In letzter Zeit stellte ich vermehrt fest, dass der Begriff Nachhaltigkeit für alles mögliche verwendet wird, aber nicht für die eigentliche Sache. So zitierte ich auch schon in der letzten Woche ein paar Wortverwendungen, wie die „nachhaltigste Autobahn aller Zeiten“, Kinderpornografie im Internet “nachhaltig bekämpfen“, oder „nachhaltige Katastrophe bei der Ölpest auf dem Fluss Lambro in Mittelitalien“. Doch was ist Nachhaltigkeit wirklich? Wie definiert sie sich, was vermuten wir dahinter und wie kam es zu nachhaltigem Denken? Fragen, die ich versuchen möchte zu beantworten.

Ist Nachhaltigkeit ein hippes Modewort unserer Zeit?

Nein, ganz und gar nicht, denn das Prinzip der Nachhaltigkeit tauchte bereits vor über 300 Jahren in Deutschland auf. Im Jahr 1713 wurde von einem klugen Bergmann in Freiberg gefordert, dass nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung durch Säen und Pflanzen wieder nachwachsen kann. Als Bergmann stand er vermutlich des öfteren vor dem Problem, dass eine Ressource aufgebraucht war. Doch in der Holzwirtschaft konnte das Problem vermieden werden.
So war aus der Forstwirtschaft die Nachhaltigkeit geboren, die anschließend in den englischen (sustainability) und französischen (durabilité) Sprachgebrauch übertragen wurde.

Was wurde nach dem Jahr 1713 aus der Nachhaltigkeit?

Erst im Laufe des 20. Jahrhunderte widmete sich die Welt den Problemen der Umweltverschmutzung, denn es war wie überall im Leben – es wird erst über etwas nachgedacht, wenn es beinahe schon zu spät ist. Als Ursachen der Umweltverschmutzung wurden damals primär Überbevölkerung sowie der verschwenderische Umgang von Ressourcen beziffert. So kam es dazu, dass ab 1913 erste internationale Konferenzen zum Thema Naturschutz statt fanden, die dazu führten, dass nach dem zweiten Weltkrieg die ersten, nicht verpflichtenden, Regelungen getroffen wurden. Ein Beispiel aus dieser Zeit betrifft Regulierungen des Walfangs. Auch ein erster internationaler Naturschutzverband, die Welt-Naturschutzunion INCN entstammte dieser Zeit.

Da die besprochenen Regelungen nicht bindend waren und es keinerlei Strafen beim Missachten der Regeln gab, ja, ihr werdet es ahnen, veränderte sich nahezu gar nichts! Es ist wie mit dem vermeintlich einfachsten Vorhaben eines jeden zu vergleichen. Wenn kein Druck hinter einer Sache steht, dann schaffen es die meisten auch nicht ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Erst in den 1970er Jahren wuchs das weltweite Interesse an Umweltschutzthemen merklich. Als Höhepunkt dessen ist die erste weltweite Umweltkonferenz, die „Stockholmer Konferenz für menschliche Umwelt 1972 der UNO“ zu sehen. Erst ab diesem Zeitpunkt wurden verbindliche Regelungen festgelegt, die den Schutz der Umwelt durch die unterschreibenden Staaten gewährleisten sollten. Es folgten Ziele und Vorhaben, die durch die Verträge Gestalt annahmen und somit schon verpflichtender waren.

Doch wie viel ist seit 1972 wirklich passiert? Immer noch zu wenig, wie ich finde!

 

Nachhaltigkeit im Jahr 2014.

