Eine Buchrezension:
111 Gründe, Spanien zu lieben – Eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt

Wie macht man einem Land eine Liebeserklärung? Es durchreisen und den Boden abknutschen? Dem Präsidenten sagen, dass man das Land liebt, das er regiert? Einen Liebesbrief schreiben? (Aber an wen adressiert man den?) Einen Strauß Blumen schicken?

 

Andreas Drouve, seines Zeichens Journalist und Autor, hat das gemacht, was er am besten kann – er schrieb ein Buch über das Land, das er liebt und teilt diese Zuneigung so mit seinen Lesern. „111 Gründe Spanien zu lieben“ heißt das gute Stück.

 

Von außen sieht das Buch weniger wie eine Liebeserklärung und mehr wie ein typischer Reiseführer aus. So kann man es auch lesen, zum Beispiel vor einer Spanienreise. 111 kurze Geschichten über Spanien, die der Reiselustige im Land mehr oder weniger am eigenen Leib erleben und nachvollziehen kann. Man könnte aber auch 111 Liebesbriefe an des Autors Wahlheimat lesen. Wie man es dreht oder wendet. Am Ende erhält man einen tiefen und persönlichen Einblick in das Leben, die Kultur und die Menschen in Spanien.

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Abendveranstaltungen unter die Woche, die 23 Uhr anfangen; Korruption, besonnenes Essen; komische Bürokratie; wohlklingende Namen; Familiensolidarität; hunderte verschiedene kulturelle Feste – all das ist Spanien und noch viel mehr. Andreas Drouve hat es in seinem Buch geschafft das Gefühl zu einem Land einzufangen, so dass es auch der Leser nachvollziehen kann, der Spanien vielleicht noch nicht so gut kennt. Dazu gehört auch nicht nur alles durch die rosarote Brille zu sehen (die legt man nach einer mehr als zehnjährigen Beziehung ja normalerweise auch ab), sondern auch Spaniens schlechtere Seiten darzustellen. Doch selbst dabei spürt man eine tiefe Liebe zu dem Land. Dies zeigt sich besonders durch die leichte und amüsante Schreibweise der kleinen Anekdoten.

 

Das Buch besteht insgesamt aus 11 Kapiteln, die ihr weiter unten im Inhaltsverzeichnis aufgelistet findet – zusammen mit einer kleinen Leseprobe, in Form eines „Liebes-Grundes“. Auf 242 Seiten finden sich die kleinen essayistischen Anekdoten, die meist zwei bis drei Seiten lang sind. Sie folgen keiner chronologischen Reihenfolge. Das Buch eignet sich also sehr gut zum Querlesen und für Zwischendurch. Der Autor selbst bezeichnet die 111 Gründe als Mosaiksteinchen. Ich denke diese Metapher trifft es ganz gut – Andreas Drouve hat sich einzelne Aspekte herausgenommen, die ihm aufgefallen sind und deckt dabei eine große Palette an Themen ab. Der typische Tourist wird reichlich mit Tipps über die besten Strände, spanisches Essen, kostenlose Kulturangebote, die faszinierendsten Städte und so weiter versorgt. Der Spanien-Kenner wird sich und seine Erfahrungen hier wieder gespiegelt sehen und kann in Erinnerungen schwelgen oder vergleichen, wo die Unterschiede in der Wahrnehmung des Landes liegen. Der Kulturreisende oder Auswanderer wird schon einmal für die Menschen und deren Kultur sensibilisiert und kann sich darauf einstellen. Somit bietet das Buch eine große Bandbreite für verschiedenen Lesertypen. Da die Abschnitte nicht aufeinander aufbauen, muss je nach Kenntnisstand nicht alles gelesen werden. Wenn man eine Info braucht, kann man auch einfach nach Bedarf im jeweiligen Kapitel nachschlagen.

 

Auch ich habe zehn Monate im wunderschönen Spanien leben dürfen. Die Beschreibungen von Drouve kann ich nur allzu gut nachempfinden. Ich kenne viele der Erfahrungen und Beobachtungen, die der Autor beschreibt. Doch im Gegensatz zu mir ist Drouve professioneller Journalist und lebt schon viele Jahre in Spanien. Das habe ich besonders an der Fülle von Details gemerkt, die er im Buch präsentiert.

Würde ich nach etwas Negativem suchen, könnte ich vielleicht bemängeln, dass die einzelnen „Gründe“ auf 2-3 Seiten nicht sehr intensiv behandelt werden (können). Über die Küsten Spaniens könnte man sicher ganze Bücher verfassen, doch genau diese Schwäche ist auch gleichzeitig die Stärke des Buches, da es viele Infos vereint.

 

Fazit: Nichts für Spanien-Forscher aber für Spanien-Interessierte 100prozentig empfehlenswert.

