Heideblüte in Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide

Wie unfassbar ruhig es hier ist, merke ich erst, als der Wind nachlässt. Kiefern und Birken verstummen ganz plötzlich und stoppen ihr Blätterspiel. Dann wird es ganz leise. Keine Autos, keine Züge, keine Flugzeuge. Es herrscht absolute Stille. Ich beuge mich hinunter und höre plötzlich das stetige Summen der Insekten. Auf den ersten Blick sind sie gar nicht zu erkennen. Also setze ich mich auf den feuchten Sandweg und beobachte.

Unzählige Bienen huschen von Kraut zu Kraut. Erst vor wenigen Tagen hat hier die Heideblüte begonnen. Jetzt blüht das Heidekraut in kräftigem violett. Oder ist es lila? Ich weiß es nicht, aber den Bienen ist es auch ganz egal. Für sie muss diese Zeit des Jahres ein wahres Paradies sein. Eilig fliegen sie von Blüte zu Blüte der immergrünen Zwergsträucher und sammeln fleißig den lebensnotwenigen Nektar ein. Eine sehr kräftige Biene hat die Hinterbeine voller Blütenstaub. Mit dem zusätzlichen Gewicht taumelt sie etwas umher und braucht wenige Sekunden, um in die Höhe starten zu können. Dann fliegt sie davon.

Das Heidekraut hier wird auch Besenheide (Calluna vulgaris) genannt. In diesem Jahr ist die Besenheide sogar Blume des Jahres. Speziell auf diese Vegetation angepasst, haben sich individuelle Bienenarten entwickelt. So kann man mit etwas Glück zwischen all den Blüten die Heidekraut-Sandbiene und die Heidekraut-Seidenbiene entdecken. Diese Bienenarten sind von der Heideblüte abhängig und können nur überleben, wenn es sie gibt.

Die Heinz Sielmann Stiftung engagiert sich für den Erhalt der Kyritz-Ruppiner Heide

Daher ist es gut, dass man die holzigen Zweige der Besenheide nicht mehr zur Herstellung von Besen verwendet. Für den Schutz einer der größten zusammenhängenden Heideflächen Europas setzt sich die Heinz Sielmann Stiftung hier in der Kyritz-Ruppiner Heide aktiv ein. Die Stiftung hat sich dem Naturschutz, dem Naturerleben und der Förderung der biologischen Vielfalt verschrieben. „Wir können nur schützen, was wir auch kennen“ sagte einst Heinz Sielmann. Die Aussage des Tierfilmers hat heute genauso wie damals Bestand. Nach einem Tag in der Natur erkenne ich stets neu wie unglaublich schützenswert unsere Umwelt ist. Und heute, wo die Heideblüte die ganze Landschaft in einen bunten Farbklecks verwandelt, bin ich froh dieses Naturwunder zu sehen.

Während der Heideblüte wird mir klar wie viel biologische Vielfalt hier lebt. Ich entdecke Bienen, Schmetterlinge, Hummeln und dutzende Heuschrecken. Eine ist ganz dunkel, die nächste hellbraun gefärbt. Sie leben am Anfang der Nahrungskette. Eine Stufe höher sind die vielen Vogelarten der Heidelandschaft angesiedelt. 79 sind es an der Zahl. Dazu gehören Braunkehlchen und Brachpieper, Seeadler und sogar der Wiedehopf. Seeadler und Wiedehopf bekomme ich leider nicht zu sehen. Und genauso sehe ich auch nicht das Rudel Wölfe, das sich in der Kyritz-Ruppiner Heide angesiedelt haben soll. Aber das ist auch gut so.

Allen anderen Touristen in der Heidelandschaft wird es genauso gehen, denn der Wolf meidet den Kontakt zu den Menschen. Man muss sich also vor einem Besuch nicht sorgen. Allerdings sollte man aufpassen, dass man immer auf den ausgewiesenen Wegen bleibt. Denn vor wenigen Jahren befand sich an dieser Stelle alles andere als ein Naturschutzgebiet.

Bombenregen statt Heideblüte

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde von 1952 bis 1993 die Fläche als sogenanntes „Bombodrom“ bekannt. Die sowjetische Armee nutzte das ehemals bewaldete Gebiet, um Bomben, Munition und Kampfflugzeuge zu testen. 1993 übergab sie die Fläche an die Bundeswehr. Und die wollte damit sogar weitermachen. Ein friedlicher Widerstand regte sich. Schlussendlich wurde die Idee eines Militärgebietes verworfen und die Heide war frei.

Seit 2011 wird in der Heide nach Bomben gesucht, um die Überbleibsel vergangener Zeiten zu räumen. Bis 2023 soll die Räumung abgeschlossen sein. Die Aufräumarbeiten mit fast wöchentlichen kontrollierten Sprengungen dauern schon lange an. Es befinden sich im Boden einfach viel mehr Bomben, als man anfangs geglaubt hatte. Bis die Arbeiten abgeschlossen sind, ist nur ein Teil der Heide für Besucher geöffnet.

