Auf Einladung im Fläming.

Auf Reisen liebe ich es stets mich über unterschiedliche Facetten einem Ort zu nähern.

Wie ist die Geschichte einer Stadt? Wie haben Menschen hier früher gelebt, wie leben sie heute? Warum ist es hier lebenswert? Und was kann man im Umland entdecken?

Das sind typische Fragestellungen, denen ich unterwegs gerne nachgehe. Nicht mit vorgehaltenem Mikrofon durch die Straßen rennend, eher gedanklich. Doch am allerliebsten lasse ich die Küche sprechen. Denn sie sagt so unendlich viel über ihre Bewohner, die Geschwindigkeit des Alltags, Vorlieben und Naturschätze aus. Also, Bad Belzig: Was hat deine Küche zu bieten? Eine Genusstour beginnt.

Regionale Lebensmittel in Bad Belzigs Späti

Für Bad Belziger Verhältnisse ist 4.30 bis 18.30 Uhr schon fast „rund um die Uhr“. Richtig spät hat das Allround-Geschäft am Bahnhof tatsächlich nicht geöffnet, aber die morgendliche Öffnungszeit ist für Berliner Verhältnisse so früh, dass Hauptstädter wohl dennoch die Bezeichnung Späti für angebracht halten würden.

An dem Geschäft im Bahnhof kommt kaum ein Reisender vorbei, der hier aus dem RE 7 bzw. der RB 33 steigt. Und das ist auch gut so. Der Shop, der auch als Bistro bezeichnet wird, ist die Außenstelle der Touristeninformation. Hier finde ich allerlei Informationsmaterial über Wander- und Radwege der Umgebung und Veranstaltungen.

Außerdem verkauft das Geschäft allerlei Lebensmittel aus der Region. Kornblumen-Honig, Met, Raps- und Knoblauchöl, Sanddorn und Sole-Salz-Bonbons, die mir später am Tag nochmal begegnen werden, erspähe ich in den Regalen.

Burgbräuhaus und Whiskey Destille am Fuße der Burg Eisenhardt

Ein kurzer Spaziergang führt mich zum Fuße der Burg Eisenhardt. Auf der Rückseite eines alten Fachwerkhauses schaut Tim Eggenstein, kurz nachdem ich die Klingel betätigt habe, aus dem Fenster. Mit schnellen Schritten kommt er die Treppe hinunter, öffnet mir die Tür und schon bin ich mittendrin in seiner Brauerei- und Whiskey-Führung.

Seit 2007 hat Bad Belzig hier wieder ein regionales Bier, das im Burgbräuhaus Bad Belzig gebraut und überwiegend im eigenen Pub und der Umgebung getrunken wird. Die drei Biersorten hell, dunkel und spezial wird mir Tim Eggenstein später zeigen. Er ist verantwortlich für die 1000 Liter Whiskey, die hier seit 2012 jährlich gebrannt werden.

Dass Whiskey und Bier hier nebeneinander produziert werden, ist für Tim Eggenstein praktisch. „Brennen und Brauen haben ähnliche Arbeitsschritte“, beginnt er seine Erklärungen. Gerstenmalz ist bei beidem der hauptsächliche Geschmacksgeber.

Das Gerstenmalz bekommt das Burgbräuhaus Bad Belzig geliefert. Im ersten Produktionsschritt vor Ort wird Malzmehl mit heißem Wasser vermischt. Im sogenannten Maischebottich löst sich dabei der Zucker aus dem Getreide. Diese Zuckerlösung lässt Tim Eggenstein aus dem Tank und lässt mich probieren. Ich mag das warme Zuckerwasser auf Anhieb, das hier aus dem Gesternmalz gewonnen wird. Es ist extrem süß und süffig. Aus dieser Maische kann ab diesem Zeitpunkt Bier oder Whiskey entstehen.

Während ich noch den malzigen Geschmack auf meinen Lippen spüre, erklärt Tim Eggenstein mit viel Liebe zum Detail die weiteren Arbeitsschritte bis zum finalen Whiskey. Sein „Old Sandhill“ reift schließlich in handgefertigten Eichenfässern auf dem Dachboden. Auch einen Bio-Whiskey erkenne ich über die Aufschrift auf einem der 225-Liter-Fässer. Dafür hat Eggensteins Whiskey Destille Bio-Gerstenmalz eingekauft und verarbeitet.

