Keine Angst: der Bereich „Abschalten“ des Blogs ist langfristig nicht als Tagebuch von Sportevents geplant! Jedoch erreichten mich in den letzten Tagen so viele Nachrichten, Fragen und Glückwünsche, die mich kurzfristig dazu bewegten diesen Blogpost zu verfassen. Ich beginne am besten chronologisch.

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Wie habe ich mich auf den Berlin Triathlon vorbereitet?

Die olympische Distanz im Triathlon gliedert sich in 1,5 km Schwimmen, 40 km Rad fahren und 10 km Laufen auf. Glücklicherweise sind das alles Disziplinen, die mir liegen und die mir Spaß bereiten. Ich fahre täglich mit dem Rad zur Arbeit und gehe abends oder am Wochenende laufen. So addierten sich die Kilometer ziemlich rasch, sodass ich im letzten Jahr rund 2200 km mit dem Rad zurücklegte und in diesem Jahr alleine schon 573 km joggte.

Meine konkrete Vorbereitung bestand in den letzten Wochen also darin, die Intensität meiner sportlichen Aktivitäten zu erhöhen. Entweder erhöhte ich die Streckenlänge oder versuchte neue Bestzeiten aufzustellen. Über die App Runtastic lässt sich das alles wunderbar tracken.

Nur meine Schwimmvorbereitungen haben etwas gelitten, denn die fanden lediglich am Montag vor dem Wettkampf statt, als ich zum ersten Mal die Distanz von 1,5 km auf Zeit schwamm. Im 26 °C warmen Schwimmbecken war das kein Problem.

 

Wie sah das Training kurz vor dem Wettkampf aus?

 

Wie waren die Erfahrungen beim Triathlon selbst?

Es war nass und verflixt kalt. Als ich am Sonntag gegen 11 Uhr ankam, traute ich meinen Augen nicht, denn ALLE Sportler schwammen in Neoprenanzügen. Würde das auch in meiner Startgruppe so sein? Schließlich war die Wassertemperatur höher als die Lufttemperatur.
Im Austausch mit einigen Sportlern und Organisatoren wurde ich schnell für verrückt erklärt. „Ohne Neopren kannst du nach dem Schwimmen aufhören!“, versicherte man mir. Als ich erfuhr, dass es keine Neo´s mehr zum Ausleihen in meiner Größe gab, war mir klar, dass ich es langsam angehen musste. Die Gefahr des Scheiterns potenzierte sich im 14 °C kalten Wasser! Diese schmerzliche Erfahrung musste leider auch mein Sportsfreund David machen.

Folglich ließ ich aus Gründen des Wärmeerhalts bis kurz vor dem Start meine Kleidung an, verpasste absichtlich die Einweisung, um dann im sexy Triathlon-Einteiler zum Start zu sprinten und von dort aus gleich loszuschwimmen. Um den letzten Funken Wärme im Körper zu speichern, ließ ich meinen Pullover bis zur Wassertreppe an und pfefferte ihn von dort ins nasse Gras.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

www.triathlonfoto.de  ©Lothar Schulz

 

Das Schwimmen!

Die ersten 5 Minuten im Wasser waren die schlimmsten. Ein enger Gürtel der Kälte schnallte sich um meine Brust, mein Herz begann zu rasen und mein Atem vertausendfachte sich. Jetzt nur langsam machen und gut einschwimmen, dachte ich. Zu diesem Zeitpunkt ertönte auch schon der Startschuss und die knapp 200 Sportler meiner Staffel kraulten wie die Besessenen los. Nun machte sich mein fehlendes Schwimmtraining sowie der nicht vorhandene Neoprenanzug bemerkbar.
Nach weiteren 10 Minuten hatte sich jedoch mein Körper an die Kälte gewöhnt und ich konnte die erste Challenge angehen.

Kurz vor dem Finish begann ich zu kraulen, um auch die letzten Muskeln wieder zu beleben. Den Rest der Strecke hatte ich mit zügigem Brustschwimmen gemeistert.
Geschafft, dachte ich, als ich die Treppe erreichte. Ein tapferer Helfer zog mich aus dem kalten Wasser die Leiter hinauf. Oben angekommen verlor ich das Gleichgewicht und taumelte leicht nach rechts. Alles drehte sich und meine Muskeln zitterten. Uiii, das war kein schönes Gefühl. Ich schnappte meinen Pullover und taumelte zur Wechselstation.

