Mit jeweils zwei Rucksäcken bepackt nehmen wir die letzten Meter des steilen Hangs. Der Boden ist staubig und von Wurzeln übersäht. Der Wald, der aus Nadel- und Laubbäumen besteht, sieht gewöhnlich aus. Ja, fast schon langweilig.

Doch dann erreichen wir unser Baumhaus. Camille schließt die Tür auf. Hastig lege ich meinen Rucksack ab und gehe auf die Verbindungsbrücke, die mein Baumhaus mit Simons verbindet.

Diese Aussicht. Der absolute Wahnsinn.

Wir sind mehrere Dutzend Meter über der Dordogne, ganz oben auf dem Berg und Blicken zwischen den Bäumen auf das Tal hinab.

Schau dir mein Video der Reise durch das Limousin an.

Riverview Baumhaus über der Dordogne | Hêtre sous le Charme

Julie und Camille kannten sich noch gar nicht richtig, da erzählte Julie von ihrer Idee. Ein Baumhaus wollte sie bauen, irgendwo auf einem Berg. Oder in einem Wald. Dort würde sie gerne wohnen, in Mitten der Natur.

Camille scheint nicht besonders zöglich gewesen zu sein. Denn kurze Zeit später kauften die beiden einen neun Hektar großen Wald in Saint Martial Entraygues und beauftragten nach und nach eine Firma damit fünf Baumhäuser zu bauen. Kurz nachdem das erste Baumhaus fertiggestellt wurde, fingen sie an es zu vermieten.

Mit Erfolg. Über den ganzen Sommer sind die Baumhäuser der beiden vermietet. Ab November gönnen sie sich jährlich eine Pause und reisen in die Ferne. Und diese Pause haben sie auch dringend nötig, denn die beiden kümmern sich liebevoll um ihre Gäste und versorgen sie bestens.

Die Übernachtung in einem der Baumhäuser kostet je nach Saison und Art des Baumhauses 120 bis 210 Euro. Darin ist ein Frühstück enthalten, dass die beiden ans Baumhaus bringen. An einem Flaschenzug befestigen sie einen Picknickkorb mit dem Frühstück. Je nach Lust und Laune und Ausdauer beim Ausschlafen, kann der Gast das Frühstückskörbchen nach dem Wachwerden nach oben ziehen und frühstücken. Ebenso funktioniert das auch mit einem Abendessen, das jedoch separat bestellt und bezahlt werden muss.

Die Ausstattung in den Baumhäusern ist durchaus komfortabel. Es gibt fließendes Wasser, eine Trockentoilette und bis 24 Uhr Elektrizität. Somit sollte es an nichts fehlen.

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Skyview Blase mitten in der Natur | Bulle d´R

Etwas komfortabler ist die Bulle d´R in Dournazac. Sie bietet ganztägig Strom und einen Whirlpool.

Anfangs wollten Nadine und Cédric nur etwas haben um ihre Freunde bei sich übernachten zu lassen. Sie kauften eine riesiges farbloses Zelt aus Kunststoff, das über eine permanente Luftzufuhr nicht in sich zusammen sackte. Wie eine Hüpfburg, in die man hineinklettert, muss man sich das prinzipiell vorstellen. Die Freunde der beiden waren begeistert.

Also kauften Nadine und Cédric ein Stück Land außerhalb ihres Grundstücks. Sie pflanzten Gebüsche um die Blase, bauten eine Terrasse und errichten ein Häusschen mit einer Trockentoilette, Badezimmer, Open-Air-Küche und Whirlpool. Geboren war die perfekte Unterkunft für eine romantische Nacht unter Sternenhimmel.

Durch die vielen Pflanzen und einige Sichtschutzwände ist man nur für sich alleine. Das Frühstück wird wie bei Camille und Julie sehr diskret übergeben. Nadine und Cédric haben eine kleine Übergabebox gebaut. In die stellen sie das Frühstück oder Abendessen und läuten im Anschluss kurz eine Glocke. Man muss also keine Befürchtungen haben nackt badend im offenen Whirlpool auf ungebetenen Besuch zu treffen.

Je nach Saison und Wochentag kostete eine Nacht in der Bulle d´R 150 bis 210 Euro. Aus nachhaltiger Sicht gibt es zwei Probleme, die die Schönheit dieser naturnahen Unterkunft etwas schmälern. Zum einen riecht es in der über drei Jahre alten Blase leicht nach Plastik und zum anderen wird permanent frische Luft in die Unterkunft geblasen, so dass das Kunststoffzelt seine Spannung behält. Das verhindert zwar ein Beschlagen, kühlt die Unterkunft im Sommer runter und im Herbst auf und sorgt für angenehme Temperaturen, aber es wird dabei pausenlos elektrische Energie verbraucht.

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Natureview in den Bergen von Ambazac | Gîte de Lasgorceix

Wandert man in den Bergen von Ambazac, liegt es einem auf der Zunge von „unberührter Natur“ zu sprechen. Doch das wäre vollkommen falsch. Das Limousin diente jahrelang als Holzquelle für die Wirtschaft – bis alle Wälder abgeholzt waren.

Inzwischen ist die Aufforstung beinahe abgeschlossen, riesige Kiefernwälder erstrecken sich zwischen Flüssen und Wäldern. Die heimischen Buchen der Region findet man nun nicht mehr so häufig. Zu einem Drittel ist die Region mit Kiefern bepflanzt, 95% befinden sich in privatem Besitz.

