Gemeinsam gegen den Plastikmüll in unseren Meeren: Ocean Plastics Lab in Berlin

Endlich Herbst. Und traumhaftes Wetter. So gut, dass ich am Abend einen kleinen Sonnenbrand auf meinen Wangen erkenne. Aber egal, der Tag draußen an der frischen Luft zwischen Müggelsee und Spree war es auf jeden Fall wert.

Ich laufe den Schiffbauerdamm entlang. Neben der Bordsteinkante liegen Zigarettenstummel so dicht hintereinander wie eine Ameisenstraße im südamerikanischen Regenwald. Im seichten Wasser der Spree blitzt alle paar Sekunden eine Glasflasche hervor. Sie schwimmt aufrecht und wippt in den Wellen der Touristenboote stromabwärts. Wie weit wird sie wohl kommen? Von der Spree in die Havel? Dann in die Elbe und ab in die Nordsee? Hoffentlich nicht. Doch es wäre kein Einzelfall. 80 Prozent des Mülls in unseren Meeren kommt vom Land. Das wird natürlich nicht alles über die Flüsse ins Meer gespült, aber der Zustrom der Flüsse hat auch seinen Anteil. Der andere Abfall kommt von den Stränden, wird vom Festland ins Meer geweht oder stammt von zahllosen asiatischen Mülldeponien, die sich direkt neben dem Meer befinden.

Ocean Plastics Lab vom 20. bis 29. Oktober in Berlin

Und damit sind wir schon mitten im Thema. Ich bin zwischen S-Bahnbrücke Friedrichstraße und Marschallbrücke und laufe auf die internationale Wanderausstellung Ocean Plastics Lab zu. In Berlin als Aktionsplan beim G7-Gipfel gegen die Verschmutzung der Meere vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiiert und organisiert, kehrt die Ausstellung nach ihrer Welttournee zurück in die Hauptstadt. Zuvor legte sie in Ottawa, Washington, Brüssel, Paris und Turin an und zählte fast 60.000 Besucher.

Die wichtigsten Infos:
– Das Ocean Plastics Lab ist vom 20. bis 29. Oktober in Berlin.
– Es schwimmt auf einem Ponton zwischen der S-Bahnbrücke Friedrichstraße und Marschallbrücke.
– Der Eintritt ist frei.
Die Website vom Ocean Plastics Lab findet du hier.

Über eine kleine Rampe verschaffe ich mir Zugang zum Ponton. Der Eintritt ist frei und sogar barrierefrei. In mehreren Schiffscontainern wird die Ausstellung präsentiert. Dabei lässt sich in jedem Schiffscontainer eine konkrete Fragestellung erleben. Im ersten Container wird in das Thema der Plastikverschmutzung eingeführt. Ich erfahre dort, dass nur neun Prozent des Plastiks überhaupt recycelt wird, dass 42 Prozent des gesamten Kunststoffes aus der Verpackungsindustrie stammen und pro Tag eine Menge von unglaublichen 850 Schiffscontainern in den Weltmeeren versenkt wird.

An der Außenwand des erstens Containers sind Plastikmüllfunde aus Hawaii befestigt. Einige Stücke sind so groß, dass es sich gar um Sperrmüll handeln könnte. Überwiegend Fischereiabfälle erkenne ich. Doch der Schein trügt. Die häufigsten Müllfunde sind Zigarettenfilter, Kunststoff-Flaschen, Deckel von solchen Flaschen, Lebensmittelverpackungen und Tüten. In dieser Reihenfolge. Erst danach reihen sich Fischereiabfälle vom Nylon-Netz bis zur Styroporkiste in die unendliche Liste der Abfallarten ein.

Im ersten Container wird mir auch etwas anderes klar. Plastik ist einfach verdammt praktisch. Es ist leicht, gut zu verarbeiten, geruchslos, belastbar, hitzebeständig und auch noch sehr günstig. Kein Wunder, dass es seit den 1950er Jahren einen ausnahmslosen Boom erlebt. Doch auch die Schattenseite des Plastik-Booms wird gezeigt: Ein ungeheurer Müllberg, der einfach nicht verrotten mag. Die Kunststoffe zerfallen im Laufe der Zeit in immer kleinere Stücke. Ab einer Größe von unter fünf Millimetern sprechen viele Wissenschaftler von Mikroplastik. Eine genaue Definition gibt es nicht. Aber klar ist, dass Plastik nie ganz verschwinden wird. Und so bleibt das Plastik einfach immer vorhanden und Teil der Nahrungskette. Selbst im menschlichen Stuhl wurde nun Plastik nachgewiesen.

Im zweiten Container wird gezeigt wie der Müll aussieht, der in unseren Meeren treibt. Exponate, interaktive Module und Filme führen von der Wasseroberfläche bis in die Tiefsee. Wenig später treffe ich Dr. Julia Schnetzer.