 

 

Wer Interesse hat, kann „111 Gründe Spanien zu lieben“ hier auf Amazon bestellen. Ein Inhaltsverzeichnis findet man hier und ein Interview mit dem Autor Andreas Drouve haben wir in der letzten Woche schon geführt.

Außerdem war er so freundlich und hat uns ein Probekapitel seines Spanienbuchs zur Veröffentlichung bereitgestellt.

 

Probekapitel


Weil Bürokratie auch erheitern kann

„Spanien ist anders“, España es diferente, lautete zu Diktator Francos Zeiten ein Slogan, um Besucher ins Land der Strände und Sonne zu locken. Ja, Spanien ist durchaus anders, aber irgendwie altvertraut, wenn es um Erfahrungen mit Bürokratie und Behörden geht. Was manchmal erheiternde Seiten haben kann …

In meinen Anfängen der Seßhaftigkeit in Spanien galt es, sich als Freiberufler anzumelden, was über verschiedene Amtsstellen lief. „Journalist gibt es nicht“, teilte mir die zuständige Sachbearbeiterin allen Ernstes mit, nachdem sie eine Liste mit möglichen Berufsfeldern und deren Kennnummern gecheckt hatte, und setzte hinzu: „Aber ich hatte mal einen ähnlichen Fall, den haben wir als Töpfer eingetragen. Ist ja egal, ist alles derselbe Monatsbeitrag für die Sozialversicherung und so.“ Ich ließ mir die Liste zur Durchsicht geben. So sehr ich suchte: Journalist tauchte als Selbstständiger in der Tat nicht auf. Ebensowenig Autor, Korrespondent oder Schriftsteller. Töpfer schon. So wurde ich Töpfer. Bis ich irgendwann Kenntnis einer überarbeiteten Liste bekam und gewissermaßen umschulte …

Dieser Groteske erinnerte ich mich, als ich die Amtspost von heute durchlas. Absender: das Rathaus. Obgleich seit vielen Jahren ordnungsgemäß mit Hauptwohnsitz gemeldet, verlangt das Einwohnermeldeamt von mir nun eine Rückbestätigung meiner Meldung, die bis zum Soundsovielten des Monats mit einer Kopie des Ausweisdokuments persönlich einzureichen sei. Ansonsten werde man, so entnehme ich dem Behördenspanisch, ab der genannten Frist automatisch den Vorgang der Abmeldung in die Wege leiten. Das drohende Ende in Spanien! Zur Durchsicht finde ich zwecks Kontrolle die Angaben zu meiner Person beigefügt, so wie sie im Amtscomputer stehen. Geschlecht: männlich. Korrekt. Adresse. Korrekt, sonst hätte mich die Post nicht erreicht. Geburtsdatum. Korrekt. Unter „Berufsausbildung“ hingegen stutze ich und sehe einzig vermerkt: „Grundschule nicht beendet“. Da muss ich zu meiner Ehrenrettung sagen: Das stimmt so nicht. Ich war zwar nie Einserschüler, kann aber lesen, schreiben und manchmal sogar etwas rechnen. Nach meiner Versetzung war ich auf dem Gymnasium, habe Abitur, studiert, eine Magisterarbeit und meine Dissertation – im Gegensatz zu manch deutschem Politiker – selber und unter deutlicher Angabe von Quellen verfasst. All dies werde ich dem örtlichen Rathaus gegenüber selbstverständlich verschweigen, denn: Sämtliche Dokumente von mir liegen einzig auf Deutsch vor. Will ich den Beweis antreten, die Grundschule nicht geschmissen, sondern mich nach dem zehnten Lebensjahr weitergebildet zu haben, befürchte ich, bis zum Soundsovielten des Monats beglaubigte Kopien meiner Zeugnisse und Nachweise vorlegen zu müssen. Samt autorisierter Übersetzungen, versteht sich. Unter diesen Vorzeichen bleibe ich lieber: Kinderkrippenabsolvent.

(c) Andreas Drouve

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Hinweis: Dieser Artikel enthält einen Affiliate-Link zum Buch von Andreas. Habt ihr Interesse an dem Buch, könnt ihr es gerne mit einem Klick auf den Link bei Amazon bestellen. Ihr zahlt dadurch nicht mehr, jedoch erhalte ich eine kleine Provision. Die Setzung des Links ist mit dem Autor abgestimmt.

Autor

Johanna lebte fast ein Jahr in Valencia und ist nun wieder zurück in unserer Heimat: Berlin. Gerade macht sie ihren Master in Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste. Steven und Johanna kennen sich schon ziemlich lang und deswegen darf sie hier auch ab und zu ihren Senf dazu geben.

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