Am Parkplatz (200 NOK Parkgebühr) angekommen, packten wir unsere Rucksäcke. Die Wanderung auf den Preikestolen darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Mit den zwei Stunden Aufstieg, zwei Stunden Abstieg und etwas Aufenthalt auf der Kanzel, wie der Preikestolen auch genannt wird, verbringt man etwa fünf Stunden unterwegs. Daher ist für ausreichend Wasser, etwas Verpflegung, gutes Schuhwerk und warme Kleidung zu sorgen.

Du solltest auf jeden Fall regenfeste Kleidung mitnehmen, am allerbesten eine Regenhose, Regenjacke und wasserdichte Schuhe bzw. gute Wanderschuhe. Wie ich in den letzten Tagen in Norwegen feststellen musste, ist es in der regenreichsten Region Europas selten trocken. Bei unserem Abstieg sahen wir einige Menschen ohne Rucksäcke, in T-Shirts und ohne Verpflegung auf dem Wanderweg. Das ist auf jeden Fall zu vermeiden. Ich denke wir sind uns alle einig, dass die Hubschrauber der Region besseres zu tun haben, als unterkühlte Touristen einzusammeln.

Unterkünfte am Preikestolen

Wir übernachteten vor der Wanderung zum Preikestolen auf dem Zeltplatz Ølberg Camping. Der Campingplatz liegt vor Stavanger in einer sehr ruhigen Gegend direkt am Meer. Für Auto und Zelte zahlten wir pro Nacht 250 NOK. Das Duschen kostet, wie auf allen Campingplätzen in Norwegen, 10 NOK für vier bis sechs Minuten. Aufgrund der direkten Lage am Meer, eines superschönen Strandes und des freundlichen Personals kann der Campingplatz auf jeden Fall sehr empfohlen werden.

Direkt vor dem Start des Wanderweges zum Preikestolen liegen die Unterkünfte Preikestolen Fjellstue und Lilland Hotell.

Preikestolen ohne Wanderung

Zum Preikestolen fährt kein Bus, keine Bahn und keine Seilbahn. Wer die herausragende Aussichtsplattform trotzdem sehen möchte, kann ab Stavanger einen Fjordcruise buchen. Die dreistündige Fahrt in den Fjord kostet etwa 50 Euro. Das bessere Naturerlebnis hat man jedoch während der Wanderung.

Update 13.08.: Hier mein Video vom Fjordcruise im Lysefjord

___

Unterwegs in Norwegen sind wir übrigens mit einem Hyundai IONIQ. Das Auto hat eine Reichweite von etwa 200 bis 250 Kilometer. Wir haben es bei Strominator in Leipzig gemietet. Der IONIQ kostet bei Strominator 30 Euro pro Tag und ab 1.200 Kilometern 25 Cent je Kilometer. An den Kosten beteiligt sich der norwegische Tourismusverband. Mit kostenlosem Laden in Deutschland und Dänemark unterstützt Plugsurfing den elektrischen Roadtrip. Das Unternehmen hat 50.000 Ladestationen unter Vertrag und vereinfacht so den Ladeprozess. Leider befinden sich von den 50.000 Ladestationen nur 16 in Norwegen.

Autor

Ich bin Steven, 28 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Natur und Nachhaltigkeit. Schön, dass du hier bist. Projektvorschläge, interessante Themen oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

4 Comments

  1. Pingback: Vom Weltenbummlerdasein zum Haus am Fjord

  2. Toller Bericht. Ich werde kommendes Wochenende dort sein und zum Preikestolen wandern. Ich überlege noch ob ich nicht sogar direkt oben zelten sollte. Was denkst Du denn?

    • Huhu Stefan, auf unserem Abstieg kamen uns auch ein paar Wanderer mit viel Gepäck entgegen, die dort oben sicher übernachtet haben. Ich halte das für eine extrem gute Idee. Dort oben auf dem Preikestolen muss es bei Sonnenaufgang noch geiler sein. Lauf doch bis zum Preikestolen, dann hast du ein Gefühl wo er ist und suche dir dann einen Schlafplatz. Und dann schick mir auf jeden Fall Bilder. Ich würde gerne wieder zurück.
      Viel Spaß, Steven

  3. Pingback: Urlaub mit dem Elektroauto in Norwegen | re:BLOG

Hinterlasse ein Kommentar

Bitte unterstützte das Funkloch mit einem Like. schliessen
oeffnen