Überblick über Kampala
Alle paar Stunden muss ich heftig niesen. Meistens drei Mal hintereinander. Wenn ich ein Taschentuch zur Hand nehme und kräftig rein schnaube, dann offenbaren sich mir die Überreste von Staub und Abgasen. Kein schöner Anblick, sag ich euch, obwohl das 1A Erfahrungen für Grundschüler wären, die gerade dabei sind die Funktionen der Sinnesorgane zu erlernen.

Kampala, die Hauptstadt Ugandas

Eigentlich, sollte es schon viel kühler sein. Und eigentlich sollte es längst mal geregnet haben. Seit etwa drei Monaten hat es das aber nicht mehr, obwohl März und April sowie der November in Uganda als Regenzeit gelten. Die Blätter der Kaffeepflanzen hängen verschrumpelt nach unten, die Bananen wachsen nur auf halbe Größe, die Einheimischen stöhnen über die Hitze, die ich selbst als sehr angenehm empfinde und die eigentlich so grüne Landschaft Ugandas verwandelt sich von Tag zu Tag mehr in ein braun-rot. „Global Warming“ höre ich in diesem Zusammenhang oft als Erklärung. Worauf die Erderwärmung zurückzuführen ist, interessiert aber niemanden.

 

Nichts hindert die Fahrer von Autos, Boda-Bodas (Motorradtaxis) oder Matatus (Taxibusse) daran langsamer zu fahren. Wie die Idioten kacheln sie über asphaltierte und liebend gerne noch viel schneller über die nicht asphaltierte Straßen und wirbeln Unmengen von Staub in die Luft. In den kleineren Straßen bewässern die Anwohner die furztrockenen Wege, doch das ist kostspielig und bringt nur so viel wie der bekannte Tropfen Wasser auf dem heißen Stein.

 

Kampala versinkt dieser Tage im Rot des Staubs. Dazu paaren sich Tonnen von Plastikmüll und die pechschwarzen Abgase der Fahrzeuge, die schätzungsweise in 70% der Länder dieser Welt nicht mehr zugelassen wären. Mit trockenen Handtüchern schlagen Autobesitzer auf ihre Fahrzeuge ein, um den Staub woanders hinzuwirbeln. Boda-Boda-Fahrer greifen da schon lieber mal zu einem Abwasserkanal und schütten grau-stinkende Brühe über das Gefährt.
Was ich vorab gelesen hatte, entpuppt sich zumindest in Kampala als Wahrheit: Afrikanische Großstädte sind hässlich und dreckig.

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Ganz schlimm wird es im Berufsverkehr, wenn die Straßen, die sich Fußgänger, bettelnde Kinder, Straßenverkäufer und Fahrzeuge teilen komplett zum Erliegen kommen und weder Ampeln, Verkehrspolizisten oder das obligatorische „Wer hubt, der fährt“ noch funktionieren.
Wenigstens gibt es in der Innenstadt richtige Fußgängerwege. Doch im dicken Stau der Stadt, schrecken Boda-Bodas oder Fahrräder auch nicht davor zurück die Gehwege zu nutzen.

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Klingt nicht nach meiner Lieblingsstadt, oder? Ich liebe es hier dennoch. Auch wenn ich mich dauernd bei meinen Begleitern über die Umweltverschmutzung und die Gleichgültigkeit der Ugander aufrege, so mag ich die Einwohner Ugandas doch sehr gerne. In Kampala ist es zwar nicht so extrem wie auf dem Land, aber die Ugander mögen mich. Zumindest tun sie so.

 

Von „Muzungu guck mal hier“, „Muzungu mach mal das“, „Muzungu winke mal“, „Muzungu mach mal ein Foto“ bis „Muzungu gib mal einen Euro“ oder „Muzungu hast du eine Schwester?“ habe ich in Kampala schon einiges gehört. Manche wollen etwas von meinem vermeintlichen Reichtum abhaben, andere wollen mich aber auch einfach nur eine Weile anglotzen oder mir die Hand schütteln.

