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Too Good To Go – Die App gegen Lebensmittelverschwendung

Irgendwann vor einem Jahr. Aber eigentlich hätte es jeder Abend sein können.
Ich war noch mit Freunden ein Bier trinken und habe dann bei meinem Freund übernachtet, damit ich in der Kälte nicht so lange nach Hause laufen muss. Sonntags schlafe ich eh meistens bei ihm, weil der Weg zur Uni so montags kürzer ist. Ich war also zwei Tage lang nicht Zuhause. Als ich dann am Montagnachmittag wieder kam, war die restliche Avocado vom Mittagessen am Samstag natürlich braun und das Brot schimmelig. Wenn Marmelade schimmelt, ist das ja wegen des Zuckergehalts nicht so schlimm. Bei Brot aber weiß man: Die Sporen gehen durch alle Scheiben durch. Also in den Mülleimer damit, schade drum. Leider passiert mir das häufiger, als ich zugeben möchte: Ich muss Lebensmittel wegwerfen.

Jeder von uns wirft Essen im Wert von 235 Euro pro Jahr weg

Und das ist ein riesiges Problem. Denn nicht nur mir geht es so, sondern uns allen. Ein ganzes Drittel der Lebensmittel, die wir Deutschen kaufen, landet hinterher ungenutzt wieder im Müll – und das, obwohl das Gros der Produkte nicht mal verdorben ist. So werden Ressourcen verschwendet, die am Ende niemand konsumiert, in der EU sind’s 88 Millionen Tonnen jedes Jahr. In der Folge ist auch das Müllaufkommen riesig – und sorgt somit für unglaubliche Mengen CO2. Oder um’s mit der Zahl zu sagen, die bekanntlich am meisten wehtut: Jede und jeder von uns wirft im Jahr Essen im Wert von 235 Euro weg. Autsch.

Schuld ist neben schlechter Planung, wie meiner auch der Endgegner von Lebensmittelschützern und –rettern: Das Mindesthaltbarkeitsdatum. Es ist zwar nur eine Empfehlung und eine recht konservative noch dazu. Aber dennoch macht sie ganz unnötigerweise Angst davor, versehentlich etwas Verdorbenes zu essen. Natürlich, Verbraucherinnenschutz ist wichtig. Dennoch verlieren wir mit dieser abstrakten Zahl, die uns sagt: „Das ist nicht mehr gut“, das Gefühl dafür, wie ein gutes und wie ein verdorbenes Lebensmittel aussieht, riecht und schmeckt.

Das ist die eine Seite der Lebensmittelverschwender-Medaille. Die, gegen die wir persönlich jeden Tag mehr machen können und müssen. Die andere ist für uns Endverbraucherinnen leider nur sehr wenig greifbar. Denn was bei uns fälschlicherweise im Mülleimer landet, ist zwar viel. Aber bei weitem nicht alles: Alle Stationen der Lieferkette werfen ihrerseits einen großen Teil der Lebensmittel weg: Bis zu 40 Prozent der Lebensmittelverschwendung geht auf die Supply Chain zurück. An welcher Stelle genau? Da fehlt leider oft die Transparenz auf den verschiedenen Stationen.

Irgendwo zwischen dem sehr vertrauten und nicht ganz so gut riechenden Kühlschrank meiner WG-Küche und den unpersönlichen Laster-Ladungen an Lebensmitteln gibt’s noch eine Instanz, die enorm mit Verschwendung zu kämpfen hat: Die Gastronomie. Frühstücksbuffets von Hotelketten, das Mittelklasserestaurant auf der Ecke, Bäckereien: Viele Läden, Betriebe und Restaurants haben am Ende des Tages noch Produkte übrig, die niemand mehr kaufen möchte.

 

Eine der besten Apps gegen Lebensmittelverschwendung

Und genau hier gibt’s seit einigen Jahren eine App, die sich dem Problem annimmt: Too Good To Go (Download Apple Store | Download im Google Play Store) ist die App gegen Lebensmittelverschwendung in der Gastronomie.

So funktioniert die App gegen Lebensmittelverschwendung

Viele werden die App schon kennen, aber sie ist und bleibt ein absoluter Favorit vom Funkloch-Team. Sie hat uns schon das Abendessen gerettet, das Frühstück und die Mittagspause. Das Prinzip ist so simpel, wie genial: Man schaut einige Zeit bevor man etwas essen möchte in der App nach, welche Restaurants oder Betriebe in der eigenen Umgebung Lebensmittel zum Retten im Angebot haben, reserviert sie und kann sie zum angegebenen Zeitpunkt abholen. Dabei sind es Überraschungstüten – sie sind gefüllt mit Lebensmitteln oder Gerichten, die der Laden am Ende des Tages übrig hat. Es gibt also keine Garantie aufs Lieblingsprodukt.