Wusstest du, dass zwei Päpste aus der Limousin kamen, die Region für Porzellan und Keramik steht wie keine andere und es gleichzeit die am dünnsten besiedeltste Region Frankreichs ist? Das alles und noch viel mehr erfahren wir bei einer Wanderung mit Pascal Bruneau. Er ist Inhaber des Gîte (Berghütte) und Chambres d’hôtes (Gästezimmer) in Lasgorceix.

Pacal ist ein genial sympathischer und enorm belesener Naturfan. Er ist einer von acht Bergführern im Limousin, wobei es ihm auf 530 Metern Höhe schon fast unangehm ist im Limousin von Bergen zu sprechen. Ehrlich gesagt hat man es in der Region eher mit Hügeln als mit Bergen zu tun. Tolle Aussichten, vielfältige Landschaften zwischen Mooren, Wäldern und Wiesen sind trotzdem inklusive.

Eine Ruine hat Pascal damals gebaut und sie zum Gîte ausgebaut. Seine Nachbarn haben ihn dafür belächelt. Wer würde hier in Lasgorceix, einem Dorf mit 4-5 Häusern in der Abgeschiedenheit des Limousin schon Ferien machen wollen?

Wanderer, junge Familien und Menschen, die sich nach der Abgeschiedenheit in der Natur sehnen, ist inzwischen eine der Antwortmöglichkeiten. Ein Nachbar legt nun nach. Bietet nächste Saison auch Unterkünfte an.

Doch diese Unterkunft lebt von Pascal, seiner Erfahrung und von seinem Wissen. Er ist ein genialer Guide, war viel in der Welt unterwegs, verliebte sich in Taiwan und ist in seinem Sehnsuchtsland regelmäßig für geführte Wanderungen unterwegs. Doch auch im Limousin bietet er Tages- und Rundtouren an. So kann beispielsweise eine 4-Tagestour für 345 Euro bei ihm gebucht werden. Alternativ kann man ein Chambres d’hôtes je nach Anzahl der Personen für 20 bis 45 Euro mieten, ein Gîte für bis zu 15 Personen ab 295 Euro.

Pascals Gîte wird unter anderem über einen großen Kamin im Eingangsbereich beheizt. Eine gemütliche Stimmung kommt gleich beim Betreten des alten Steinhauses auf. Brot und Kuchen backt Pascal viel selbst. Er bevorzugt Produkte aus der Region, wie die großartige Kastaniencreme, für die das Limousin sehr bekannt ist.

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Lust auf das Limousin?
Hier sind meine besten Reisetipps für die Region.

1. Übernachte in einer, oder noch besser, in allen drei hier genannten Unterkünften.

2. Wir haben es nicht geschafft, aber mehrfach empfohlen bekommen: Besuche die Distillerie Denoix
in Brive-la-Gaillarde.

3. Gehe mit Sylvain (im Video) in Malesse reiten und schau dir das Limousin vom Rücken eines Pferdes an.

4. Wenn du etwas über das Limousin Rind lernen willst, besuche den Limousine Park. Der Eintritt ist mit 10 Euro ziemlich teuer. Es lohnt sich aber, wenn du sehr interessiert bist.

5. Begibt sich in den Wäldern des Limousin mit der App Tèrra Aventura auf Schnitzeljagd, löse Rätsel und entdecke diverse Geocaching Spots.

6. Leih dir am den Bahnhof von Châlus
eines von vielen spaßigen Elektrofahrzeugen und erkunde die Radwege der „Voie Verte“.

7. Besuche den Park L’Espace Hermeline
und vergnüge dich im Hochseilgarten. Achtung, bevor du die Superblack-Route wählst solltest du vielleicht wissen, dass man ein Seil hinaufklettern muss, um Zugang zu der Route zu haben. Weißt du das nicht, wird das ziemlich peinlich. Wie bei mir.

8. Mache im Sommer eine nächtliche Kanufahrt auf der Vienne in Limoges. Achtung, die Kanus haben Löcher – weiß der Geier warum – du wirst auf jeden Fall klitschnasse.

9. Geh in den Markthallen „Halles Centrales“ in Limoges frühstücken.

10. Geh im „La Princesse au Petit pois“
Abendessen. Es wird dort ausschließlich mit frischen, biologischen Produkten gekocht.

 

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Meine Reise durch das Limousin wurde von Tourisme en Limousin und Atout France unterstützt und ermöglicht. Ziel war es Eindrücke französischer Naturregionen zu gewinnen und pro Region einen Film zu produzieren. Außerdem durfte ich auch auf die Unterstützung zahlreicher regionaler Partner zählen. Ich danke für diese Möglichkeit und garantiere, dass meine Meinung von der Einladung nicht beeinflusst wurde.

Autor

Ich bin Steven, 30 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Im März 2019 habe ich die NGO WeWater gespendet. Hast du ein paar Euro übrig, freue ich mich für meine Organisation über eine Spende. Vielen Dank. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

2 Comments

  1. Oh sehr schön … die Blase stell ich mir mega romantisch vor … so Nachts unterm Sternenhimmel… aber ist das nicht laut darin ? Wenn permanent ein Gebläse läuft?
    LG Katrin

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