Nachhaltigkeit ist noch nie so aktuell wie heute gewesen. Doch meinem Empfinden nach wird sie für allerlei Schandtaten missbraucht.
Sie ist heute eher etwas, dass wir zur Selbstdarstellung beziehungsweise einer spannenderen Außendarstellung nutzen. Denn natürlich bevorzugen wir die Sojamilch im hippen Innenstadt-Café, das graue Reycling-Toilettenpapier und lassen Pelz und Primark-Shoppingtütchen lieber daheim. Wir verzichten mehrmals die Woche auf Fleisch und Spenden zur Weihnachtszeit an Wohltätigkeitsorganisationen. Natürlich teilen wir das ausgiebig auf Facebook, Twitter und Co. Wir machen es ja nicht nur des altruistischen Spendens wegen, nein, nein –  natürlich sollen meine Mitmenschen auch sehen was ich für ein Gutmensch bin.

Aber das der selbstdarstellende Gutmensch unentwegt bei Amazon aus allen Kontinenten dieser Welt Produkte bestellt, anstatt den kleinen Laden um die Ecke mal aufzusuchen und er tiefgefrorene Garnelen aus Aquakulturen Thailands im Discounter einkauft ist ganz schnell vergessen und wird natürlich auch nicht geshared. Wir machen uns etwas vor. Kaum einer von uns ist bereit der Umwelt und der Verantwortung der nachfolgenden Generationen gegenüber seinen Lebensstandard zu minimieren und beispielsweise kein Auto mehr zu fahren, nicht mehr mit dem Flugzeug in den Urlaub zu fliegen oder vegan zu leben.

In der Unternehmenswelt sieht das leider nicht anders aus. Als Greenwashing wird die PR-Methodik des grünen Deckmäntelchens dort bezeichnet. Unternehmen, die auch im entferntesten Sinne nichts mit Nachhaltigkeit am Hut haben, versuchen sich mit Hilfe von grüner Unternehmenskommunikation ins nachhaltige Licht zu rücken. Das beste Beispiel dafür ist der Stromversorger RWE, der sich mit seiner Werbefigur des grünen Riesen als besonders umweltfreundlich positionieren wollte. Doch gerade RWE ist das Unternehmen in Europa, das am meisten Kohlenstoffdioxid in die Luft bläst. Einen Anteil an erneuerbaren Energien hat der Stromversorger fast gar nicht.

 

Doch was ist nun Nachhaltigkeit?

Ressourcenerholung statt Ressourenschonung als Definition ökolofgischer Nachhaltigkeit

Der Duden definiert Nachhaltigkeit mit „einer längeren Zeit anhaltenderen Wirkung“. Das deckt sich soweit mit dem Grundverständnis eines jeden.

Um die Frage nach einer genauen Definition zu beantworten müssen wir Nachhaltigkeit nun erstmal eingrenzen. Meinem Wissen nach gibt es die ökologische Nachhaltigkeit, die soziale Nachhaltigkeit sowie die ökonomische Nachhaltigkeit. Alle drei Säulen der Nachhaltigkeit sind eng miteinander verknüpft und stehen in Abhängigkeit zueinander.

Da mich neben der sozialen Nachhaltigkeit ausschließlich die ökologische Nachhaltigkeit auf diesem Blog interessiert, in der die „Dach-Nachhaltigkeit“ aus 1713 ihren Ursprung hat, möchte ich nun für diese Säule der Nachhaltigkeit eine genaue Definition finden. Die folgenden Varianten lassen sich bisher im Netz finden:


1. „Eine ökologisch nachhaltige Lebensweise bedeutet, natürliche Rohstoffe nur auf Dauer und im Rahmen ihrer Fähigkeit zur Regeneration zu nutzen.“

Quelle: nrw-denkt-nachhaltig.de

 

2. „Die ökologische Nachhaltigkeit befasst sich mit dem Erhalt der Natur für unsere und künftige Generationen. Mit langfristig wirksamen Konzepten im Bereich der ökologischen Säule der Nachhaltigkeit wird eine effiziente Nutzung der Ressourcen ermöglicht.“
Quelle: nachhaltigleben.ch

 

3. „Die ökologische Nachhaltigkeit hat die Erhaltung und ggf. auch die Erhöhung der natürlichen Ressourcen zum Ziel.“
Quelle: bund-bin.de

 

Beim kurzen Überfliegen der Definitionen könnten wir nun der Meinung sein, dass exakt das gleiche beschrieben wird. Wird es aber nicht:

1. Definition nach nrw-denkt-nachhaltig.de:
Fälle so viele Bäume wie wieder nachwachsen können.

 

2. Definition nach nachhaltigleben.ch:
Fälle nur so viele Bäume wie nötig und nutze diese entsprechend effizient, so dass unsere nachfolgenden Generationen auch ein Gleichgewicht vorfinden.

