Berlin, 24.05.2019: Ein sichtlich begeisterter Nico Rosberg hüpft beim GREENTECH FESTIVAL durch die Hallen des ehemaligen Flughafen Tempelhofs und gibt fleißig Interviews. Der ehemalige Formel 1-Star ist an der Formel E beteiligt und erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Rosberg auch in das E-Scooter-Unternehmen Tier Mobility investierte.

Das Berliner Scooter-Start-up betreibt in 20 Städten ein Verleihgeschäft mit E-Scootern und wird nach der aktuellen deutschen Rechtsprechung auch bald auf unseren Straßen zu finden sein.

Ich treffe Nico Rosberg, als er gerade vor dem neuen Luxus-Elektroauto Pininfarina Battista steht und ein Interview gibt. Naja, eigentlich treffe ich ihn nicht wirklich, sondern beobachte ihn nur bei einem Interview aus der zweiten Reihe. Gerade schwärmt der Rennfahrer, der jahrelang in dem Sport mit den meisten CO2-Emissionen aktiv war, vom starken Anzug des Elektroautos.

„Der Battista beschleunigt von null auf 100 in 1,9 Sekunden. Mein Formel-1-Auto hat dafür 2,6 Sekunden gebraucht“, sagt er.

Dann drehen sich Rosberg und der Moderator um und gehen einen Stand weiter. Der Ex-Formel-1-Star nimmt auf der ersten elektrischen Harley-Davidson Platz und posiert für Fotos. Ich nehme ihm seine Begeisterung ab, denn mir geht es nicht anders.

Nico Rosberg auf Greentech FestivalNew Mobility Tour von electrive.net

Die vielen technischen Entwicklungen auf dem GREENTECH FESTIVAL zu sehen, macht mich sprachlos. In den letzten Jahren ist unheimlich viel passiert. Und genau aus diesem Grund habe ich mich auch entschieden an der New Mobility Tour von electrive.net teilzunehmen.

Seit dem Elektroauto-Trip nach Norwegen landet der Newsletter von electrive.net jeden Morgen in meinem Postfach und gibt einen Überblick über die Branche. Heute möchte ich mich mal live in den Gesprächen mit den Experten informieren. electrive.net hat daher einen elektrischen Sightseeing-Bus gemietet und fährt Interessierte in mehrere Stationen durch die Stadt.

Den ersten Teil der Tour verpasse ich leider wegen eines anderen Termins. Denn die New Mobility Tour begann schon am Morgen im Mobilitäts-Hub jelbi der BVG. Danach ging es weiter zum Startup High Mobility und im Anschluss in den Coworking- und Makersplace MotionLab, in dem das revolutionäre eCargobike ONO präsentiert wurde. Ich treffe die anderen Teilnehmer der New Mobility Tour kurz danach am ehemaligen Flughafen Tempelhof.

 

Meine 3 Highlights der New Mobility Tour

1. BYTON – “Es geht um den iPhone-Moment in der Automobilindustrie”

Zunächst treffen wir den CEO von BYTON, Dr. Daniel Kirchert. Er steht vor seinem elektrischen SUV M-Byte und erzählt von den ambitionierten Plänen des chinesischen Elektroautoherstellers. Ende 2019 soll der M-Byte in China zu kaufen sein. Kirchert sieht China als großen Wachstumsmarkt und will daher erst im Anschluss, vermutlich 2020, in Europa starten. Er lobt das hochwertige Innenerlebnis seines Elektroautos. Beeindruckend finde ich das gigantische Display, das sich quer über das Armaturenbrett zieht.

Ich frage warum so viele Start-ups mit neuen Lösungen für Elektromobilität auf den Markt drängen. Oliver Strohbach, Director Public Relations Europe BYTON, antwortet nachdem Kirchert schon zum nächsten Termin ist.

„Die gute Situation ist, dass viele Trends gerade passieren. Es gibt Trends zur Elektromobilität, es gibt den Digitalisierungstrend, es gibt den Trend zum autonomen Fahren, das Thema Nachhaltigkeit und das Thema Shared Mobility. Und schon hat man (aus diesen Trends, Anm. d. Red.) ein Produkt kreiert, das sich ganz anders anfühlt. Es ist immer noch ein Auto, aber das Erlebnis in dem Auto ist ganz anders und das ist nur möglich, weil die Trends nun zusammenkommen. In den letzten 20 bis 30 Jahren hat sich in der Automobilindustrie nichts geändert. Wir sehen gar nicht nur Elektro, das ist für uns Standard. Es geht um den iPhone-Moment in der Automobilindustrie.“

M-Byte Amaturenbrett

BYTON M-Byte auf Greentech Festival
2. Volocopter – Den Straßenverkehr entlasten

Um den Verkehr der Zukunft zu entlasten, forscht Volocopter an bemannten autonomen Fluggeräten. Dabei will das Start-up nicht den Verkehr eins zu eins von der Straße in die Luft bringen, sondern den Verkehr auf der Straße entlasten.

