Vom Biohof Gut Schmerwitz in den Hohen Fläming

Um Rita Neumanns Erzählungen richtig folgen zu können, muss man sie schon eine ganze Weile kennen. Oder man muss einfach den Mut aufbringen, dazwischen grätschen und sich trauen Fragen zu stellen. Bis wir so mutig waren, dauerte es eine ganze Weile. In der Zeit davor schwärmte Rita vom Gut Schmerwitz. Voller Leidenschaft und Liebe – wie von einem eigenen Kind. Und Gut Schmerwitz ist so etwas wie Ritas Kind. Die sympathische 66-jährige arbeitet schon seit 1970 auf dem Gutshof. Heute ist Gut Schmerwitz einer von Deutschlands größten Bio-Landwirtschaftsbetrieben.

Damals, zu DDR-Zeiten, „wurden die Arbeiter noch mit Bussen abgeholt, es gab hier Mittagsessen und abends wurden die Kinder von der Schule abgeholt und mit den Angestellten wieder nach Hause gefahren“, erzählt sie. Heute ist Gut Schmerwitz etwas kleiner, hat 15 Angestellte, ist ein Bioland-Betrieb und Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau.

1506 Hektar Anbaufläche und 105 Hektar Wald werden hier bewirtschaftet. Neben Winter-Getreide (Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Dinkel) und Sommer-Getreide (Erbsen, Lupinen, Sommer-Hafer, -Weizen, -Roggen) gibt es in dem Betrieb auch Sanddorn, Streuobstwiesen, Schweine, Schafe, Hühner, einen Hofladen, eine Nudelmanufaktur und Ferienwohnungen.

Die Ferienwohnungen sind der wahre Grund für meinen Aufenthalt auf Gut Schmerwitz. Und die ländliche Umgebung samt Biohof sind ein absoluter Pluspunkt für diese Unterkunft im Hohen Fläming. Hier kann man den Landwirten bei der Arbeit zuschauen, frische Landluft schnuppern oder mit Rita zusammen auf einen Traktor springen und den Hof entdecken. So machen wir das.

Es geht vorbei an Feldern und Wiesen. Schon in der Vergangenheit war Gut Schmerwitz sehr fortschrittlich. Zwischen 1989 und 1992 wurde ein erstes Heckenpflanzprogramm initiiert. Für die biologische Vielfalt, zum Schutz für diverse Lebewesen, aber auch um die Felder vor Erosion zu schützen. 50 Hektar Ackerland wurden in 36 Kilometer Hecken, Bäume, Streuobstwiesen und Feldholzinseln umgewandelt. Heute sind die Bäume dutzende Meter hoch, hier von einer Hecke zu sprechen ist schon fast untertrieben.

Zwischen zwei Feldern hält der Traktor im Schatten der Eichen. Rita hat Kaffee und Kuchen organisiert. Wir lassen es uns schmecken und plaudern weiter über den Hof. Eine Besonderheit von Gut Schmerwitz ist die enge Zusammenarbeit mit SCARABÄUS Hoher Fläming e.V.

Der Verein betreibt auf Gut Schmerwitz eine stationäre Einrichtung für drogen-, alkohol- und medikamenten-gefährdete Menschen, die bereit sind von den Suchtmitteln loszukommen. Auf Gut Schmerwitz hat der Verein zwei Einrichtungen:

Königsblau-Töpferei auf dem Gutshof Schmerwitz

In der Töpferei lernen wir Marcel Konitzki kennen. Er ist Geselle und zeigt uns so allerhand über das Töpfern. Auch er war noch vor Jahren abhängig, aber schaffte den Sprung in ein normales Leben. Heute hilft er anderen dabei das Töpfer-Handwerk zu erlernen und von der Sucht loszukommen.

Töpfer-Café auf dem Gutshof Schmerwitz

Eine andere von SCARABÄUS betriebene Einrichtung ist das Töpfer-Café. Hier erweckt das getöpferte Geschirr aus der Töpferei zum Leben und wird mit frischem Kaffee, Kuchen oder Torten bestückt. Der Meister an Herd und Backofen ist Peter Schlegel. Beim Abendessen erzählt er von seinem Leben und der Arbeit im Café. Er sagt, dass es wichtig ist den Menschen eine Beschäftigung zu geben und ihnen Perspektiven aufzuzeigen. Da ihm selbst mal von einem Suchtverein geholfen wurde, kennt er die Probleme seiner Angestellten und weiß mit ihnen umzugehen. Während sich bei unserem Besuch das Töpfer-Café noch provisorisch in der alten Gutskirche befand, ist es seit 7. Oktober in ein nahegelegenes Gebäude umgezogen. Hier haben Peter und seine Kollegen eine neue Küche und mehr Platz. Und den brauchen sie auch. Alle zwei Wochen bietet das Team einen sensationellen Brunch an. Wann genau dieser stattfindet, am besten hier telefonisch erfragen und reservieren: 033849-305 757.

Wer Lust hat gleich bei Rita Neumann auf dem Hof einzuziehen, der kann sich hier eine von sechs geräumigen Ferienwohnungen auf Gut Schmerwitz mieten. Wer sich besonders regional versorgen möchte, sollte die Verpflegung für die Ferienwohnung direkt im Hofladen einkaufen. Ich habe mir vom Gut Schmerwitz einige Nudeln mitgenommen und freue mich jetzt schon darauf nochmal geschmacklich aufs Gut zu reisen. Und wenn die mal aufgebraucht sind, dann ist der Fläming ja von Berlin nur einen Katzensprung entfernt.

Was du sonst noch so im Hohen Fläming erleben kannst, habe ich in meinem nächsten Text verraten. Wie es so auf der Flaeming-Skate ist, habe ich bereits hier aufgeschrieben.

Wer die wertvolle Arbeit von SCARABÄUS Hoher Fläming e.V. unterstützen möchte, kann hier spenden.

Offenlegung:
Der Tourismusverband Fläming hat eine bunte Gruppe Blogger zu einem Wochenende im Hohen Fläming eingeladen. Ich war einer der Glücklichen und konnte von Freitag bis Montag diesen Teil des Flämings entdecken. Meine Meinung wurde durch die Einladung nicht beeinflusst.

Autor

Ich bin Steven, 29 Jahre alt und der Autor dieses Blogs Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

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