In diesen Bereichen sollte man dennoch umsichtig sein. Nur die mit Pollern und roten Ringen gekennzeichneten Flächen sind für Touristen freigegeben. Die ausgewiesenen Wege sollte man nicht verlassen. Außerdem sollte man ab Waldbrandgefahrenstufe 4 den Besuch der Kyritz-Ruppiner Heide lieber verschieben. Bricht dort ein Feuer aus, wäre es wegen der Munition im Boden einfach viel zu gefährlich.

Die große Munitionsbelastung macht auch der Sielmann Stiftung die Pflege einer der größten zusammenhängenden Heidefläche schwer. Die Heide blüht generell nur, wenn man die Heide pflegt. Und um die Landschaft zu erhalten, muss das Heidekraut jedes Jahr abgeschnitten werden. Das kann mit der Mähmaschine passieren, durch Schafe oder durch kontrolliertes Feuer. 12.000 Hektar Vegetation müssen also regelmäßig gepflegt werden, damit die Heideblüte mit all der biologischen Vielfalt erhalten bleibt.

Etwa 3.000 Hektar können Gäste aktuell besuchen. Dafür haben sie mehrere Möglichkeiten.

Vom Heideblütenfest bis zum Aussichtsturm: Aktivitäten in der Kyritz-Ruppiner Heide

 

1. Wanderung zur Heideblüte

Mit festem Schuhwerk lässt es sich in der Heide gut wandern. Beachten sollte man auf jeden Fall die sandigen Böden. Diese führen dazu, dass man schneller als gewohnt erschöpft ist und vielleicht nicht die gleichen Distanzen schafft, die man von anderen Wanderungen gewohnt ist.

sandwege kyritz ruppiner heide

 

2. Mit E-Fatbikes durch die Heide

In Pfalzheim verleiht die Familie Richter E-Fatbikes. Das sind Elektrofahrräder (genauer gesagt Pedelacs) mit besonders dicken Reifen. Die Fahrräder sind sehr bequem, sehen aus wie alte Motorräder und liefern genug elektrische Energie, um in den sandigen Böden der Heide vorwärts zu kommen.

Öffnungszeiten:
Donnerstag 14 bis 20 Uhr
Freitag bis Sonntag 8 bis 20 Uhr
Telefon: 033924 28 99 98
Website: www.bigwheel-fatbike-verleih.de
Adresse: Big-Wheel-Pfalzheim, Dorfstraße 24, 168 Temnitzquell OT Rägelin / Pfalzheim
Preise: halber Tage 25 Euro, ganzer Tag 45 Euro

fahrrad kyritz ruppiner heide

 

3. Aussichtsturm ermöglicht wunderbaren Heideausblick

Auf dem Sielmannhügel wurde in diesem Jahr ein Aussichtsturm eröffnet. Der hölzerne Turm führt in 75 Stufen auf etwa 15 Meter. Von dort lässt sich die Weite der gigantischen Heidefläche erahnen.

turm kyritz ruppiner heide

 

4. Sterne beobachten in der Nacht

Nachts ist es in der Heide unfassbar dunkel. Es gibt in der Umgebung kaum Lichtverschmutzungen, weshalb die Kyritz Ruppiner-Heide zu den dunkelsten Orten Deutschlands zählt. Führungen vermittelt die Heinz Sielmann-Stiftung.

5. Heideblütenfest 2019 in Pfalzheim

Am 17. August 2019 findet in Pfalzheim das Heideblütenfest statt. Die E-Fatbikes kann man dann auch für eine Stunde mieten und es werden Kremserfahrten angeboten. So kann man die Heideblüte 2019 bei einem Wochenendausflug nach Brandenburg ganz vielfältig erleben.

turm ausblick kyritz ruppiner heide

PS: Ganz in der Nähe war ich im Winter mal auf einer Huskytour durch Brandenburg. Das könnte auch ein guter Ausflugstipp für dich sein.

Offenlegung: Brandenburg Tourismus und die Heinz Sielmann Stiftung haben mich mit der Produktion eines Videos über die Kyritz-Ruppiner-Heide beauftragt. Daher verbrachte ich während der Heideblüte einen Tag auf Einladung in Brandenburg.

Autor

Ich bin Steven, 30 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Im März 2019 habe ich die NGO WeWater mit Freunden gegründet. Hast du ein paar Euro übrig, freue ich mich für meine gemeinnützige Organisation über eine Spende. Vielen Dank. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

Hinterlasse ein Kommentar

Kennst du schon meine Youtube-Videos?

Jede Woche erscheint drüben auf Youtube ein neues Reisevideo.
Schau mal rein und abonniere jetzt meinen Kanal. Vielen Dank!