„Einfach immer bergab fahren!“
Es muss vor etwa zehn Jahren gewesen sein, als wir mit Freunden auf einem Zeltplatz in Brandenburg Urlaub machten. Mein Bruder und ich waren damals beinahe den ganzen Tag mit unseren Fahrrädern unterwegs und auf der Suche nach dem Kick der Geschwindigkeit. Folglich fuhren wir den ganzen Tag die steilsten Hügel hinauf, um sie dann wenige Sekunden später wieder in einem Affenzahn hinunter zu düsen. Doch es war immer wieder mühsam den Hügel hinauf zukommen.

Also fantasierten wir und wünschten uns einen Berg, den wir nur bergab fahren konnten.
… Doch damals hatten wir ja keine Ahnung, dass ich ein paar Jahre später eben jene Lösung in Frankreich entdecken würde. Die Rede ist von einem Fahrrad, das selbst das Fahren bergauf zum Spaß werden ließ.

Was genau macht ein E-Bike?

Noch bevor ich die Reise näher plante, hatte ich ehrlich gesagt gar keine Ahnung wie ein E-Bike funktioniert. E-Bikes hielt ich vorab einfach für Elektromotorroller. Doch ich lag falsch, komplett falsch sogar. Elektrofahrräder unterstützen das Fahren in mehreren Geschwindigkeitsstufen, doch nur, wenn auch selbst gestrampelt wird. So wird besonders beim Losfahren oder Fahren bergauf die zusätzliche Power spürbar. Ein tolles Gefühl, denn vor starken Steigungen musste ich mich mit dem E-Bike nicht mehr fürchten.

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Mit dem E-Bike durch die Lozère.

Unsere Tour startete in Florac. Gleich die erste Etappe führte uns in 600 Höhenmetern auf eines der Plateaus der Kalkberge in etwa 1100 Meter Höhe. Während sich die Städte des südfranzösischen Departments alle in den Tälern und an Flüssen befinden, so sind auf den Plateaus der Berge weite Wiesen und landwirtschaftliche Nutzflächen zu bestaunen. Eine ganz andere Vegetation ist hier vorzufinden. Wir sahen Bienen, diverse Schmetterlinge sowie Falken und Geier. Unfassbar viele Insekten tummelten sich auf den belebten Gräsern der Plateaus.

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Zum Mittag rasteten wir auf den Wiesen oder an üppigen Weinhängen. Wie auf der Insektenautobahn kam ich mir vor. Ein Käfer jagte den nächsten bis große Libellen, Wespen und Bienen zum Überholmanöver von Wildblume zu Wildblume ansetzen. In der prallen Vorsommerhitze war an ein Mittagsschläfchen nicht zu denken. Viel zu warm, zu laut und viel zu schön, um den halben Tag zu verschlafen.

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Also fuhren wir einfach weiter und erkundeten die Region auf eigene Faust. Und da es viel zu komplex wäre jeden Streckenkilometer mit Wörtern zu beschreiben, die in ihrer Intensität gar nicht ausreichten, um die Schönheit der französischen Natur und unserer Tour zu beschreiben, kann ich euch mit diesem Clip beglücken.

 

 

Lunchpakete zum Mittag.

Freundlicher Weise deckten uns unsere Unterkünfte immer mit sagenhaften Lunchpaketen ein, wie ich sie noch aus Grundschulzeiten kannte. Und nein, dieses mal gehen die Lorbeeren nicht an meine Mama, die täglich unsere Pausenbrote schmierte – der wahre Pausenbrotkönig war immer mein Vater gewesen. Immer wenn er die Pausenversorgung von meinem Bruder und mir übernahm, was ungefähr nur ein Mal im Jahr passierte, hatten wir grandiose Sandwiches und Süßigkeiten in unseren Brotdosen. Ein absolutes Highlight war damals jedoch die Brotdose in der lediglich ein 5€-Schein zu finden war. Ich erinnere mich gerne an diesen Moment zurück.

Mit Bargeld wäre ich in den Landschaften der Lozère nicht weit gekommen. Natürlich finden sich in den Städten einige Restaurants, kleine Läden und Supermärkte, aber außerhalb dieser Städte ist daran nicht zu denken. Und genau das machte für mich die Schönheit dieser Region aus: Das Erleben von naturräumlichen Vegetationen ohne nervigen Pauschal- und Massentourismus.

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Erst einmal hätte Marc, Besitzer eines idyllischen Gasthauses, einen großen Reisebus in der Region gesehen. Das Herz sei ihm bei diesem Anblick in die Hose gerutscht, hatte er mir bei einem unserer Gespräche erzählt. Die erfreuliche Nachricht war jedoch, dass der Bus nur auf der Durchreise war und sein Ziel noch nicht gefunden hatte. Und so wird die Lozère vermutlich nicht mehr lange nur ein Geheimtipp bleiben, aber eine Region in der garantiert sanfter Tourismus betrieben wird.

Highclass am Abend.

Während wir uns die belegten Baguettes und Kuchen beim Picknick am Mittag schmecken ließen, erwarteten uns am Abend wahnsinnig gute Menüs – natürlich alles aus der Region!

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Wie könnte man diese Region wohl besser entdecken als mit einem E-Bike, das selbst das bergauf fahren ganz einfach werden lässt?

Wir absolvierten die E-Bike-Tour über drei Tage und ich muss sagen, dass das E-Bike mit großem Abstand die wahrscheinlich beste Möglichkeit ist die Lozère zu bereisen. Dass ich ein absoluter Fahrradfan bin, muss ich an dieser Stelle ja nicht mehr sagen, aber besonders in den kleinen Dörfern der Region, den schmalen Wander-, Feld- und Waldwegen waren wir mit dem E-Bike extrem flexibel und schnell unterwegs. Außerdem bietet das E-Bike immer die Möglichkeit an schönen Stellen zu rasten oder Museen und Grotten spontan zu erkunden.

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Die 3-Tages-Tour kann über Cevennes Evasion hier eingesehen und gebucht werden. Da die Unterkünfte der Rundfahrt locker mit dem Niveau der französischen Spitzenhotellerie mithalten, wird diese Tour ein fabelhafter Mix zwischen sportlicher Aktivität und Wohlfühlurlaub sein, der den Preis rechtfertigt.

Alle Streckeninfos zur Radtour findet ihr hier auf dem Blog von France écotours.

Ich danke Inger von Lozère Tourismus für die tolle Organisation der Reise und der Möglichkeit die Region auf eigene Faust zu entdecken. Wenn ihr mehr über die Lozère erfahren wollt, dann rate ich euch diesen Beitrag über das Gleichgewicht zwischen Leben, Arbeit und Natur in der Lozère zu lesen! 

Autor

Ich bin Steven, 28 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Natur und Nachhaltigkeit. Schön, dass du hier bist. Projektvorschläge, interessante Themen oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

3 Comments

  1. Sehr schöner Bericht über eine schöne Gegend. Da kann man in der Tat abschalten vom stressigen Alltag. ABER, Deine Beschreibung was ein E-Bike ist, ist leider falsch. Was Du meinst ist ein Pedelec! Was der Unterschied ist, kannst Du auf meinem Blog unter “Fahrradtypen” lesen :-)

    • Hi Dirk, danke für dein Feedback. Aber ist es nicht so, dass der Begriff E-Bike nicht auch einfach als Überbegriff und Synonym für ein Pedelec steht? So wurde es mir jedenfalls erklärt…

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