Die jubelnden Menschen um mich herum nahm ich nur in Silhouetten war. Ich hatte nur ein Ziel, ab aufs Fahrrad und Kräfte tanken. In der Wechselstation angekommen, brachte ich es kaum fertig meine Radschuhe anzuziehen. Ich setzte mich auf den Fußboden und probierte es langsam. Geschafft. Jetzt schnell auf die Rennstrecke und nur nicht auf die Fresse fallen.

Zeit: 00:37:52

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Das Fahrrad fahren!

Glücklicherweise hatte ich mir schon vor dem Start meine üppige Verpflegung ins Fahrradtrikot gesteckt. Außerdem beherbergte mein Trinkflaschenhalter einen Liter Apfelsaft sowie einen Liter Wasser. Das Picknick konnte beginnen!

Die ersten Kilometer fuhr ich komplett freihändig und stopfte mir zwei Bananen, einen Müsliriegel sowie etwas Dextro Energy in die Backen. Alles wurde schön zuckerhaltig mit Apfelsaft runter gespült und siehe da: nach fünf bis zehn Minuten war ich wieder komplett da. Ich hing mich zur weiteren Regeneration an „Peter“ ran, denn Windschattenfahren war erlaubt! Peter fuhr ein super Tempo, sodass wir immer mit 33-35 km/h unterwegs waren und ich genau 50 Plätze gutmachen konnte.

Mit jeder Menge Matsch vom Hinterrad des Vorausfahrenden beendete ich nach 9 Runden die Challenge auf dem Rad. Meine Schuhe zog ich schon auf dem Rennrad aus, sodass ich an der Begrenzungslinie der Wechselzone in Socken weiter rennen konnte. Was jetzt folgte war der vermutlich schnellste Wechsel des Tages: Ich stellte mein Fahrrad ab, warf meinen Helm auf den Boden, schlüpfte in meine Laufschuhe und entleerte mein Fahrradtrikot von den restlichen Speisen. Und zack ging es weiter.

Zeit: 01:18:24
Zeit gesamt: 01:56:16

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Das Laufen!

Noch nie habe ich schon so kurz nach dem Laufstart so sehr gekeucht, nach Luft gerungen und keine Lust mehr gehabt. Es war furchtbar. Meine Beine fühlten sich so unglaublich schwer an. Jeder Schritt wurde zur Überwindung, aber ich war ja auch schon fast zwei Stunden auf Höchsttouren unterwegs. Das ermutigte mich. Also versuchte ich irgendwie im Laufen die letzte Banane zu essen und auf den erhofften Energiepush zu warten. Und der kam!

Nach etwa drei Kilometern war ich wieder bei Kräften und stampfte nicht mehr, sondern joggte! Das fiese bei einem Triathlon sind wirklich die Wechsel! Du kommst mit 180 an deinen Wechselplatz, pausierst, ziehst dich um, um dann wieder mit Vollgas in einer anderen Disziplin weiterzuziehen. Echt krass!
Die weiteren Kilometer konnte ich gut runterlaufen und das ermutigte mich, nach jeder Kurve noch schneller zu werden. Außerdem traf ich unterwegs ein paar bekannte Gesichter. Wir ermutigten uns per Highfive und feuerten uns an. Es war ein geiles Gefühl. Nur durch diese Unterstützung kann ich meine unglaubliche Pace von 4:47 min (Zeit pro Kilometer) erklären, die maßgeblich dazu beitrug, dass ich noch mal 25 Plätze gutmachte.

Zeit: 00:47:58
Zeit gesamt: 2:44:14

Ergebnisliste Berlin Triathlon 2013

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Voller Adrenalin, Schmerz und Emotionen erreichte ich nach 2h 44min 14sec das Ziel. Ich zitterte, war aufgeregt, war erfreut und traurig zugleich. Ich war K.O. und hatte zugleich Lust weiterzumachen. Ich war in den letzten drei Stunden komplett weg gewesen und hatte nur das Ziel vor Augen. Nicht in einer Sekunde habe ich an etwas anderes gedacht. Es war wie im Vollrausch. Einfach unbeschreiblich.
Bin ich jetzt süchtig?

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Autor

Ich bin Steven, 29 Jahre alt und der Autor dieses Blogs Reisen, Nachhaltigkeit und spannende Erlebnisse in der Natur. Schön, dass du hier bist. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

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