In diesem Text empfehle ich dir naturnahe Unterkünfte für eine geniale Serbien Reise

Anfang Juni war es soweit. Meine erste Serbien-Reise stand an. Und ehrlich gesagt hatte ich vor der Reise weder von Serbien, seiner Hauptstadt Belgrad noch von Novi Sad eine genaue Vorstellung. Ich hatte einfach keine richtigen Bilder im Kopf, wie Serbien ist.

Kennst du das? Denkt man an Spanien, hat man sofort lange Strände, Tapas und Wein im Sinn, bei Norwegen die Fjorde und für Österreich schneebedeckte Berge auf einer Wanderung. So erzeugt jedes Reiseland eine erste Vorstellung, meistens bedient es dabei sogar ein Klischee. So denken wir bei Mallorca häufig an den Ballermann, obwohl die Belearen-Insel auch wunderschöne Naturlandschaften zu bieten hat.

Aber zurück zu meiner Reise nach Serbien. Mein neues Serbien-Bild ist geprägt von vielen einzelnen Erlebnissen bei gastfreundlichen Menschen, die Sprachbarrieren zu überwinden wussten, von regelrechten Fahrrad-Junkies in Novi Sad, von schwimmenden Hostels in Belgrad und einer naturnahen Küche im Fruška Gora Mittelgebirge, die so ziemlich alle anderen Speisen des letzten Jahres in den Schatten gestellt hat.

Damit du meine Reise nach Serbien am besten nacherleben kannst, stelle ich hier einfach die vier besten Unterkünfte zusammen, die ich entdeckt habe. Vorhang auf für den ersten Serbien-Reiseblog-Beitrag im Funkloch.

1. Salaš „Miris Dunja“

Art der Unterkunft: Bed & Breakfast, Caravan Park
Adresse: FARMA 47 Salas Miris Dunja, Medjunarodni Put bb, 21000 Čenej, Serbia
Zimmeranzahl: 4
Besonderheit: Quittenhain, Pool und freundlicher Gastgeber
Preis: 35 Euro für zwei Personen im Doppelzimmer, Frühstück 5 Euro
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Mit einem kräftigen „Ziveli” erhebt Risto sein Glas und stößt mit mir an. Wir trinken einen Quittenschnaps, den der Serbe im letzten Jahr gebrannt hat. Vor dem Haus stehen dutzende dieser Bäume. In Reihe und Glied. Etwa mannshoch, schmal, aber sehr grün und voller Früchte. Ich habe sie nie zuvor gesehen. Doch Risto kennt sich damit aus und hat seinem Bed & Breakfast auch einen Namen in Anlehnung an die Quitten gegeben. Denn „Miris Dunja“ bedeutet „Der Geruch der Quitte“. In einigen Wochen wird er wieder über die Wiese schlendern und seinen Korb mit den reifen Früchten füllen. Daraus entsteht das Edelste, was man auf dem Balkan aus Früchten machen kann: Schnaps.

Aber nicht nur Hochprozentiges produziert er hier selber. Am Ende des Gartens hält er ein paar Hühner und baut Gemüse an. Fleisch bekommt er von den Nachbarn. Das verarbeitet er weiter und räuchert es. Die meisten Dinge, die hier auf dem Tisch landen, sind also selbstgemacht. Und deshalb mag ich diesen Ort so gerne, auch wenn ich selber kein Fleisch esse.

Als Farm gestartet, bekam Risto irgendwann die Idee hier Touristen übernachten zu lassen. Er baute ein Gebäude um und schuf vier Doppelzimmer für Übernachtungen. Die Zimmer sind gut ausgestattet, haben ein großes Bett, sind sauber und besitzen ein eigenes Bad. Nur an den modrigen Geruch des Leitungswassers muss man sich gewöhnen. Danach ist die Salaš „Miris Dunja“ der perfekte Ort für eine kleine Auszeit.

Risto selbst spricht leider kein deutsch oder englisch. Doch er weiß sich zu helfen. Er spricht serbisch in die Google Translate-App auf seinem Smartphone. Diese übersetzt live und liest danach auf deutsch vor. Bilden wir einfach Hauptsätze, so hat die App keine Probleme und wir können recht natürlich mit Risto kommunizieren. Ein cooler Typ. Hier komme ich gerne wieder hin.

