Um unsere Meere steht es nicht gut. Schränken wir unseren Plastikverbrauch nicht ein, wird es schon im Jahr 2050 mehr Plastik im Meer geben als Fische. Das Problem kommt von zwei Seiten: Zum einen vermüllen wir die Meere und zum anderen überfischen wir sie. Und dann haben wir da auch noch ein globales Problem mit dem Temperaturanstieg, das Hurrikans noch gefährlicher macht und Korallenriffe absterben lässt.

Dabei kann jeder von uns etwas dagegen tun. Zum Beispiel, in dem wir auf Plastik verzichten, weniger oder gar keinen Fisch mehr essen und versuchen unsere Treibhausgas-Emissionen einzuschränken.

Diese Maßnahmen sind für Doris und Te Atarangi (T.A.) das kleine Einmaleins. Doris ist Journalistin und setzt sich schon seit Jahren für nachhaltige Themen ein, engagiert sich und sorgt vor allem durch ihre publizistische Arbeit für ein Umdenken bei den Menschen. Ihr Freund T.A. ist Meeresbiologe, engagiert sich für den Schutz der Meere, hält Vorträge und arbeitet als Sachverständiger im Umweltschutz.

Anfang Oktober machen sich die beiden auf den Weg, um wirklich zu handeln. Sie werden mit ihrem Segelboot “Kahu” an der Küste Neuseelands entlang reisen und bei ihren Landgängen Workshops mit der Bevölkerung durchführen. Dabei wollen sie die Bevölkerung sensibilisieren und mit ihnen gemeinsam Schutzmaßnahmen erarbeiten.

T.A. und Doris: Ab Oktober zusammen unterwegs für den Schutz der Meere

Doris und ich kennen uns schon eine ganze Weile. Wir waren zusammen in Uganda und sind beim Mammutmarsch gemeinsam an unsere Grenzen gegangen. Über Doris Leben nach der Bloggerei, ihre Reisen und ihre Visionen mit ihrem neuen Projekt für den Meeresschutz habe ich mit ihr ein sehr spannendes Interview geführt, das es hier nun zum Nachlesen gibt.

Für die Reise mit der “Kahu” und die aufwendigen Workshops ist das Weltverbesserer-Paar noch auf der Suche nach Unterstützung. Wenn du Doris und T.A. bei ihrer Reise für den Schutz der Meere unterstützen möchtest, dann kannst du hier spenden. 


 

Damals, als wir uns kennengelernt haben, hast du den Reise- und Nachhaltigkeitsblog „Little Miss Itchy Feet“ geschrieben. Mit welcher Vision hast du damals dein Blogprojekt verfolgt?

Mich haben immer Menschen fasziniert, die ein Problem erkannt und dafür – einfach mir nichts, dir nichts – eine Lösung entwickelt und in die Tat umgesetzt haben. Solchen inspirierenden Menschen bin ich überall auf der Welt begegnet. Ich wollte sie vor den Vorhang holen und damit mir selbst sowie anderen zeigen, dass es nicht nur Negativschlagzeilen gibt. Nein, wir alle können mutig sein, anpacken, Ideen in die Tat umsetzen und die Welt zum Positiven verändern! Frei nach Dave Willis: “Be an encourager. The world has plenty of critics already.”


Und warum hast du den Blog 2014 aufgegeben?

“Little Miss Itchy Feet” hat sich immer mehr zu einem reinen Reiseblog entwickelt – samt Selfies in Social Media-Kanälen. Die Brücke zwischen meiner ursprünglichen Intention und meinen Reisen zu schlagen, ist mir immer weniger gelungen. Dazu kam die wachsende Unzufriedenheit, über Changemaker nur zu berichten, statt selbst etwas zu tun – es hat sich nach zwei Jahren nicht mehr stimmig angefühlt. Es musste sich etwas ändern. Und wenn ich etwas im Laufe der Zeit gelernt habe, dann, dass man das Alte in einer solchen Situation los lassen muss, um Platz für Neues zu schaffen. Das habe ich getan.


Was hast du danach gemacht? Wo bist du gereist und wie hast du Geld verdient?