Der „erste bemannte voll-elektrische Senkrechtstarter der Welt“ soll autonom fliegen und zwei Passagiere transportieren können. Mit einer Akkuladung können 27 Kilometer zurückgelegt werden. Bis zu 30 Minuten kann der Volocopter in der Luft bleiben und soll vor allem dann zum Einsatz kommen, wenn Passagiere einen See, ein Ballungszentrum oder andere geographische Hindernisse zu überbrücken haben.

Um permanent fliegen zu können, werden nach jedem Flug die Akkus getauscht, die dann innerhalb von zwei Stunden aufgeladen werden. So will Volocopter einen permanenten Einsatz unabhängig von Ladezeiten ermöglichen.

Ich setze mich in den Volocopter und stelle mir vor, wie dieser neuartige elektrische Hubschrauber ohne einen Piloten abhebt und mich an mein Ziel fliegt. Irgendwie merkwürdig.

Volocopter Greentech Festival

Volocopter Taxi mit Passagier3. Second Life: Energiespeicher aus gebrauchten e-tron-Batterien von Audi

Dann geht es weiter zum EUREF-Campus. Auf dem Gelände arbeiten 3.500 Menschen aus 150 Unternehmen in den Themenfeldern Energie, Mobilität und Nachhaltigkeit. Bereits seit 2014 erfüllt der Standort die Klimaziele für das Jahr 2050 und ist damit nicht nur der Mittelpunkt von Forschung und Innovation, sondern auch ein positives Beispiel für Energiewende und Klimaschutz. Und heute findet hier die Eröffnung eines weiteren Meilensteins statt. Denn Audi hat zusammen mit The Mobility House einen Energiespeicher aus Batterien des Audi e-tron gebaut.

Die 20 gebrauchte Lithium-Ionen-Batterien stammen aus Entwicklungsfahrzeugen und dienen nun als Zwischenspeicher im Stromnetz. Der Energiespeicher ist „mit einem Megawatt Leistung an das Berliner Mittelspannungsnetz angeschlossen, was dem mittleren Ladebedarf von rund 200 E-Autos entspricht. Mit seiner Kapazität von 1,9 MWh könnte der Speicher den gesamten 5,5 Hektar großen Büro- und Wissenschaftscampus knapp zwei Stunden autark mit Strom versorgen“, heißt es in der Pressemitteilung von Audi.

Das Projekt zeigt, dass Elektromobilität viel weiter als eine reine Mobilitätslösung gedacht wird. Die Elektroautos der nächsten Jahre sollen im Stromnetz eingebunden werden. Bei Frühjahrs- und Herbststürmen, wenn ein Überangebot an elektrischer Energie durch Windkraftanlagen produziert wird, sollen Fahrzeugakkus Energie aufnehmen und bei Bedarf abgeben. Außerdem zeigt der Megaspeicher welche Verwertungsmöglichkeiten es für die alten Lithium-Ionen-Batterien gibt. Denn ein großer Nachteil der Elektromobilität ist nach wie vor der große Ressourcenverbrauch.

Daran wird sich in den nächsten Jahren auch nicht viel ändern. Doch die Hersteller sehen Elektromobilität immer mehr als Brückentechnologie auf dem Weg zu CO2- und ressourcenschonenderen Lösungen.

Megabatterie aus e-tron Akkus

e-tron Speicher AudiOffenlegung: Ich wurde über den Newsletter von electrive.net auf die New Mobility Tour aufmerksam. Auf meine Anfrage durfte ich kostenlos an der Tour teilnehmen. Ich danke für die Möglichkeit, die vielen Gespräche und spannenden Erfahrungen.

Autor

Ich bin Steven, 30 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Im März 2019 habe ich die NGO WeWater mit Freunden gegründet. Hast du ein paar Euro übrig, freue ich mich für meine gemeinnützige Organisation über eine Spende. Vielen Dank. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

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