2. EcoHouse in Novi Sad

Art der Unterkunft: Das EcoHouse bietet Radfahrern kostenlos eine warme Dusche und ein Bett. Für die Selbstversorgung steht eine Küche bereit, die genutzt werden kann.
Adresse: EcoHouse Novi Sad, Ćirila i Metodija 6021000 Novi Sad
Zimmeranzahl: 1
Betten: 2
Besonderheit: Selbstversorger-Garten, kostenlose Übernachtung für Radfahrer
Preis: 0 Euro
Anmeldung am besten über die Facebook-Seite

Kaum ist das Gartentor hinter mir geschlossen, drückt mir Dejan schon ein Jelen-Bier in die Hand. Ich brauche einige Sekunden, um zu begreifen, was ich hier gerade sehe. Von außen ist das EcoHouse in Novi Sad unscheinbar. Man sieht nur eine Mauer und ein Tor. Sonst nichts. Aber hinter dem Tor liegt ein wunderbarer grüner Ort mit eigenem Garten, Spielplatz, Grill und gemütlichem Sitzbereich.

Die Geschichte hinter dem EcoHouse begann vor etwa sechs Jahren. Damals gründeten Dejan und Milan mit zwei weiteren Freunden das Fahrrad-Kurier-Unternehmen Ecokurir. Als erste boten sie in Novi Sad an, eilige Sendungen mit dem Fahrrad statt mit einem Auto zu transportieren. Das Geschäft wurde gut angenommen und entwickeltet sich. So konnten sie einen kleinen ökologischen Beitrag leisten.

Doch in Novi Sad fehlte den vier Gründern vor allem ein eigener Garten. Sie wollten ihr eigenes Obst und Gemüse anbauen und einen Rückzugsort im Grünen haben. Irgendwann kamen sie auf die Idee das Grundstück in der Ćirila i Metodija zu mieten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich hier ein wunderbarer grüner Ort. Im EcoHouse selbst kann man Mitglied werden. Mit Hilfe der Mitgliedsbeiträge und Einnahmen aus dem Kurierdienst können kleinere Renovierungen finanziert werden. Dabei geht es den Serben vor allem darum ein Stückchen Natur in der Stadt zu haben. Es geht ihnen nicht darum das große Geld zu verdienen. Am Wochenende kommen hier Freunde, Kollegen und Mitglieder zusammen und „haben einfach eine gute Zeit“, sagt Dejan. Sein Freund Dusan sagt „Wir haben nicht lange darüber nachgedacht. Wir haben das einfach gemacht“. Unter anderem organisiert das EcoHouse auch Clean-ups an der Donau, hat dort Aschenbecher am Strand installiert und informiert über Umweltthemen bei Stadtfesten.

Für Fahrradreisende bietet das EcoHouse kostenlose Duschen und ein Bett für die Nacht. Damit wollen sie ihre große Leidenschaft – das Radfahren – fördern und in Serbien bekannter machen. Dafür haben sie auch einen eigenen Schlachtruf erfunden. Immer wieder sagen die Menschen, die ich an diesem Tag im EcoHouse treffe, „barabara“, um sich im Anschluss regelrecht kaputtzulachen. Hinter die Übersetzung bin ich leider nicht gekommen. Diverse Serben konnten es mir nicht erklären. Vielleicht aus Scham?

3. ArkaBarka Floating Hostel in Belgrad

Art der Unterkunft: Hostel
Adresse: ArkaBarka Hostel, Bulevar Nikole Tesle bb, Novi Beograd, 11000 Belgrad, Serbien
Besonderheit: Schwimmendes Hostel auf der Donau
Preis: 40 Euro für zwei Personen im Doppelzimmer, inkl. Frühstück
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Erst vom Regen, der sachte gegen meine Fensterscheibe tröpfelt, werde ich wach. Das leise Klatschen der Donauwellen gegen das Hausboot bemerke ich erst danach. So sehr hatte ich mich schon an die wunderbare Geräuschkulisse gewöhnt, die mich in den Schlaf zauberte. Komischerweise schaukelt das schwimmende ArkaBarka Hostel kein bisschen. Es scheint gut befestigt zu sein und hält dem permanenten Druck der Donau geräuschlos stand.

Hinter meinem Fenster entdecke ich eine Weide, die sich im Wind wiegt. Dahinter grüne Wiese, ein Gehweg und ein Park. Die impulsive Hauptstadt Belgrad ist an dieser Stelle nicht wiederzuerkennen. Ich sehe nur Natur um mich herum, springe unter die Dusche und laufe wenig später hinunter in den Frühstücksraum. Bei schönem Wetter kann man draußen auf der Terrasse sitzen, kaum einen halben Meter über der Donau.

Erst jetzt kommen die Erinnerungen vom letzten Abend wieder hoch. Hier im Frühstückraum saßen wir gestern zusammen, ließen uns Ristos Quittenschnaps schmecken und plauderten über Serbien und das Leben. Wie es in Hostels üblich ist, war der Gemeinschaftsraum gut gefüllt. Junge Männer pokerten am Nebentisch, Teenagerinnen stärkten sich für die Nacht in Belgrads Clubs mit Pizza und an der Bar bestellte eine kleine Gruppe das serbische Jelen-Bier für 1,50 Euro je Flasche.

