Obwohl wir reserviert hatten versicherte uns Sam, dass er keinen Platz in Zackrys Guesthouse mehr frei hätte. Nach ein paar kurzen Sekunden des Schockzustands in denen mir die zehnstündige Anreise, mein knurrender Magen und mein erschöpfter Rücken durch die Nervenbahnen schossen, fing Sam laut an zu lachen und grinste über das ganze Gesicht. Natürlich hatte er noch etwas frei.
Oh je, realisierte ich voller Erleichterung, lustiges Kerlchen dieser Sam.

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Das Guesthouse auf der Insel Langkawi lebte nicht gerade von seiner Schönheit, Sauberkeit oder besonderem Komfort. Es lebte durch Sam, durch seine Späße und seine lässige Art. Er war ein Chiller der ersten Stunde. Ein Mensch, der nicht an morgen dachte, sondern im hier und jetzt lebte. Von einem Abenteuer ins nächste. Er war ein Mensch, der nicht viele Dinge zum Leben brauchte. Ich vermute, dass ihm Bier, Frauen und eine Badehose gereicht hätten. Und das in einem streng muslimischen Land. Dieser Schlingel.

 

Für den folgenden Tag plante er eine Bootstour mit allen Gästen. Als wir fragten was wir während der Tour machen würden, antworte er, dass wir angeln werden. Außerdem stehen Bier trinken und in der Sonne sowie im Wasser baden an. Wir könnten schnorcheln gehen, uns an einsame Strände legen oder einfach nur Seele und Füße von der Reling baumeln lassen. Das waren super Aussichten. Wir sagten zu und starteten am nächsten Tag mit 17 weiteren Leutchen unserer Unterkunft und zwei Booten in die Meeresstraße von Malakka.

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Ursprünglich hatten wir das Angeln nur als Vorwand gesehen, um aufs Meer zu fahren und es uns gut gehen zu lassen. Es hatte etwas von einer breiteren Zielgruppenansprache mit all den Aktivitäten, die er vorgeschlagen hatte. Doch Sam machte nach kurzer Überwasserfahrt ernst und packte für jeden gewickelte Angelschnüre samt Haken aus. Als Köder nutzen wir Tintenfisch. Und dann begann die Angelei und mir wurde nach jedem Fehlversuch immer klarer warum ich diese Freizeitbeschäftigung so sehr hasste. Es war mir schlicht und einfach zu langweilig. Auch ein Wettangeln mit dem anderen Boot ließen Moral und Erfolgserlebnisse nicht aufflammen.

Zum Glück waren wir nicht auf irgendeinem Weiher in der Heimat, sondern in einer der schönsten Meeresidyllen der Welt. Jens behauptete sogar, dass hier für sämtliche Reisekataloge die „Südsee“-Bilder entstehen.

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Richtiger Inselspaß kam während unserer Bootstour erst einige Zeit später auf, als Sam uns an einer verlassenen Insel absetzte. Wir gingen in der Seeigelbucht schnorcheln und genossen anschließend bei kühlen Chang Bieren (Kühltruhe sei Dank!) das lauwarme Wasser und den milden Wellengang. Sam, dieser ehrgeizige Hund, war währenddessen wieder mit dem Boot rausgefahren und hielt seine Profiangel, die ungefähr 14-20 Haken hatte, ins Wasser. Sein Ehrgeiz war unheimlich groß. Oder ging es ihm vielleicht nur um das Bier, welches der Einsatz für das Wettangeln gewesen war? Eventuell. Ich weiß es nicht genau.

 

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Noch kurz bevor uns Moskitos und Sandfliegen am Strande der Insel auffraßen sammelte er uns mit dem Boot wieder ein, um erneut unser Glück zu probieren. Statt der Tintenfische angelten wir nun mit anderen Fischüberresten. Und das funktionierte erstaunlich gut. Wir fingen gleich drei Mal so viele Fische! Darunter waren Raubfische mit fiese Stacheln und einige silbrig glänzende Fische mit gelb-schwarzen Flecken. Über diese freute sich Sam besonders und meinte, dass sie viel Geld bringen würden. Was plante er? Würde er unsere Ausbeute heute Abend noch zum Fischmarkt schaffen?

