Sanfter Tourismus mit Stil – Le Pavillon ein Öko-Hotel in Paris

Es ist schrecklich hell an diesem Tag. Ich kneife meine Augen zusammen und blicke zum Himmel. Von der Sonne fehlt jede Spur. Stattdessen spüre ich kalten Nieselregen auf meiner Haut und sehne mich nach einem café. Es ist erst neun Uhr. Oder schon neun Uhr?

Auf jeden Fall bin ich zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Stunden auf den Beinen. Die Müdigkeit macht mich ganz ungeduldig. Das bunte Treiben auf der Rue Saint-Dominique ist nicht gerade förderlich. Dichter Verkehr herrscht auf den Straßen, der Gehweg ist schmal. Zwei Personen können hier nur mit umschlungenen Armen nebeneinander laufen.

Eine eilige Dame überholt mich und biegt haarscharf vor mir in ein Gebäude ein. Kurz darauf stoßen zwei Baguette aus einer Bäckereitür. Zwanzig Zentimeter später ist der Herr zu sehen, der sie sich zum Frühstück schmecken lässt. Ein Motorroller quetscht sich zwischen einem Lieferwagen und dem schmalen Bürgersteig vorbei. Es ist wahnsinnig umtriebig.

Am Ende der Straße entdecke ich den Eiffelturm. Ehe mich die Hektik weiter anstecken kann, biege ich rechts ab und erreiche das Hotel Le Pavillion. Mitten in Paris, im siebten Arrondissement. Oder wie wir deutschen sagen würden: Im siebten Stadtbezirk.

Ach, klingt auf Französisch nicht einfach alles herrlich? In solchen Momenten bedauere ich es, dass nach fünf Jahren Sprachunterricht nur noch einige Fetzen in meinem Gedächtnis hängen. Bewusst wird mir das fast täglich beim morgendlichen café. Alleine wie das klingt. Ein Traum. In Berlin sagt man eher schnoddrig „Kaffe“. Mit schnellem Doppel-f. Kein klingendes „e“ am Ende. Einfach so dahergesagt, als wäre es nicht das beste Getränk am Morgen.

 

Vom Kloster zum Öko-Hotel mit grünem Sinn

Keine drei Meter hinter der Rue Saint-Dominique ist es mucksmäuschenstill. Verschwunden ist die Hektik der Pariser Straße. Verschwunden sind die Menschen, mit ihren ganz unterschiedlichen Vorhaben. Im Innenhof des Hôtel Le Pavillon wird das Konzept der Green Spirit Hotels gelebt. Backsteine, Schiefer und grün leuchtende Pflanzen weisen den Weg zum Hoteleingang. Davor eine Terrasse. Wie gerne würde ich mich hier für einen café niederlassen. Doch der Nieselregen hat auch an diesem Sommermorgen noch kein Ende gefunden.

Im Hotel erfahre ich, dass in dem Gebäude früher ein Kloster war. Schon vor 160 Jahren wurde es errichtet – noch bevor der Eiffelturm in einem Kilometer Luftlinie als damals höchstes Gebäude der Welt errichtet wurde. Wie gerne würde ich jetzt einen Zeitsprung in die 1850er Jahre machen und mir das Paris von damals ansehen. Ich würde vermutlich Pferdekutschen sehen, die über die breiten Pariser Straßen rattern. Männer mit Hüten und Gehstöcken. Frauen mit ausschweifenden Kleidern. Alles in einer Zeit kurz vor der „Belle Époque“ – der Zeit, in der Paris zur Weltstadt der Künstler und Intellektuellen wurde. War damals die Welt noch in Ordnung?

Ach, wann war die Welt schon in Ordnung? Wann gab es keine Kriege? Wann gab es keine Probleme?