So viel hat sich erstmal gar nicht geändert. Ich habe weiter geschrieben – aber eben für Magazine, Zeitungen, Websites, aber auch Unternehmen. Vom Reisen habe ich eine kleine Pause eingelegt. Doch nicht lange: Ein halbes Jahr nach Blogeinstellung war ich wieder unterwegs. Meine Reise nach Uganda resultierte zwar ebenfalls in Magazin-Reportagen zum Thema Voluntourismus, doch statt über Social Media live up-to-date halten zu müssen, konnte ich in Ruhe Eindrücke sammeln und verarbeiten. Generell hat sich in den kommenden zwei Jahren mein Reisen verändert: Statt wie in Blog-Zeiten eher Kurztrips zu machen, war ich mehrere Monate in einem Land oder zumindest in einer Region unterwegs und habe von dort gearbeitet. Da habe ich dann etwa in einem Kaffeehaus in Arusha, Tansania Texte über niederösterreichischen Wein verfasst. Sofern das Internet mitgespielt hat…


Und dann bist du nach Neuseeland gegangen. Was hast du dort gemacht und wie hast du T.A. kennengelernt?

2016 habe ich meine Wohnung in Wien vermietet, um auf unbestimmte Zeit unterwegs zu sein. Dass ich im Dezember als Touristin in Neuseeland gelandet bin, habe ich einer Eingebung während eines 10 tägigen Vipassana-Meditationsseminars in Spanien zu verdanken. Und dass ich keine zwei Wochen später T.A. kennen gelernt habe, daran ist unsere gemeinsame Leidenschaft für guten (starken) Kaffee schuld. Wir haben uns eines Morgens im Kaffeehaus getroffen … und der Rest ist unsere Geschichte.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass er mich schon bei unserem, ich glaub, fünften Date gefragt hat, ob ich mit ihm die Welt verändern möchte…


T. A. ist Meeresbiologe und zusammen habt ihr das Projekt „Nomad Ocean” gegründet. Welche Ziele verfolgt ihr und welche Erwartungen habt ihr an das Projekt?

Dazu muss ich etwas ausholen. “Nomad Ocean” hat sich aus zwei Entwicklungen ergeben: Erstens wollten wir nomadisch und so minimalistisch wie möglich leben. Nicht zuletzt wegen der hohen Grundstückspreise war da ein Segelboot in einem Inselstaat wie Neuseeland der nächste logische Schritt.

Zweitens engagiert sich T.A. seit Jahren für den Meeresschutz, hält Vorträge und ist als Sachverständiger in einen der größten Umweltschutzprozesse des Landes involviert: 2011 ging vor der Insel Motiti in der Bay of Plenty, von der seine Maori-Vorfahren stammen, der Öltanker RENA auf Grund. Es war die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte des Pazifikstaats, bei der tonnenweise Öl und Abfall ins Meer flossen. Gerade dieses Desaster hatte aber etwas Positives: Um das angeschlagene Astrolab Riff zu entlasten, wurde im Umkreis von zwei Seemeilen ein Fischerei- und Tauchverbot verhängt. Das hatte den Effekt, dass es vier Jahre später dort wieder an Fischen, Meeresgetier und -pflanzen wimmelte. Leider wurde im April 2016 trotz Proteste der Maori sowie Umweltschutzorganisationen das Gebiet zum Tauchspot erklärt und das Fischereiverbot wieder aufgehoben. Die Maori zogen dagegen vor Gericht. Mit Erfolg: Ende 2016 entschied ein Umweltgericht, dass im Rahmen des „Ressource Management Acts“ auf regionaler Ebene Schutzzonen errichten können. Nicht notwendigerweise, um Fischerei-bezogene Aktivitäten zu kontrollieren, sondern um die Biodiversität, die landschaftlichen, ökologischen wie kulturellen Gegebenheiten eines Habitats zu erhalten. Bisher war eine solche Reglementierung nur der Regierung Neuseelands vorbehalten. Die will sich diese Macht auch nicht streitig machen lassen. Mittlerweile ist der Fall vor dem Höchstgericht gelandet, und es gibt den dritten Einspruch gegen das Urteil. Bisher wurden alle zugunsten des Maori-Ansatzes abgelehnt, aber eine endgültige Entscheidung wird es wohl erst im Herbst geben.

