Holzhütten statt Wolkenkratzer, Schotterwege statt fünfspuriger Straßen, Fahrräder statt Luxuskarossen. Innerhalb von nur einer Stunde reisten wir mit Bahn und Fähre etwa 100 Jahre in der Zeit zurück. Wir verließen die verschiedenen Kulturen der Stadt Singapore, die Chinesen, die Inder, die Malayen, die Araber, aber auch die vielen Europäer, die hier zusammen mit allen anderen als ein kunterbuntes Volk zusammen leben. Wir ließen die hypermoderne Innenstadt mit allen ihren Wolkenkratzern zurück und kehrten auch den sagenhaften Shoppingparadiesen den Rücken. Was uns in Pulau Ubin erwarte, war nicht Singapore. Es war eher Malaysia – eine tropische Insel, die ziemlich unberührt schien.

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Die Lage Pulau Ubins, an der Grenze zwischen Malaysia und Singapore erklärt den Weltenunterschied. Hier gehen scheinbar beide Länder ineinander über. Dass die Nebeninsel noch komplett unbebaut ist, empfand ich als sehr merkwürdig. Denn überall wird in Singapore versucht Fläche zu gewinnen. Häuser werden samt Bepflanzung in die Höhe gebaut und ringsum wird Land aufgeschüttet. Auch ein Walk durch die Stadt zeigt keine Freiflächen. Aber vielleicht wollen sich die Singapurer auch ihr kleines Wochenendparadies erhalten.

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Überwiegend wird die kleine, nicht einmal acht Kilometer lange Insel, für Radausflüge genutzt. Während hier am Wochenende Hochbetrieb herrscht, geht es in der Woche eher ruhig zu. An den dutzenden Verleihstationen hatten wir also keine Probleme das richtige Fahrrad zu finden. Die Preise für ein Fahrrad pro Tag variieren zwischen 1,50 Euro und 6 Euro, je nach Alter und Ausstattung.

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Also sattelten wir die Drahtesel, sprühten uns großzügig mit Insektenschutz ein und begannen unsere kleine Radtour. Obwohl auf der Insel nur etwa einhundert Menschen wohnen, mangelt es nicht an gut ausgebauten Radwegen und Straßen. Und so fuhren wir bei leichtem Nieselregen, ohne große Anstrengungen, die komplette Insel entlang. Es war mein erstes Mal im Regenwald und ich empfand es als ziemlich aufregend wie Indiana Jones durch den Dschungel zu radeln und diese mir so unbekannte Vegetationszone auf eigene Faust zu erkunden. Irgendwie spielte der Nervenkitzel mit uns. Aber ob es an irgendeiner Stelle wirklich gefährlich war, weiß ich nicht. Bestimmt nicht. Hoffentlich nicht.

In der Wildnis sahen wir ein paar Äffchen, die von Baum zu Baum sprangen, …

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eine komplette Wildschweinfamilie, die den Radweg blockierte …

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sowie jede Menge verrückte und bunte Vögel. Außerdem führte unser Pfad mit Hilfe eines Hochstegs direkt durch das Watt, einen Mangrovenwald und zu einem See. Es war einfach nur beeindruckend die gleichen Bilder live zu sehen, die ich schon so gut durch Fernsehdokumentationen kannte.

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Wir haben die Momente einfach genossen, sind von Station zu Station geradelt und haben die Natur auf uns wirken lassen. Es war ein tolles Gefühl, so alleine im Regenwald rumzutanzen. Na gut, ganz alleine waren wir wirklich nicht. Um uns herum waren drei Milliarden Moskitos.

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Nur die Flugzeuge, die im zweiminütigen Rhythmus an uns in Richtung Changi Airport vorbeirauschten, erinnerten uns an das Leben außerhalb des Waldes. So schön es auch war, ich bin froh, dass die Menschen nicht mehr in Waldhütten oder Höhlen wohnen. Die Zivilisation hat schon was.

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Und so erreichten wir am Ende des Tages in flotter „Zurück in die Zukunft“-Geschwindigkeit nicht nur die Zivilisation des einundzwanzigsten Jahrhunderts, sondern auch das High-Tec-Singapore. Ganz so, wie wir es zurück gelassen hatten. Eben mit Bäumen auf den Häusern,

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mit den vielen verschiedenen Kulturen,

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den vielen Wolkenkratzern,

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Sentosa Island, …

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und den riesigen Shoppingmalls.

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frisch gebloggt am 14. September um 22:34 Uhr malaiischer Zeit.

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Autor

Ich bin Steven, 28 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Natur und Nachhaltigkeit. Schön, dass du hier bist. Projektvorschläge, interessante Themen oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

2 Kommentare

  1. Mike Zieseler Antworte

    Skandal, dass es bei diesem schönen Artikel noch keine Kommentare gibt. Auch diese Ecke Singapores kannte ich bisher noch nicht. Besonders einladend ist der Kontrast vom hypermodernem Großstadtgetümmel mit der vertikalen Bepflanzung hin zu fast natürlichen Regenwaldgebiet mit wirklich beeindruckender Flora und Fauna. Ich hätte mir noch einen ausführlicheren letzten Absatz zu deiner Gemütslage beim schnellen Wechsel aus den menschenleeren Mangrovenwäldern hin zu den Massen in den Schluchten der Wolkenkratzer gewünscht, Fotos sind ja vorhanden. Irgendwie klinge ich gerade eher ein bisschen dein Deutschlehrer, hoffe jedoch auf weitere Blogeinträge und bedanke mich auch für den Geheimtipp Pulau Ubin eher in der Woche zu besuchen.

    • Steven Antworte

      Hi Mike!
      Ich gebe dir absolut recht! Skandalös! :)
      Gerne gebe ich dir hier nochmal einen kurzen Einblick in meine Gefühlswelt. Generell bin ich ein Mensch, der die Natur liebt, aber gleichzeitig auch die Öde hasst. Ich mag es einen ganzen Tag in der Natur zu sein, freue mich aber auch darauf am Abend in ein Restaurant oder eine Bar zu gehen oder eine riesige Allee entlang zu wandern. Somit war ich an jenem Tag sehr glücklich über das Erlebte, freute mich aber auch auf die Zivilisation. Ich mag eben beides, solange es im Gleichgewicht ist.
      Grüße,
      Steven

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