„Was schon in den Meeren ist, bekommen wir dort nicht mehr raus“, sagt sie. Julia Schnetzer arbeitet für das Konsortium Deutsche Meeresforschung und hat das Ocean Plastics Lab mitorganisiert. Den Müll in unseren Meeren nehmen wir so wenig wahr, weil „nur ein Prozent des Plastikmülls an der Oberfläche schwimmt“, erklärt die Wissenschaftlerin. Der Rest treibt irgendwo in der Wassersäule oder hat sich am Meeresgrund abgesetzt. Dazu gibt es noch nicht viele wissenschaftliche Erkenntnisse. Daher ist es auch so schwierig diesen Müll aus dem Wasser zu filtern.

Wenn Julia nicht gerade auf einer schwimmenden Plattform auf der Spree steht und über die von ihr organisierte Ausstellung spricht, befasst sich die Marine Mikrobiologin mit den kleinsten Lebewesen unserer Meere, den Mikroorganismen. Sie weiß, dass insgesamt 1401 Lebewesen unter dem Müll in den Meeren leiden. Und genau davon handelt der dritte Container. Er befasst sich mit den Auswirkungen auf die Natur.

Julia weiß auch, dass wir das Problem nur zusammen bewältigen können. Die ganze Menschheit muss in dieser Sache zusammenhalten. Daher setzt sie sich für Citizen Science ein. In diesen Wissenschaftsprojekten wird auf die Beteiligung der Bürger gesetzt. Als Beispiel nennt sie den Ocean Sampling Day, der weltweit immer am 21. Juni stattfindet. An diesem Tag entnehmen Menschen auf der ganzen Welt Proben aus unterschiedlichsten Gewässern und senden sie in ausgewählte Labore. Ein Experte muss man dafür nicht sein. Etwas Engagement genügt schon und schon kann man auch als Laie mitmachen.

Dadurch wird die Wissenschaft auf einen Schlag mit tausenden neuen Daten versorgt, die wertvolle Erkenntnisse liefern. Zum Beispiel fanden Wissenschaftler durch dieses Projekt heraus, dass Bakterien eine immer höhere Resistenz gegen Antibiotika entwickelt haben.

Ein Erfolg, der für Citizen Science spricht. Aber auch so schaffen diese Projekte viel Aufmerksamkeit und symbolisieren, dass man mit der Kraft vieler Menschen etwas erreichen kann.

Der Müll der Meere geht uns alle an

Denn das Problem mit dem Plastikmüll in unseren Meeren betrifft uns alle, lerne ich im Ocean Plastics Lab in Berlin. Der hohe Anteil von Müllarten, mit denen jeder einzelne von uns garantiert schon mal zu tun hatte, zeigt die Dringlichkeit unseres Eingreifens. Was wäre, wenn jeder von uns plötzlich nur noch die Hälfte des Verpackungsmülls produzieren würde und besser recyceln würde? Es würde die Menge neuen Mülls in den Weltmeeren erheblich reduzieren und eine bessere Zukunft für die Meere einläuten. Von diesen Lösungsansätzen handelt der vierte und letzte Schiffscontainer.

Zu der Ausstellung ging ich mit besonderer Neugier. Ich wollte die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft sehen und herausfinden mit welchen Methoden das Plastik aus den Meeren gefischt wird. Vor Ort dann die brutale Erkenntnis: Nicht die Wissenschaft ist am Zug, sondern jeder einzelne von uns. Die Lösung muss es sein weniger Plastik zu verbrauchen und besser zu recyceln.

14 kleine Tipps für weniger Plastik im Alltag

1. Nimm einen Rucksack oder Jutebeutel mit in den Supermarkt, zum Bäcker oder zum Shoppen und verzichte auf Plastiktüten.
2. Kaufe keine Produkte, die mehrfach in Plastik eingepackt sind.
3. Wenn du Joghurt, Ketchup oder Öl kaufst, setze auf Glasbehälter.
4. Trinke Leitungswasser aus einer Mehrwegflasche, statt immer wieder neues Wasser im Supermarkt zu kaufen.
5. Koche Zuhause aus frischen Zutaten, vermeide Fertigprodukte und vor allem Fast Food.
6. Trenne deinen Müll und entsorge auch Verpackungen aus Plastik und Papier nach kurzer Handarbeit in den entsprechend richtigen Mülltonnen.
7. Nutze lieber Seifenstücke, als Flüssigseife aus der Plastikverpackung.
8. Kaufe dir einen Coffee-to-go-Becher, den du immer bei dir hast und mit einem Kaffee für unterwegs befüllen kannst.
9. Versuche Plastikprodukte, die du unbedingt benötigst, so lange wie möglich zu nutzen.
10. Prüfe, ob es benötigte Dinge, wie z.B. Einrichtungsgegenstände auch aus Holz, Glas oder Metall gibt.
11. Nutze beim Waschen in der Waschmaschine einen Waschbeutel, damit Mikroplastik aus der Kleidung nicht in die Kanalisation gelangt.
12. Kaufe Naturkosmetik, die garantiert frei von Mikroplastik ist.
13. Sammle beim Spazieren oder Wandern den Plastikmüll auf, der dir begegnet.
14. Teile diesen Beitrag mit Freunden, die ihn unbedingt lesen sollten. ;)

Autor

Ich bin Steven, 29 Jahre alt und der Autor dieses Blogs Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

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