Vor über 500 Tagen wurde hier im Zentrum Frankreichs das Klimaabkommen von Paris als Nachfolge des Kyoto-Protokolls beschlossen. Und während man das Gefühl hat, dass Politik und Wirtschaft versagen, sind es Einzelne, die ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten. Sie setzen ihre Projekte aus einer inneren Überzeugung um, weil sie sich einer Sache verschrieben haben, an sie glauben und für sie bereit sind sich zu engagieren. Einen dieser Menschen treffe ich am nächsten Morgen.

 

Ökologie und Wohlbefinden im Hôtel Le Pavillon

Tommy sitzt gut gelaunt im Frühstücksrestaurant, als ich ihn mit Notizblock und Kamera unterm Arm begrüße. Seine Lebensgeschichte führt von Serbien über Deutschland nach Frankreich. Über 35 Jahre arbeitete er als Reiseleiter und hatte später eine eigene Incoming-Agentur. Vor fünf Jahren war er mit seiner Frau Barbara an dem Punkt, an dem sie etwas Neues beginnen wollten. Also verkauften sie das Unternehmen und starteten ihre eigene kleine Hotelkette, die sich auf nachhaltige Hotels spezialisierte. Im Hôtel Le Pavillon ist das Konzept eines Öko-Hotels bisher am weitesten umgesetzt.

Das ehemalige Kloster wurde mit natürlichen Materialien umgebaut. Natursteine, aufgearbeitete Holzböden und umweltfreundliche Teppiche befinden sich im ganzen Hotel. Alles wird mit ökologischen Reinigungsmitteln bzw. in einer Öko-Wäscherei gereinigt: Wichtige Details, die dem normalen Besucher verborgen bleiben. Doch mit einem Blick auf das Frühstücksbuffet wird einem selbst mit verschlafenen Augen die ökologische Auswahl der Produkte klar: Bio-Konfitüren aus der Nachbarschaft, Honig aus Paris, Croissants und Brote vom Straßenbäcker. Auch Käse und Fleischwaren versucht Tommy aus der Region zu organisieren. Nur mit dem Bio-Eiern hat er so seine Probleme, denn kaum ein Bauer ist in der Lage ihm 1000 Bio-Eier in der Woche zur Verfügung zu stellen. 1000 Eier? Ich frage nach. Neben dem Le Pavillon (15 Zimmer) betreiben Tommy und Barbara noch die Hotels Malar (22 Zimmer), Amélie (16 Zimmer) und Sacre Coeur (50 Zimmer).

Das helle Hôtel Le Pavillon ist jedoch eine Besonderheit. Drei Zimmer sind gegen Elektrosmog. Besonders interessant ist die Toilette neben dem Frühstücksraum. Sie nutzt das Abwasser des Waschbeckens für die Toilettenspülung. Und auch das Regenwasser wird nicht verschwendet. Es wird über das Dach aufgefangen und für die Pflanzen verwendet.

Aus allen Wasserhähnen plätschert vitalisiertes Wasser und spezielle Luftfilter in der Belüftungsanlage garantieren dem Besucher Bergluftqualität. Dabei werden u.a. Feinstaubpartikel aus der Luft gefiltert. Wirklich spürbar ist es nicht, aber mit dem Wissen darüber schläft es sich in einem der 15 Zimmer gleich viel besser.

Die Zimmer sind hell, kunstvoll und flippig eingerichtet. Von einer Whiskeybar-Tapete bis zur Badewanne im Schlafzimmer bleiben kaum coole Ideen übrig, die im Le Pavillon nicht verwirklicht wurden. Das Hotel füllt eine ganz besondere Lücke: Es schafft Wohlbefinden, Luxus und ein gemütliches Ambiente mit ökologischen Kriterien zu verbinden. So funktioniert sanfter Tourismus mit Stil.

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Meine Reise nach Paris wurde von Atout France und den Green Spirit Hotels unterstützt. Ich danke für diese Möglichkeit und garantiere, dass meine Meinung von der Einladung nicht beeinflusst wurde.

Autor

Ich bin Steven, 28 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Natur und Nachhaltigkeit. Schön, dass du hier bist. Projektvorschläge, interessante Themen oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

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