Am Tamarindo Beach.
Mit rotem Nike-Shirt und grüner Surferhose kommt Miguel direkt auf mich zu. Er ist ein Strandverkäufer, wie es hier am Tamarindo Beach einige gibt. Nicht sehr aufdringlich fragt er, ob ich schnorcheln gehen will.

Ich verneine.
Reiten? Ich schüttle meinen Kopf.
Angeln? Ich verabschiede mich.
Surfen? Ich drehe mich um und frage nach dem Preis.
Nur 10 US Dollar für das Surfbrett für den Rest des Tages!
Ich schaue auf die Uhr: 15:51.
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Elf Minuten später laufen Johan und ich mit Surfbrettern unter den Armen in die grau-braunen Fluten des Tamarindo Beachs. Die Wellen sind zwischen einem und zwei Meter hoch. Das Wasser ist aufgewühlt und der grau-braune Sand des Strandes vermischt sich mit dem Meereswasser des Pazifiks.

Ich stand noch nie in meinem Leben auf einem Surfbrett, habe keine Ahnung wie man das macht und fühle mich dennoch mit diesem Brett unterm Arm ziemlich cool. Meine Coolness verschwindet nach dem ersten Versuch auf dem Brett zu liegen. Ich kippe um und lande wieder im Wasser. Etwas verdutzt schaut mich Johan an und fragt wann ich das letzte Mal surfen war. Ich fange an zu lachen und erzähle ihm von der bevorstehenden Jungfernfahrt. Nun beginnt er zu lachen und freut sich über meine Spontanität.

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(Das sind nicht Johan und ich. Vom Surfen selbst gibts leider kein einziges Bild.)

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„Im Grund gibt es nur zwei Regeln.“, erklärt Johan.
„Mit der Welle paddeln und dann schnell aufstehen.“, führt er fort.
Irgendwie scheint er das ernst zu meinen, freut sich und grinst über beide Ohren, als hätte ich nun zwei Stunden Theorieschulung durch diese Wissenskomprimierung erhalten. Tatsächlich war ich gedanklich auch schon so weit gekommen.

Ich versuche zunächst auf dem Surfbrett zu liegen, zu sitzen und dann aufzustehen. Es ist schwierig und verdammt wackelig. 25 bis 30 Mal lande ich im Wasser. Meine Augen brennten vom Salzwasser. Und ich schaue zum nebeligen Strand. Tatsächlich sind es wohl meine Augen, die den Nebel in die Kulisse zaubern.

Dann erinnere ich mich an Johans Worte und beginne an der ersten Regel zu arbeiten. Ich paddle mit den Wellen und beginne einige Male liegend auf dem Surfbrett zu gleiten.
„Und genau in diesem Moment, wenn du an Geschwindigkeit gewinnst, musst du aufstehen.“, schreit Johan aus fünfundzwanzig Metern Entfernung zu mir herüber und gibt damit seinen letzten Hinweis.

Doch es funktioniert. Ein bis zwei Male gleite ich im Knien, ehe ich aufstehe. Natürlich falle ich nach höchstens einer Sekunde wieder ins Wasser, bis es mir schlussendlich gelingt komplett aufzustehen. Ich „surfe“ über das Wasser und stehe verkrampft im Pinguinschritt auf dem Surfbrett. Doch ich stehe und freue mich wie Bolle.

Wenige Minuten später wird es dunkel und wir geben unsere Surfbretter ab. Ich setzte mich in den Sand, schaue über das Meer und genieße meinen kleinen Erfolg. Meine Hände berühren den Sand.

 

Infos über den Tamarindo Beach

Eigentlich hatte ich doch gelesen, dass der Strand weiß ist, beginne ich zu überlegen. Tatsächlich ist er gelb, grau bis braun. Das Wasser ist aufgewühlt. Der Sandstrand selbst sieht sehr natürlich aus, ist aber trotzdem stark bebaut. Die starke Bebauung und die darauf folgende Umweltverschmutzung ist wohl auch der Grund, warum dem Strand 2008 der Blue-Flag-Status (internationales Ecolabel für saubere Strände) aberkannt wurde. Links von mir, im Norden des Tamarindo Beachs befindet sich der Tamarindo River sowie der Playa Granda. An diesem Strand nisten zwischen Oktober bis März an einem der drei wichtigsten Nistplätze der Welt die gigantischen Lederschildkröten. Mal sehen wie lange noch, denn immer mehr Gebäude entstehen hier. Fünf bis sechs Autostunden ist der Strand im Westen Costa Ricas von der Hauptstadt San José entfernt. Wem das zu lange dauert, der fliegt direkt nach Tamarindo. Für die Verhältnisse in Costa Rica ist der Strand hier ziemlich überfüllt. Etwa 6.000 Einwohner gibt es im Ballungsraum um Tamrindo. In der Hochsaison gesellen sich weitere 10.000 Touristen dazu. Der vier Kilometer lange Tamarindo Beach gilt als einer der touristischsten Orte Costa Ricas. Besonders beliebt ist er für die wunderbaren Sonnenuntergänge über dem offenen Pazifik.
Super Wetter gibt es hier zwischen Mitte November und Ende Mai in der Trockenzeit. Die beste Reisezeit ist somit ebenfalls zwischen Mitte November und Ende Mai. Als Regenzeit gelten die Monate September bis Mitte November, wobei die Monate Juni bis August eher von Gewittern an den Nachmittagen geprägt sind. Nachts kühlt es hier nur kaum ab, wobei die Temperaturen ganzjährlich nicht unter 25 Grad fallen.

Über 70% der Touristen hier kommen aus den USA. Sie und auch die anderen Touristen kommen zum Tauchen und Schnorcheln, Ziplinen, Reiten, Angeln und zum Surfen. Mit bis zu vier Meter hohen Wellen gilt der Strand als Surfparadies für fortgeschrittene und beginnende Surfer.


 

Superfrisch gebloggt am 18. Oktober um 08:38 Uhr. Mein letzter Tag in Costa Rica angebrochen. Um 13 Uhr werde ich zum Flughafen gefahren und fliege in Richtung Heimat. Ich bin traurig und glücklich zugleich. Traurig, weil es in Costa Rica noch viel mehr zu erleben gibt. Glücklich, weil ich nach fast zwei Monaten (mit kurzem Stopp in Berlin) endlich Heim kehre und wohl für den Rest des Jahres in der Mutterstadt verbringen werde. Ein letztes Reiseerlebnis steht noch aus. Ich werde darüber in den nächsten Tagen berichten.

 

Rückblick Tag 1: Kanufahren und Nachtwanderung durch den Regenwald
Rückblick Tag 2: Costa Rica zwischen Leguanen und heißen Quellen
Rückblick Tag 3: Costa Rica – Fliegend über den Regenwald mit dem Zipliner
Rückblick Tag 4: Vogelbeobachtung im Palo Verde Nationalpark

Ich danke Futuropa für die Einladung nach Costa Rica. Eine Woche reise ich durch das Land, auf der Suche nach den besten Abenteuern in der Natur Costa Ricas. Meine Meinung bleibt von der Einladung unvoreingenommen und meine eigene.

Autor

Ich bin Steven, 27 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Natur und Nachhaltigkeit. Schön, dass du hier bist. Projektvorschläge, interessante Themen oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

2 Kommentare

  1. Wow, der Strand sieht echt klasse aus. Surfen möchte ich irgendwann auch gerne mal ausprobieren. ;)

  2. Steven Antworte

    Probiere es auf jeden Fall mal aus. Ich glaube es war definitiv nicht das letzte Mal, dass ich auf einem Surfbrett „stand“. :)

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