Wenn ich eine Idee habe oder komplett hinter einer Sache stehe, dann kann mich nichts mehr bremsen. So kommt es dazu, dass ich Hals über Kopf versuche über 80 Kilometer am Stück zu laufen oder ich spontan an einem verkaterten Neujahrstag einen Flug nach Uganda buche.

 

Fußball verbindet, auch in Uganda.

Als ich eine Volunteeringorganisation gefunden hatte und schließlich auch in Uganda war, hatte ich eine weitere Idee. Die Jungen spielen überall in Uganda mit Leib und Seele Fußball. Sie spielen mit Fußbällen, die bald zerfleddern oder formen Schnüre zu einem Ball. Jede freie Sekunde wird genutzt um mit dem Ball zu kicken, neue Tricks zu üben oder bei über 30° C über den Fußballplatz zu jagen. Ich selbst habe in meiner Vergangenheit nur selten Fußball gespielt: Ich war einfach zu schlecht und entschied irgendwann als Schiedsrichter im Berliner Fußballverband zu arbeiten.

Um einen Draht zu den Jungs im Dorf aufzubauen und meine nie vorhanden gewesenen Fußballkünste aufzufrischen, nahm ich einige Male am Fußballtraining im Dorf Nandere teil. Nach nur wenigen Minuten merkte ich wie sehr ich mich in den letzten Jahren auf Ausdauersport konzentriert hatte, ich aber kaum in der Lage war ordentlich zu sprinten. Die dreizehn bis sechzehn jährigen Jungs haben mich ordentlich abgezogen, sag ich Dir. Sie waren wesentlich geschickter im Umgang mit dem Ball und wie gnadenlos schnell.

Auch Father Joseph begleitete mich beim ersten Mal zum Fußballtraining. Da wir in verschiedenen Teams spielen, bauten sich ein arger Konkurrenzkampf zwischen Team Parish Priest und Team Muzungu auf. Father Joseph scherzte und sagte Entweder ich gewinne oder du verlierst.

Die meisten unserer Mitspieler spielten barfuß und mit sehr alten Klamotten, was mich dazu veranlasste auch meine Schuhe auszuziehen. Das sorgte für Verwunderung. Mein Team verlor unser Spiel leider. Doch ich forderte Revanche und sagte Father Joseph, dass wir zu Ostern ein weiteres Fußballspiel organisieren. Dann aber mit Trophäe, Gewinnen und einem abschließenden Abendessen. Er fand die Idee gut und wir machten uns an die Organisation.

 

 

Erst das Spiel und dann die Belohnung.

Da die jungen Fußballer im Dorf Nandere fast ausschließlich in der Schule leben und dort auch Essen und Wasser bekommen, planten wir das Spiel im Dorf Kasaala. In Kasaala betreut Godfrey, ein Mitarbeiter von Karmalaya, dutzende Kinder im Projekt Hope und spielt fast täglich mit ihnen Fußball. Alle von ihnen wohnen noch zu Hause und wissen wie es ist mal nicht genug zum Essen zu haben. Ein Fußballspiel mit kleinen Preisen und einem anschließenden Abendessen würden ihnen nicht nur Freude bereiten, sondern auch die richtige Message senden, dass man nur etwas bekommt, wenn man auch etwas dafür tut.

In Kampala besorgten wir eine Trophäe und ließen sie mit Muzungu Steven Easter Cup gravieren. Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätten wir meinen Namen auf jeden Fall weg gelassen, doch Father Joseph bestand darauf. Das schafft Erinnerung und positive Assoziationen, meinte er. Außerdem kauften wir zwei richtig gute Fußbälle und Kapitänsbinden. Das restliche Geld gab ich für zwei Kisten Wasser, ein paar Ananas und das Abendessen aus, welches Rita in Kasaala für uns vorbereitete.

Zuvor hatte ich über Facebook nach Kontakten von Unternehmen oder Spenden gefragt. Die Resonanz war so groß, dass ich nach drei Tagen über 300 Euro zusammen hatte. Von den angeschriebenen Unternehmen meldete sich nur eines positiv zurück. Doch 300 Euro wollte ich “nur” für ein Fußballspiel nicht ausgeben. Also ließ ich mir nur von wenigen Freunden und meiner Familie etwas Geld überweisen und gab für das Fußballspiel 114 Euro aus. Das sollte reichen. Alle restlichen Spender informierte ich, dass sie das Geld erstmal für sich behalten sollen, da ich mich gerade um eine Brunnenprojekt kümmerte und das Geld dort besser gebrauchen konnte.