Das Ganze ist aber jetzt schon ziemlich spektakulär, wurde doch erstmal anerkannt, dass das Meer nicht nur zur ökonomischen Nutzung – Ausbeutung – da ist, sondern darüber hinaus kulturelle oder spirituelle Werte hat, für die es geschützt werden sollte. Dieser Ansatz ist so innovativ, dass die meisten Küstengemeinden diese Chance nicht zu nutzen wissen. Die Wenigsten haben sich wie die Maori von Motiti Island Gedanken gemacht, welche intrinsischen Qualitäten der Ozean für ihre Gemeinschaft hat oder wie sie gegen die fortschreitende Verschmutzung sowie Zerstörung des Meeres vor ihrer Haustür vorgehen können. Genau dabei wollen wir mit „Nomad Ocean“ helfen. Wir möchten ihnen ihre Verbindung mit dem Meer bewusst machen, vor allem aber Know-how vermitteln sowie konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und gemeinsam mit ihnen die nächsten Schritte erarbeiten. Nicht nur zum Schutz des Ozeans, sondern zu ihrem eigenen Vorteil: Schließlich profitieren Gemeinden langfristig von einer intakten Umwelt – und zwar auch wirtschaftlich. „A healthy ocean supports a healthy community“, zitiere ich jetzt mal T.A..

 

Von Oktober 2017 bis Februar 2018 wollt ihr Neuseeland umsegeln und während eurer Aufenthalte an Land Workshops zum Meeresschutz durchführen. Wie sehr sind die Neuseeländer auf den Schutz der Meere sensibilisiert?

Als Inselstaat haben die Neuseeländer traditionellerweise eine starke Verbindung mit dem Ozean. Hobby-Angeln, Tauchen oder Surfen gehört zum Alltag der meisten Neuseeländer. Ich habe noch nirgendwo so viele Fischer getroffen – und noch nirgendwo so viele Menschen kennen gelernt, deren Familie ein Boot hat. Ob genutzt oder ungenutzt, das ist eine andere Frage.

Neuseeland-Reisende schwärmen immer von der schönen Natur. Die ist auch tatsächlich atemberaubend! Allerdings bekommt die schöne Umwelt bei näherem Hinsehen ziemliche Risse – vor allem auf dem Wasser. So leidet auch der Pazifik um Neuseeland einerseits an den Folgen der Überfischung, andererseits an der Verschmutzung – den beiden Hauptproblemen der Meere weltweit. Die neuseeländische Regierung hat ab den 80er Jahren versucht, mit diversen Regelungen der Sache Herr zu werden: Im „Fisheries Act“ etwa werden Standards sowie Grenzmengen definiert, die eine Ausbeutung des Pazifiks verhindern und damit die Fischerei als Einnahmequelle für lokale Communities erhalten sollten. Mit mäßigem Erfolg. Erst vor einem Jahr enthüllte eine Studie der Universität von Auckland ernüchternde Zahlen: Zwischen 1950 und 2010 war die Menge an gefangenem Fisch über 2,7 Mal höher als in den offiziellen Statistiken. Erst gestern bin ich wieder über einen Artikel gestolpert, dass die Auckland Universtität die beliebtesten Speisefische Neuseelands untersucht hat: Von acht Spezien hatte nur eine kein Plastik im Magen!

Das sind nicht nur Skandal-Schlagzeilen oder schwarzmalende Studien: Wie schlecht es um die Biodiversität des Pazifiks steht und wie hoch die Verschmutzung etwa durch Abwasser aus Industrie oder Siedlungen selbst in entlegenen Gebieten ist, das haben wir leider selbst in unserer sechswöchigen Segeltour um die Nordinsel gesehen…

 

Und warum organisiert ihr die Workshopreihe nicht in europäischen Großstädten?

Einerseits sind die Workshops zu diesem Zeitpunkt auf die rechtlichen Rahmenbedingungen Neuseelands ausgerichtet. Wobei wir sehr wohl auch das Potenzial im Auge haben, generelle Rahmenbedingungen zu entwickeln, die dann in Europa oder Amerika zum Beispiel zum Einsatz kommen können.

Andererseits gibt es noch einen wichtigeren Grund: Die Zeit drängt, es sind konkrete Handlungen gefragt. Und die können diejenigen setzen, die am engsten mit dem Meer in Beziehung stehen, die Zerstörung der Ozean hautnah miterleben und davon schon jetzt betroffen sind: Die Küstengemeinden. Sie müssen wissen, wie sie agieren und mit Schutzzonen dem Meer den Platz geben können, sich zu erholen. Sobald dieser Raum da ist, kann es sich regenieren! Und davon profitieren wir dann alle.

 

Die Maori haben für den Umweltschutz der Regierung Neuseelands die Stirn geboten. Erzähl doch mal eine beispielhafte Anekdote. Was können wir von den Maori lernen?