Erfreut war ich über die Tatsache, dass wir die kleinen Fische direkt wieder ins Meer ließen und nicht auch noch als Köder kleinmetzelten.

Als ich einen der Fische in die Freiheit entließ, zog Sam blitzartig meine Hand aus dem Meereswasser und warnte mich vor den Barrakudas. Diese tropischen Raubfische seien hier wohl überall und könnten ohne Probleme einen meiner Finger wegschnappen. Ich glaubte ihm nicht. Zu oft hatte er uns bisher veralbert.

Ein paar Minuten später zog Jens etwas sehr schweres aus dem Wasser. Ich fragte mich welche Art von Koralle er nun erwischt hatte. Folglich wollte ich ihm erst keine Beachtung schenken. Doch dieses Mal war alles anders. Das Lebewesen wehrte sich und zog mit einer ungeheuren Kraft an Jens‘ Angelsehne. So stark, dass es keinesfalls nur eine Koralle oder ein gewöhnlicher Fisch sein konnte. Plötzlich blitzte etwas graues an der Wasseroberfläche auf, das immer größer wurde. Jens zog ein ballonförmiges Etwas aus dem Wasser und ich brüllte „Oh Fuck!“ während ich in die andere Ecke des Bootes sprang. Er hatte tatsächlich einen Kugelfisch geangelt! Sam war außer sich vor Freude, riss Jens die Angelsehne aus der Hand, betrachtete das Prachtexemplar und ging mit seinem Gesicht immer näher heran. Er traute wohl seinen Augen nicht.
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Als er meinen erschrockenen Blick bemerkte, schleuderte der Bengel doch tatsächlich den aufgeblasenen Fisch in meine Richtung, so dass ich wieder quer über das Boot hechten musste. Zum Glück war die Sehne nicht lang genug, so dass der Fisch mich nicht traf und stattdessen zu Sam zurück baumelte. Er stoppte ihn mit der linken Hand und streichelte ihn fürsorglich! „Bist du nun total übergeschnappt?“, fragte ich ihn als er das giftige Tier tätschelte. In seinem Rausch grinste er mich nur kurz an und wendete sich dann wieder dem Fisch zu, den er inzwischen vom Haken befreit hatte und ins Wasser warf!

„Wir können ihn nicht essen, da niemand auf der Insel ihn zubereiten kann.“, war sein einziges Statement zu dieser Aktion. Wir waren verdutzt.

 

Minuten später rauschten wir bei voller Fahrt unserem Heimathafen entgegen. Nun weihte uns Sam endlich in seinen Plan ein. Wir können die Fische in ein Restaurant bringen, schlug er vor. Das taten wir und die einheimischen Köche zauberten aus unseren knapp 40 Fischen gegen einen kleinen Obolus zwei Gerichte mit leckeren Soßen, Gemüse und Reis. Noch frischer hätte unser Abendessen nun wirklich nicht sein können.

 

Gut, dass Zackrys Guesthouse am Tag zuvor doch nicht ausgebucht war.

 

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Frisch gebloggt am 24.10.2013 um 9:45 Uhr deutscher Zeit.

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Autor

Ich bin Steven, 27 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Natur und Nachhaltigkeit. Schön, dass du hier bist. Projektvorschläge, interessante Themen oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

2 Kommentare

  1. Mike Zieseler Antworte

    Hach, ist dein Asientrip noch nicht ganz blog-technisch verarbeitet? Zum Glück! Wie immer eine bezaubernde Landschaft in Malaysia, trotz Bewölkung. Und das Ganze dann noch eingebettet in einen amüsanten Erfahrungsbericht. Also: Weiter so! Ich hoffe ja noch insgeheim auf einen Artikel aus Taiwan …

    • Malaysia ist super. Ich hab dort eine Weile gelebt, dabei viel Zeit auf Borneo verbracht. Nach Langkawi hab ich es nicht geschafft, aber Schnorcheln auf den Inseln vor Kota Kinabalu hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich finde Euren Bericht wirklich toll, cooles Abentheuer!

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