 

3. Definition nach bund-bin.de:
Fälle weniger Bäume als nachwachsen können, so dass der Bestand der Ressourcen sich wieder erholen kann.

 

Folglich habe ich aus diesen Definitionen versucht meine Masterdefitinition von ökologischer Nachhaltigkeit zu finden. Wie findet ihr sie? Ist sie eurer Meinung nach richtig? Wie definiert ihr Nachhaltigkeit? Was tut ihr für Nachhaltigkeit? Ich freue mich von euch zu hören!

 

Die ökologische Nachhaltigkeit ist neben der sozialen und der ökonomischen Nachhaltigkeit eine Säule der Nachhaltigkeit. Alle drei Säulen sind gleichberechtigt, stehen aber in Korrelation zueinander. Sie folgt dem Prinzip, der Ressourcenerholung und Ressourceneffizienz, so dass
1. weniger Rohstoffe verbraucht werden dürfen als sich regenerieren lassen und
2. die verwendeten Rohstoffe bestmöglich wirkungsvoll verwendet werden müssen.
Das hat zum Hintergrund den Raubbau des Menschen der letzten Jahrhunderte auszugleichen und eine langfristige Schöpfung den nachfolgenden Generationen zu hinterlassen.

Autor

Ich bin Steven, 29 Jahre alt und der Autor dieses Blogs Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

3 Comments

  1. Das Netzwerk Nachhaltige Ökonomie und die Gesellschaft für Nachhaltigkeit um Prof. Dr. Rogall definiert Nachhaltige Entwicklung wie folgt:

    „Eine Nachhaltige Entwicklung will für alle heute lebenden Menschen und künftigen Generationen ausreichend hohe ökologische, ökonomische und sozial-kulturelle Standards in den Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit der Erde erreichen und so das intra- und intergenerative Gerechtigkeitsprinzips durchsetzen“

    Mehr über die Gesellschaft für Nachhaltigkeit e.V. auf ihrem Flyer: http://gfn-online.de/mitgliedwerden/

    Deine Definition ist da schon sehr nah dran. Rogall erweitert noch um die Standards und Leitplanken, wie Nachhaltigkeit erreicht werden kann.

  2. Hi Steven,

    Schöner Blog, tolle Ideen. Ja mei, die Wörter und so. Ich hab keine Ahnung, was nachhaltig bedeuten soll. Kann man echt universell einsetzen. Aus irgendeinem Grund geht mich die Natur was an. Das hab ich lange vergessen ( ich war mit 9 sehr aktive Greenpeace Aktivistin und habe mein Umfeld ordentlich genervt). Nun ist es seit einer langen Reise, in der ich in vielen Meeren im Plastik schwamm, wieder da, dieses Mitgefühl, dieser Weltschmerz. Was mache ich? Ich fühl mich ohnmächtig. Aber statt mich dem Gefühl hinzugeben, versuche ich Fragen zu stellen (warum die Biotheke in Plastik versinkt. Die Antwort ist ernüchternd und ich kauf das so nicht mehr). Mache öfter mal was selbst ( Shampoo aus Roggen, Waschmittel aus Kastanien, Kaffeezuckerpeeling für meine Freundinnen und mich). Und sonst das übliche, keine Plastiktüten mehr, keine Kataloge mehr ins Haus. Aber finde mal 2- lagiges Klopapier?

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