Aus der Kampagne #BrandenburgDaGehtWas

Auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Lebensweise gilt es viele Angewohnheiten des Alltags zu hinterfragen. Als Konsequenz meiner Optimierungen habe ich inzwischen z.B. immer einen Mehrweg-Kaffee-Becher dabei, nutze im Laufe des Tages eine Mehrwegflasche, die ich mit Leitungswasser befülle, wasche hin und wieder mit Waschnüssen statt mit chemischen Waschmitteln und kaufe gerne fair gehandelte Produkte.

Doch eine Produktpalette des täglichen Lebens habe ich bisher oft unterschlagen: Pflege- und Kosmetikprodukte. Zwar brauche ich im Normalfall nicht mehr als Zahnbürste, Zahnpasta, Deo und Duschgel, doch auch bei dieser kleinen Produktpalette besteht Optimierungspotential. Viele Pflege- und Kosmetikprodukte des Alltags produzieren eine Menge Plastikmüll und enthalten umweltschädliche Inhaltsstoffe wie Mineralöle, Tenside oder Aluminium-Salze (besonders in Deos). Diese Produkte landeten bisher unkritisch in meinem Einkaufswagen.

Doch wie so oft gibt es abseits des Chemiebaukastens auch natürlichere Lösungen – zum Beispiel die Verwendung von Naturseifen. Solche Seifen werden aus natürlichen Bestandteilen, wie z.B. aus Kokosfett, Olivenöl und ätherischen Ölen gesiedet. Eine überzeugte Naturseifensiederin vor den Toren Berlins ist Anke Lischka. Ihre AliSavon Seifenmanufaktur habe ich im Rahmen der Kampagne #BrandenburgDaGehtWas in Neupetershain in der Lausitz besucht.
 

 

Von der Finanzmaschinerie zur Seifenmanufaktur

„Einigkeit macht stark“, steht in Versalien am Rathaus von Neupetershain. Während ich mit dem Fahrrad die letzten Meter bis zu Anke radle, gehen mir die Worte nicht mehr aus dem Sinn. Ja, die Aussage ist wahr – auch bezogen auf den Umweltschutz. Wären wir in Deutschland alle ein kleines bisschen konsequenter, dann hätten wir das Klimaziel für 2020 schon längst erreicht.

Als ich die Hausnummer sieben der Ernst-Thälmann-Straße erreiche, steht Anke bereits vor ihrem Gartentor. Sie hat gerade einen Gast verabschiedet, der in ihrer Ferienwohnung genächtigt hatte und wartet auf mich. Besonders im Sommer ist sie auf die Zusatzeinnahmen aus der Ferienwohnung angewiesen, wie sie mir später erzählen wird.

Früher hat Anke Lischka in der Finanzbranche gearbeitet. Erst als Bankkauffrau, dann in einer Marketingagentur und später in einem Maklerbüro. Nebenbei produzierte Anke damals schon Haarseifen. Warum? „Weil es sowas nirgends zu kaufen gab.“ An ihre erste Seife erinnert sich die sympathische Dame aus der Lausitz ungern. „Die war eine Katastrophe“, sagt sie und lacht. „Beim ersten Mal hat nichts funktioniert.“ Im Laufe der Jahre kamen die Routine und immer mehr Erfahrung hinzu.

Die Finanzkrise führte 2011 leider dazu, dass Anke ihren Job im Maklerbüro verlor. Die Suche nach einem neuen Job war nicht einfach. Für eine neue Arbeitsstelle in der Umgebung war sie überqualifiziert, für eine Gründerförderung gab es zu viele freie Stellen, also beschloss Anke in Rücksprache mit ihrem Mann und den zwei Söhnen ihr Hobby zum Beruf zu machen.

Dafür richtete sie eine kleine Seifenküche im Dachgeschoss ihres Wohnhauses ein und begann mit der Arbeit. Diese wartete vor allem am Schreibtisch. Ihre Seifen mussten vom Gesundheitsamt abgenommen werden. Außerdem mussten penible Deklarationen aller Inhaltsstoffe erstellt werden. Jede Menge Aufwand – vor allem, wenn man theoretisch in der Lage ist für die ganz individuellen Bedürfnisse einer Person eine individuelle Seife zu produzieren. Jeder natürliche Inhaltsstoff hat eine andere Wirkung. So fördert Avocadoöl beispielsweise die Zellregeneration. Olivenöl hingegen ist entzündungshemmend und durchblutungsfördernd.

Mit der Zeit hatte Anke immer mehr zu tun und verkaufte immer mehr Seifen auf Märkten und in ihrem Onlineshop. 2015 gab es den ersten Großauftrag. Ein Unternehmen bestellte 2.000 große und 2.000 kleine Seifen. Um die Großbestellung abzuarbeiten, packte die ganze Familie mit an. Anke arbeitete fast Tag und Nacht und konnte nach zwei Monaten liefern, woebi die Reifezeit der Seifen schon einen Monat beträgt. Doch während der Bearbeitung des Auftrags fiel auf, dass die alte Seifenküche an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen war.


 

Mit Mitteln des ELER zur neuen Seifenküche

Im Januar 2016 hörte Anke zufällig einen Radiobeitrag über die LEADER-Förderung. Bis März reichte sie ihr Konzept ein und hatte Erfolg. Sie konnte sich über eine Förderung aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds zur Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) freuen. Der Umbau konnte beginnen. Dafür wurde ein weiterer Bereich des Dachgeschosses ihres Hauses aus- und umgebaut.

Heute ist Anke in der Lage Workshops in der neuen Seifenküche anzubieten. Außerdem konnte ein kleiner Raum geschaffen werden, in dem ihre Seifen reifen und sie die Ware verpacken kann.

Abschließend stellt Anke fest, dass die Beantragung der Fördermittel viel Zeit gekostet hat. Letztendlich haben die Mittel aus dem ELER aber dafür gesorgt, dass sie sich das Bauvorhaben überhaupt erst zugetraut hat. Ohne diese Fördermittel wäre das Vorhaben für Anke nicht umsetzbar gewesen.


 
Offenlegung
Für die Kampagne #BrandenburgDaGehtWas bin ich vom Ministerium der Justiz und für Europa und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg damit beauftragt worden ausgewählte Projekte in Brandenburg zu besuchen, die mit EU-Fördermitteln unterstützt wurden. Diese Projekte stelle ich in kurzen Videos, Bildern und Texten vor. Ziel der Kampagne ist es aufzuzeigen, wie mit EU-Geldern umgegangen wird und wie vielfältig die geförderten Projekte sind. Bei der Berichterstattung habe ich die vollständige redaktionelle Freiheit. Die meisten Projekte stelle ich auf brandenburg-da-geht-was.de vor. Projekte, die auch gut ins Funkloch passen, landen hier. Wie dieses Projekt über die AliSavon Seifenmanufaktur.

Autor

Ich bin Steven, 29 Jahre alt und der Autor dieses Blogs Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

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