Too Good To Go Wundertüte von einer Bäckerei
Wundertüte von einer Bäckerei

Dabei sind diese „Wundertüten“ aber meist ein gutes Stück günstiger als das, was man tagsüber regulär in diesem Geschäft kaufen kann. Die Tüten an sich sind aus Papier, die Bezahlung geht super easy in der App und auch gemeinnützigen Organisationen wie der Tafel wird nichts weggenommen. Denn weder die Organisationen noch die Restaurants haben meist die Kapazitäten, einzelne Portionen abzuholen und im Anschluss zu verteilen. Too Good To Go spezialisiert sich auf genau die einzelnen Mahlzeiten, die sonst unweigerlich in die Tonne wandern. Auch sind die meisten Gerichte ready to eat und verstoßen somit gegen Hygieneauflagen von Organisationen wie der Tafel.

Mit diesem Prinzip geht Too Good To Go direkt mehrere Aspekte unserer problematischen Lebensmittelwirtschaft an. Viele Backwarenketten weisen ihre Mitarbeiter an, alle nicht verkauften Backwaren am Ende des Tages zu entsorgen. Da landen schon Millionen Tonnen Backwaren im Müll. Und containern ist in Deutschland gesetzlich leider noch immer verboten. Wo Länder wie Frankreich seit 2015 mit gutem Beispiel voran gehen, heißt’s bei uns noch immer: Die Angst vor der Klage steht über allem, falls ein Produkt gegessen wurde, das nun doch nicht mehr gut war. Dazu kommt, dass Containern in einigen Klagefällen bereits als Diebstahl gewertet wurde. Wobei der Prozess, etwas zu entsorgen, doch eigentlich ganz klar zeigt: Das möchte ich nicht mehr haben.

Dass das absolut jeder Logik entbehrt, zeigen die Nutzerdaten von Too Good To Go. Denn mit über 4000 Gastronomiepartnern und mehr als drei Millionen registrierte Userinnen hat die Retter-App bereits 3,2 Millionen Mahlzeiten gerettet. Nochmal zum Vergleich: In Deutschland werden jedes Jahr 13 bis 18 Millionen Kilogramm Lebensmittel entsorgt. Die App kann also bereits riesige Erfolge vorweisen, weil sie eine Lücke schließt. Auch die Betriebe, die sich registrieren, erzählen eigentlich nur von Vorteilen: Sie können am Ende des Tages Produkte verkaufen, für die sie zwar weniger Geld bekommen. Aber fürs Wegwerfen bekommen sie ja schließlich gar keins. Und: „Über die App werden wir gleichzeitig bekannter“, erzählt eine Geschäftsführerin. Logo, wer bei Too Good To Go registriert ist, wird als Laden für viele Nutzer in der Gegend sichtbar. Was für eine Win-Win-Win-Situation: Für uns, die wir leckere Lebensmittel günstig bekommen, die Betriebe und natürlich das Klima.

app gegen lebensmittelverschwendung bringt günstige wrapsapp gegen lebensmittelverschwendung lässt gemeinsam essenUnd auch, wer in einer Gegend wohnt, in der nicht viel gerettet werden kann: Jede Mahlzeit, die in den Mund und nicht in den Müll wandert, spart 2,5 Kilogramm CO2 ein. Das ist viel. Insbesondere, wenn man im Kopf behält, dass Lebensmittelverschwendung verantwortlich für acht Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen ist. Unsere Lebensmittelverschwendung zu reduzieren ist eine der wichtigsten Sachen, die wir gegen den Klimawandel tun können. Und mit Apps wie Too Good To Go und ein bisschen Bewusstsein ist es so unglaublich einfach.

Autor

Hey, ich bin Mina! Geboren in Berlin, bin ich schon immer gern unterwegs. Mich reizen Städte, Architektur und das urbane Leben, ich liebe Pflanzen, Natur und Kunst aber genauso. Ich bin durchs südliche Afrika getrampt und um für Frieden in Syrien zu protestieren quer durch Serbien gewandert. Ich durfte Machu Picchu sehen, im Antiatlas Rad fahren und in Tansania Interviews auf Swahili führen. Ich gehe stets der Fragestellung nach: Wie kann ich nicht nur ökologisch sondern auch ethisch nachhaltig reisen?

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