Führungen bietet das Familienunternehmen nach Voranmeldung durch die Brauerei (8 Euro) und die Whiskey Destille (12 Euro) an.

Café und Chocolaterie Burg Eisenhardt

Tim Eggenstein empfiehlt mir zum Whiskey niemals zu rauchen. Das Klischee von Whiskey und Zigarre ist Unsinn und führt dazu, dass man den Whiskey nicht vollumfänglich schmeckt.

Besser wäre es Schokolade dazu zu essen. Und damit kenne ich mich aus. Also schlendere ich den kleinen Anstieg zur Burg Eisenhardt hinauf. Im Sommer hat hier der Betreiber der Chocolaterie gewechselt.

Seit Juli verzaubert Urs Kunz, der zuvor als Chefsteward bei einer Airline arbeitete, nun die Bad Belziger Gaumen. Er trifft gerade allerlei Vorbereitungen, als ich ihn im Café antreffe. Der Gästebereich seines Cafés hat die gleiche Größe wie seine Küche. Dort kocht und backt der sympathische Berliner. Von Mittwoch bis Sonntag im Sommer und von Donnerstag bis Sonntag im Winter, hat er geöffnet. Seine Kartoffelsuppe ist beliebt, aber eigentlich kommen seine Gäste zu ihm wegen seiner berühmten Torten, Trüffel und Schokolade. Manchmal dauert es nur 40 Minuten bis seine Schokotorte ausverkauft ist.

Chocolatier war Urs zu Airline-Zeiten nur hobbymäßig. Doch über die Zeit fanden sich immer mehr Abnehmer für seine Schokoladen. Als er mir davon erzählt, bricht er gerade weiße Schokolade mit Lavendel, wiegt und verpackt sie.

„Schokolade mit Lavendel?“, frage ich neugierig. Mein Plan geht auf, Urs lässt mich probieren. Ich bin verblüffet. Der Geschmack von Lavendel ist viel besser als sein seifiger Geruch. Ich nehme noch ein Stück, probiere seine Trüffel, mit Schokolade überzogenes Trockenobst, weiße Schokolade mit Mandeln, nochmal Nussschokolade, noch eine Trüffel und werde schlussendlich, ehe ich platze, abgeholt.

Kochen mit Sole in der SteinTherme Bad Belzig

Für den Weg packt mir Urs noch einige Schokoladen ein. Dann geht es weiter. Dieses Mal nicht zu Fuß. Julia Rosenthal nimmt mich mit zur SteinTherme. Dort war ich im Sommer schon einmal. Aber heute geht es nicht ins Wasser, sondern ins Restaurant.

Wegen der positiven Wirkung der Sole für den Körper, hat die SteinTherme ihr kulinarisches Angebot erweitert. Das salzhaltige Wasser wird hier nun auch in der Küche genutzt.

So bietet die SteinTherme in Kooperation mit der Bad Belziger Bäckerei Gericke ein Solebrot an. Das kann als Bruschetta in den drei Restaurants der Therme bestellt werden. Außerdem hat der Chefkoch einen Bad Belziger Solebraten unter Hinzugabe der Sole kreiert.

Neben diversen Kosmetikprodukten finden sich auch die Sole-Bonbons im Shop des Thermalbades, die ich heute früh schon am Bahnhof gefunden habe.

Die Sole im Essen gleicht den Nährstoffhaushalt aus und hat eine positive Wirkung auf Blutgefäße, Korpel und die Augen. Na dann, guten Appetit!

Hinweis: Mein Tagesausflug nach Bad Belzig wurde vom Tourismusverband Fläming organisiert. Das eigentliche Ziel meines Ausflugs war es ein Portrait von Bad Belzig für den neuen Fläming Reiseplaner zu schreiben. Aber natürlich entsteht so manchmal auch eine Geschichte für den Blog. Ich danke für die Möglichkeit und garantiere, dass meine Meinung von der Einladung nicht beeinflusst wurde.

Einige Ausflugstipps für den Hohen Fläming habe ich bereits auf dieser Seite gesammelt.

Autor

Ich bin Steven, 29 Jahre alt und der Autor dieses Blogs Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

Hinterlasse ein Kommentar

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu