vom 4. bis 7. März

Gegen 4 Uhr am Morgen des 4. März landeten Hannes und Steffen in Entebbe. Father Joseph, Emma, Sissy und ich waren schon gegen Mittag des Vortages losgefahren, um sie abzuholen. Erst kurz vor dem Flughafen zählte ich durch. Wir saßen zu viert im Auto, zwei weitere Passagiere landeten gerade. Na, das würde auf der Rückfahrt kuschelig im 5-Sitzer werden. Wurde es auch.

 

Rundgang im Dorf

Am Freitagmorgen führte ich Hannes und Steffen durch das Dorf. Ich zeigte ihnen die Eukalypthuswälder, die vielen Plantagen, Avocado-, Papaya-, Mango- und Jackfruitbäume und begeisterte sie für das Leben auf dem Land. Ich konnte den fast zweistündigen Rundgang ebenfalls genießen, da ich etwas ausgeschlafener war, als nach meiner Ankunft vor zwei Wochen.

Wenn man in Entebbe landet und im Anschluss durch Kampala fährt, sieht man ziemlich viel Müll, verstaubte Straßen, jede Menge Menschen, Abgase und laute Musik. Das Bild das dabei von Uganda entsteht, ist nicht gerade das Beste. Doch sobald man in den ländlicheren Regionen ankommt, Dörfer wie Nandere sieht oder noch weiter in Richtung der Nationalparks rausfährt, ist Uganda einfach atemberaubend schön. Selbst zum Ende der Trockzeit hin ist das Land supergrün und bietet mit seinen Millionen Hügeln wunderbare Fotomotive.

Es hat mir richtig Spaß gemacht mit den beiden durch das Dorf zu laufen, die Menschen zu grüßen und sie für das Land zu begeistern. Besonders bei Steffen hatte ich den Eindruck, dass er sich sofort Hals über Kopf in Uganda verliebt hat.

 

© Hannes Schwessinger
© Hannes Schwessinger

Schweinebabys

 

Status Quo Brunnenbau

Irene, die Köchin der Pfarrerei, hatte gerade das Mittagessen fertig, als wir runter zum Brunnen gehen wollten. Also nahmen wir das Essen für die Arbeiter gleich mit. Wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt nämlich immernoch nicht die erste Rate an Busoga Trust gezahlt und hatten uns daher bereit erklärt die Arbeiter mit drei Mahlzeiten am Tag und einer Unterkunft zu versorgen.

Bis zum Sonntag erreichten wir eine Tiefe von etwa 6 Metern. Planmäßig sollen noch weitere 14 Meter gegraben werden. Erst jetzt realisierte ich, wie tief eigentlich 20 Meter sind. Schon bei der aktuellen Tiefe hätte ich keine Lust dort runterzufallen oder dort unten zu graben. Über ein aus Baumstämmen gebautes Gestell verhindern die Arbeiter, dass jemand hinunterfällt. Um hinuter zu kommen, stellt sich einer der Arbeiter in einen großen Metalleimer und wird langsam von seinen Kollegen hinunter gelassen. Das sieht ziemlich abenteuerlich aus. Und auch sonst ist das Graben des Brunnens ein Knochenjob. Die Erde ist hier so fest, dass auch ohne Steinumrandung der Schacht sehr stabil ist. Lange kann es bestimmt nicht mehr dauern, bis wir Grundwasser erreichen.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Hannes und Steffen werden sich um die weitere Berichterstattung bemühen und alle drei bis vier Tage hier ein Update veröffentlichen, da ich am Montagmorgen die geplante Rückreise nach Berlin antreten musste.

Das erste gemeinsame Schaufeln des Grabens am Samstag mit Hannes und Steffen hat mir richtig Spaß gemacht. Es war das letzte Mal, dass ich Spitzhacke und Schaufel vor meiner Abreise schwingen sollte. Im Schatten der Bananenbäume, mit leichtem Rückenwind und der Hilfe von über zehn Dorfbewohnern kamen wir gut voran. Der Boden war im Vergleich zu den Erfahrungen der letzten Tage recht weich und wir konnten innerhalb des Vormittags locker dreißig weitere Meter gut machen. Wir scherzten, motivierten uns gegenseitig und ab und an sang ich die Fußballhymne der Uganda Crans „We go, we go, Uganda Crans, we go“. Die Stimmung war genial. So muss Arbeit sein, dachte ich und war nicht mehr über die fehlende Hilfe der Anfangstage enttäuscht.

Hannes-schaufeln

 

Hannes_Steffen_arbeiten© Hannes Schwessinger
Vincent-Steffen-FtJoseph-SteffenVincent, Hannes, Father Joseph und Steffen (v.l.n.r.)
Steven-Hannes-Steffen-EmmaErster Besuch am Brunnen: Steven, Hannes, Steffen, Emma (v.l.n.r.)
© Hannes Schwessinger
Brunnenloch
Hannes-Brunnenloch© Hannes Schwessinger

 

Währungsschwankungen und neue Pläne

Hannes und Steffen waren mit 2.600 Euro aus Deutschland angereist. Da die Bank von Busoga Trust kein internationales Bankkonto besitzt, hätte eine Überweisung zu viel Zeit in Anspruch genommen. Daher hatten wir uns dazu entschlossen Bargeld mitzunehmen und es vor Ort zu wechseln.

Von Mittwoch auf Freitag fiel der Wechselkurs von Euro auf Uganda Schilling allerdings um knapp 4% um 140 UGX pro Euro. Hätten wir Freitag das Geld gewechselt, um es auf das Bankkonto von Busoga Trust einzuzahlen, hätten wir über 100 € Verlust gemacht. Daher haben wir uns dafür entschieden zu warten. Moses war am Wochenende eh nicht im Büro und würde den Kontostand nicht prüfen.