Trotz Te Atarangi, der zur Hälfte Maori ist und mir viel erzählt, weiß und verstehe ich vermutlich noch immer viel zu wenig von den Indigenen Neuseelands. Fakt ist, dass sie einen viel intensiveren Bezug zu ihrer Umwelt haben. Sie nennen sich „Tangata Whenua“, was übersetzt Menschen des Landes heißt, und haben ein sehr hohes Verantwortungsgefühl allem Lebendigen gegenüber. In allem steckt „Mauri“, die Lebenskraft, die sie für künftige Generationen bewahren und an diese weitergeben möchten. Es ist ein sehr respektvoller Umgang mit der Natur, einer, der die Balance zwischen Geben und Nehmen sucht. Ein Beispiel: Wenn sie Fisch oder Fleisch konsumieren, möchten sie damit ihre Beziehung zum Lebewesen, aber auch zu dessen Umgebung, zelebrieren und sich mit dessen Kraft – „Manna“ – verbinden. Die Maori identifizieren sich aber nicht nur mit Tieren, sondern auch mit Bäumen, Bergen oder Flüssen. Der Fall des Whanganui Rivers auf der Nordinsel Neuseelands hat international für Schlagzeilen gesorgt: Als weltweit erster Fluss hat er im März Persönlichkeitsrechte erhalten. Seither kann jeder angeklagt werden, der ihm direkt oder indirekt Schaden zufügt. Genau das haben übrigens die Maori schon seit dem 19. Jahrhundert gefordert. Inzwischen hat das Konzept übrigens weltweit Nachahmer gefunden: In Ecuador, Bolivien und Indien gibt es ähnliche Bestrebungen. Dass die Indigenen Neuseelands also eine Vorreiterrolle in Sachen Umweltschutz einnehmen und Wege auch für Nicht-Maori aufzeigen, ist nicht von der Hand zu weisen. Wir glauben, dass das auch mit diesem holistischen Ansatz in Sachen Meeresschutz gelingen kann. Erste Anzeichen dafür gibt es, denn bei einer Konferenz hat T.A. Vertreter von Wales getroffen, die großes Interesse an unserem Projekt hatten. Und auch in Kanada stehen Küstengemeinden vor ähnlichen Herausforderungen.

 

Wie kann man euer Projekt unterstützen?

Ganz klar durch Taten: Genauso wie wir uns nicht mehr darauf beschränken möchten, kluge Sprüche zu klopfen, über Klimawandel zu jammern oder auf Facebook Berichte über Changemaker zu liken sind wir auch auf aktive Hilfe angewiesen. Konkret brauchen wir finanzielle Unterstützung, damit wir “Kahu” im September für die Hohe See fit machen und die notwendige Ausrüstung zur Dokumentation unserer Reise kaufen können. Es geht um etwa 6.000 Euro. Dafür haben wir ein Crowdfunding eingerichtet, durch das man uns einmalig unter die Arme greifen kann.

Darüber hinaus benötigen wir finanzielle Mittel, um von Oktober bis Februar unterwegs sein und die Workshops abhalten zu können. Dabei gehen wir von rund 1.000 Euro monatlich aus.

Beide Möglichkeiten uns zu unterstützen findet man unter patreon.com/nomadocean

Jeder noch so kleine Betrag hilft uns enorm. Da passt der Vergleich ganz gut, dass ja auch der riesige Ozean aus winzigen Wassertropfen besteht…

 

Ich habe dich als eine sehr quirlige und ideenreiche Person kennengelernt. Was kommt als nächstes? Siehst du dich in 10 Jahren immernoch auf der “Kahu“?

Wer weiß? Nein, ich – wir – sehen uns in 10 Jahren nicht mehr auf “Kahu”. Wir lieben unser schwimmendes Tiny House, aber acht Meter sind dann auf lange Sicht doch etwas zu klein. Trotz riesigem blauen Garten. Vielleicht bleiben wir auf dem Meer, aber in einem größeren Boot. Vielleicht aber haben wir auch schon weitere Träume verwirklicht: Wir hätten zum Beispiel große Lust, Baumhäuser und EarthShips zu bauen. Doch 10 Jahre sind eine lange Zeit. Ich kann dir noch nicht einmal sagen, wo ich mich in 10 Monaten sehe…

 

Wenn du Doris und T.A. bei ihrer Reise für den Schutz der Meere unterstützen möchtest, dann kannst du hier spenden. Ich würde mich darüber sehr freuen. 

Autor

Ich bin Steven, 28 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Natur und Nachhaltigkeit. Schön, dass du hier bist. Projektvorschläge, interessante Themen oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

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