 

Lächle ich, so lächeln 90% der Menschen zurück. Winke ich, so winken 90% der Menschen zurück. Wenn wir mit dem Auto durch die Gegend fahren, dann fühle ich mich wie die Queen. Ich stelle mich Grinsen auf Stufe drei von vier, tackere es fest und winke wie verrückt aus dem Fenster, da ich mir einbilde am Image der Weißen etwas gerade rücken zu wollen. Das ist nicht gekünstelt. Nein, ich freue mich wirklich. Fast immer bekomme ich ein Lächeln zurück und freue mich etwas Freude in die staubige Landschaft gebracht zu haben.

 

Und wenn ich Menschen per Handschlag begrüße, dann stehen gleich noch drei, vier Weitere um uns herum. Die Menschen in Kampala sind selten schüchtern und oft neugierig. Sie fragen mich, ob ich Bananen kenne, ob ich Matooke (Kochbananen) mag, ob eine Hand bei -15 Grad im Winter am Metall kleben bleiben kann und was meine Lieblingsfrüchte sind. Ohne zu lügen, kann ich ihnen entgegnen, dass ich Mangos liebe. Und Erdbeeren, aber die kennt hier keiner.

 

Manche Fragen wirken auf mich sehr banal, aber diverse Dinge kennen sie hier einfach nicht. Ein Mal sprach ich die Pille an. Das löste gleich großes Erstaunen aus, in einem Land, in dem 1,5 Millionen Menschen an AIDS erkrankt sind und überall Werbung für Geschlechtsverkehr mit Kondomen gemacht wird, sollte ich nicht über die Pille sprechen. Also garantiere ich, dass Kondome die sicherer und bessere Alternative wären.

 

„Deutschland ist ja jetzt wieder ein Land“, hat einer gehört und beginnt so ein Gespräch mit mir. Ich fange schallend an zu lachen und alle am Tisch schauen mich verdutzt an. Ich erkläre, dass „jetzt“ schon fast 26 Jahre her ist.

 

Ein anderer fragt, ob wir in Deutschland auch Englisch sprechen. Ich bejahe die Frage und sage, dass unsere Muttersprache aber Deutsch ist. Das finden sie witzig. Das wäre ja fast so, als hätte Spanien auch seine eigene Sprache. Ähm…

 

Ach, ich mag die Menschen hier echt gerne und daher mag ich auch das Drecksloch Kampala mit all seinen Märkten, Früchten, einheimischen Gemüsesorten und Prepaid-Kartenverkäufern. Und dafür nehme ich auch den ganzen Müll, Staub und die Abgase in Kauf. Aber über die Sache Abwässer in den Victoriasee zu schütten, darüber müssen wir echt noch mal sprechen, liebe Kampalaner.

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PS: Den besten Überblick über Kampala hat man von der Gaddafi Moschee. Wir haben für den Eintritt von zwei Personen 10.000 Uganda Schillings bezahlt, was etwas weniger als 4 Euro entspricht.

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Mit dem Hashtag #VolunteerUganda kannst Du mir bei meiner Reise durch Uganda und das Volunteering in den digitalen Kanälen Facebook, Twitter und Instagram folgen. Inzwischen lebe ich in Nandere, einem kleinen Dorf bei Luweero ungefähr 70 Kilometer von Kampala entfernt. Hier arbeite ich auf den Agrarflächen der Kirche. Morgen fangen wir damit an einen Wald aufzuforsten.

Ich freue mich über deine Fragen und Kommentare. Wie hast du andere Großstädte wahrgenommen? Erzähl uns davon.

 

 

 

 

 

 

 

Autor

Ich bin Steven, 29 Jahre alt und der Autor dieses Blogs Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

2 Comments

  1. Hallo, schön schreibst du.
    Deine Stadtbeschreibung erinnert mich an meine Reise durch Kamerun vor fast 20 Jahren . Ich habe es auch mit all seinen Widersprüchen sehr genossen. Geärgert hat mich nurcmorgens keinen Kaffee oder The vorzufinden, obwohl doch das Land ein großer Produzent ist . Hätte natürlich Bier trinken können
    Ach, es werden so viele Rohstoffe exportiert…

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