Gestern, nachdem mich alle zum Flughafen gebracht hatten, fuhren Steffen und Hannes nach Kampala. In der Hauptstadt war es Ihnen möglich das Geld zu einem besseren Kurs von 1€ zu 3650 UGX zu wechseln. Somit steht der Zahlung der ersten Rate nun nichts mehr im Wege.

 

 

Hinspiel des Muzungu Easter Cups

Bereits im letzten Jahr hatten wir beschlossen, dass wir den Muzungu Easter Cup nun jährlich zu Ostern veranstalten wollten. Also kaufte ich mit der finanziellen Unterstützung von Freunden (nicht aus Brunnenbudget) zwei Fußbälle. Die Trophäe aus dem letzten Jahr, hatten wir als Wanderpokal gedacht. Außerdem organisierte ich über das Volunteerhouse in Kasaala ein reichhaltiges Abendessen. Wycliff war so lieb und ging alles einkaufen, Mama Melissa kochte und Mareike und Linn halfen bei der Essensausgabe nach dem Fußballspiel.

Das Spiel selbst, war erwartungsgemäß sehr anstregend. Da um 15 und um 17 Uhr schon zwei Fußballspiele angesetzt waren, blieb uns nichts weiter übrig, als um 14 Uhr in der prallen Mittagssonne über den staubigen Platz zu traben. Es war für mich sehr beeindruckend zu sehen, wie sehr sich die Spieler in dem letzten Jahr verbessert hatten. Während ich im letzten Jahr noch das Gefühl hatte zur Hälfte mithalten zu können, sanken meine Erfolgschancen jetzt auf einen einstelligen Prozentbereich und ich erinnerte mich wieder daran, warum ich wohl damals Schiedsrichter, jedoch kein Fußballspieler geworden war. Doch auch das Schiedsrichterdasein gab ich nach über einem Jahr auf. Ich war nicht der richtige für diesen Job. Ich wollte es immer allen recht machen. Als Schiedsrichter geht das natürlich nicht.

Und so joggte ich über den Platz, blockte im ganzen Spiel zwei bis drei Bälle vor dem Strafraum und war sonst ein erstklassiger Mitläufer. Während ich anfangs noch einige Male den Ball meiner Mitspieler erhielt, erkannte die U15 Kasaalas nach und nach mein Nichtkönnen und spielten folglich nicht mehr ab. Da nützte es auch nichts, dass ich mir die Wörter für Ball (=Mpa) und andere Seite (=Shuza) auf Luganda übersetzen ließ. Ich nahm es mit Humor und konnte es den ehrgeizigen Spielern nicht übel nehmen. Das Spiel endete mit einem 2:2. Somit bleibt die Hoffnung, dass meine Mannschaft zu Ostern das Rückrundenspiel gewinnen wird. Gerade, oder viel mehr weil, ich dann nicht dabei sein werde.

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Mama-Melissa_und-Kids

“Mama Melissa” und ihre beiden Töchter

 

Godfreys Vermächtnis

Über Godfreys plötzlichen Tod hatte ich auf einem Facebook-Posting bereits berichtet. Besonders nach unserer Zeit im Dorf Kasaala bemerkte ich die Lücke, die er hinterlässt. Er führte die Volunteeringorganisation Karmalaya in Uganda, hatte ein Volunteershouse in Kampala und führte die Volontäre ins Land ein. In Kasaala verbrachte er die meiste Zeit. Er war ein Vorbild für die Menschen hier. Er war jemand, der sein eigenes Wohl dem Wohl der anderen unterordnete. Mehrere Tage in der Woche trainierte er die Fußballkinder in Kasaala und bezahlte für sechs von Ihnen das Schulgeld. Dank der schnellen Hilfe von Karamalya und Mareikes Eltern und Freunden, können diese sechs Kinder auch nach Godfreys Tod weiterhin zu Schule gehen. Doch neben dem Geld fehlt auch ein Ansprechpartner, eine Person, mit der man reden konnte und die immer optimistisch war und für alles eine Lösung parat hatte und neue Projekte voran trieb. Matthias beendete seine Rede auf Godfreys Beerdigung mit den Worten:

 

„… Instead: let’s keep Godfrey in our hearts. In our minds.
Let’s be a little bit more like him.
Let’s be a little bit more humble, less selfish, more caring.

Let’s be a little bit more “Godfrey”. …“

 

Godfrey war ein Vorbild. Für die Menschen in Uganda, in Deutschland und Österreich. Aus diesem Grund haben wir beschlossen ihm den Brunnen in Nandere, in dem sein langjähriger Freund Father Joseph lebt, zu widmen. Sein Engagement und sein Leben soll für alle Zeiten in Erinnerung bleiben.

 

Nach der Fertigstellung des Brunnens wird es eine Eröffnungsfeier mit dem Bischof geben. Die Details dafür werden wir in den nächsten Tagen planen. Und natürlich wird bis dahin der Brunnen noch einige Zeit und Arbeit in Anspruch nehmen. Hier noch ein Bild unserers letzten Treffens mit dem Bischof.

Bischof-Kassana-Luwero-Uganda
Viel Erfolg euch Hannes und Steffen! Ich drücke aus Berlin die Daumen.

 

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Autor

Ich bin Steven, 28 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Natur und Nachhaltigkeit. Schön, dass du hier bist. Projektvorschläge, interessante Themen oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

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