Am Tresen gibt der Barkeeper später Tipps für den nächsten Tag. Er verteilt kostenlose Belgrad-Stadtpläne und weist auf die Fahrräder des Hostels hin. Kostenlos kann man sie mieten. Ich möchte aufstehen und eine Radtour auf der Halbinsel in der Save empfehlen. Hier kann man wunderbar Fahrrad fahren, etwas Essen gehen und Stadtnatur genießen. Doch meine Reisebegleiter haben mir schon den nächsten Schnaps eingegossen. Also bleibe ich sitzen und schwelge in den Erinnerungen des Tages.

4. Ferienwohnung auf der Ranch Dobro Prase

Art der Unterkunft: Ferienwohung / Appartement
Adresse: Apartment Ranč Dobro Prase, Jovana Dučića 1, 21207 Novi Sad, Serbien
Besonderheit: Ruhige Ferienwohnung in der Natur einer Pferde-Ranch
Preis: 218 Euro für fünf Personen in der Ferienwohnung für zwei Nächte, Mindestaufenthalt zwei Nächte
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Als ich mit meinem Mountainbike am nördlichen Rande des Nationalparks Fruška Gora die letzten Höhenmeter bewältige, bin ich sichtlich erschöpft. Bane, der bei Fanatic Bike arbeitet, mir ein Fahrrad geliehen und uns begleitet hat, lacht über das ganze Gesicht. So eine kurze Tour ist er lange nicht gefahren. Doch auch er ist durstig und hungrig.

Gut, dass wir gerade an der Pferde-Ranch Dobro Prase angekommen sind. Mehrmals haben wir auf dem Weg bergauf nach dem Weg gefragt und dachten wir wären total falsch. Nun rückt das verdiente Mittagessen nahe. Die Chefin des Hauses ist Sanja. Die freundliche Serbin gibt uns Wasser, Tee, Kaffee und Holundersirup. Hastig trinke ich mehrere Gläser Wasser. Auf Sanja muss es wirken, als wären wir drei Tage durch den Nationalpark geradelt. Dabei war es nur ein Vormittag.

Während sie sich um das Mittagessen kümmert, besuchen wir ihren Mann. Er kümmert sich auf der Ranch um die Pferde. Einen Tag vorher sollte man sich anmelden, wenn man mit den Pferden im Fruška Gora Mittelgebirge ausreiten möchte. So bleibt genug Zeit, um die Pferde vorzubereiten. Das Grundstück der Ranch Dobro Prase ist riesig. Die meisten Pferde stehen gerade im Wald, als wir uns die Ställe anschauen und ein Pferd genüsslich seinen eigenen Kot frisst. Ich bin entsetzt. Aber Pferde kauen wohl nicht sonderlich gut, daher lässt sich die Ausscheidung für einen zweiten Weg durch den Körper gut gebrauchen. Nun gut. Zeit fürs Mittagessen, auch wenn ich gerade nicht mehr sehr hungrig bin.

Doch das ändert sich plötzlich. Sanja hat vegetarische Köstlichkeiten zubereitet mit Zutaten aus dem eigenen Garten und der Umgebung. Als Vorspeise gibt es eine Spitzwegerich-Suppe. Die Suppe sieht aus wie wässrige Spinatsuppe, schmeckt aber fantastisch. Danach holt sie eine Lasagne aus Spinat, Zucchini und Holunderblüten aus dem Ofen. Wir brauchen nicht lange, um die ganze vegetarische Lasagne zu verschlingen und ihr das leere Blech in die Küche zu geben. Dann hat sie für uns noch eine Überraschung. Zur Nachspeise gibt es Buchweizen-Pancakes mit Löwenzahn-Sirup. Das klingt alles sehr gesund, ist aber tatsächlich auch lecker.

Möchte man in der Dobro Prase zum Essen vorbeikommen, bittet Sanja zwei Tage vorab um Reservierung. Hier verköstigt sie auch Gruppen und manchmal sogar ganze Schulklassen. Mietet man sich in der Ferienwohnung ein, könnte man nach Absprache mit ihr auch zum Abendessen etwas bestellen. Im Normalfall ist die Ferienwohnung aber auf Selbstversorgung ausgerichtet. Gehe aber vor Ort auf jeden Fall ein paar Mal typisch serbisch essen, um deine Serbien Reise zu einem idealen Urlaub zu machen.

Offenlegung:

Von Serbien Tourismus wurde ich auf die Reise durch Serbien eingeladen. Ich bedanke mich für die Einladung und die Hilfe der vielen regionalen Partner. Meine Meinung wurde von der Einladung nicht beeinflusst.

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Autor

Ich bin Steven, 30 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Im März 2019 habe ich die NGO WeWater gespendet. Hast du ein paar Euro übrig, freue ich mich für meine Organisation über eine Spende. Vielen Dank. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

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