Aufruf für Spenden für ein Fußballspiel in Uganda

 

 

 

Mit Verspätung ins Fußballspiel.

Mit kleinen Läufen und Sprinttrainings habe ich mich auf das Spiel vorbereitet und verzichtete im Gegensatz zu Father Joseph einige Abende auf ein Bier.

Am Tag selbst erreichten wir das Spielfeld in Kasaala, wie es für Uganda üblich ist, mit einer halben Stunde Verspätung. Nach kurzem Aufwärmen und der Begrüßung aller Spieler waren wir bereit für das Spiel.

Fußballspiel in Uganda

 

Fußballspiel in Uganda

Ich schwor meine Mannschaft mit motivierenden Sprüchen ein und war der Meinung, dass wir das humorvollere, aber unterlegene Team bildeten.

Team Muzungu beim Fußballspiel in Uganda

 

Team Parish Priest Fußballspiel in Uganda

Ein Angriff unserer Gegner jagte den nächsten. Gefühlt waren wir über weite Strecken des Spiels nur am Verteidigen und ich hetzte hoch und runter, um nicht den entscheidenden Fehler zu machen. In der zweiten Halbzeit passierte es dann, Father Joseph zog ohne Rücksicht ab und schmetterte den Ball mit Lichtgeschwindigkeit in Richtung Tor. Das war ein echter Hammer. Alle jubelten. Tor? Tor? Ich hatte keine Ahnung.

Da die Tore hier keine Netze haben, war das aus meiner Position nicht ersichtlich. Doch es war kein Tor. Wir schafften es über die kompletten 90 Minuten und weiteren fünf Minuten Nachspielzeit die Null hinten stehen zu lassen. Schließlich kam es zum Elfmeterschießen, das wir mit dem letzten Schuss nach dem Stand von 4:3 verloren.

Elfmeter beim Fußballspiel in Uganda

 

Ein Team beim Fußballspiel in Uganda

 

Die Enttäuschung war zwar anfangs bei unserem Team vorhanden, aber sie legte sich ganz schnell, als wir zu Abend aßen und es zur Siegerehrung kam. Um keinen traurig zu machen und da wir ja eh alle Gewinner waren, verkündete ich, dass es heute zwei Sieger gab. Im nächsten Jahr haben beide Teams wieder die Chance den Muzungu Easter Cup zu gewinnen. Kommst Du dann mit mir nach Uganda?

Siegerehrung beim Fußballspiel in Uganda

 

Anmerkung: Das Fußballspiel fand nicht im offiziellen Rahmen meines Volunteerings statt. Ich hatte einfach Lust darauf und habe das selbst organisiert.

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Mit dem Hashtag #VolunteerUganda kannst Du meine anderen Erlebnisse während meiner Reise durch Uganda und das Volunteering erkunden. Suche nach dem Hashtag einfach auf FacebookTwitter oder Instagram.

Inzwischen bin ich am Bamburi Beach, nördlich von Mombasa in Kenia. Ich genieße hier heute meinen letzten Tag in Afrika und fliege in der Nacht in Richtung Heimat. Noch immer suche ich Unterstützer für das Brunnenprojekt. Melde dich doch einfach per Kommentar oder Mail, wenn du Interesse hast in irgendeiner Art und Form zu helfen.

Autor

Ich bin Steven, 29 Jahre alt und der Autor dieses Blogs Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

7 Comments

  1. bin begeistert ….vielleicht solltest du die Möglichkeit Projektgebundene Spenden auf deiner Seite einbinden ….

    • Hi Opiyo,
      ja das werde ich mal einplanen. Als nächstes startet das Brunnenprojekt und dann werde ich mich mal vertrauensvoll umhören was wir noch so machen können.
      Viele Grüße aus der Sonne Berlins, Steven

  2. Habe Deine Reise mitverfolgt – tolle Aktionen. Würde Dich gerne bei dem Brunnenprojekt unterstützen; habe hier einfach das Gefühl, dass die Hilfe auch direkt ankommt.

    • Hi Jansen, danke für deine liebe Nachricht. Das freut mich sehr und höre ich gerne. Ich habe gestern eine Mail nach Uganda gesendet. Ich brauche noch ein paar Informationen über das Dorf, die exakte Anzahl der Menschen vor Ort und die finale Entscheidung von den Wasseringenieuren aus Kampala. Danach werde ich eine Spendenkampagne ins Leben rufen und sie auch hier bewerben. Deinem Einverständnis voraus gesetzt schreibe ich dir eine E-Mail, wenn alles live ist. Dauert aber noch ein paar Wochen. Besten Dank schon mal und bis bald, Steven

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