Kurz nachdem wir den ziemlich unspektakulären Eingang des Nationalpark Murchison Falls passiert hatten, stoppte unser Fahrer Trevor. Wir hatten Affen gesichtet und wollten sie unbedingt beobachten. Alle kurbelten die Fenster hinunter und zückten die Kameras. Es war schön sie zu beobachten, wie sie ganz allmählich ihre nackten Ärsche empor hoben und im Dickicht des Waldes verschwanden. Nur wenige Sekunden vergingen ehe Trevor brüllte „Tsetseflyyyyyyys!“. Meine Begleiter begannen urplötzlich die Fenster hochzukurbeln und mit sämtlichen Gegenständen nach etwas zu schlagen. Und ich? Ich verstand die Aufregung nicht und wunderte mich über die spontane Panikattacke im Auto. Also tat ich es ihnen nach. Doch ehe ich mein Fenster hochgekurbelt hatte, setze sich eine mittelgroße Fliege an die Scheibe. Bevor ich mir das Insekt, das auf mich wie eine gewöhnliche Bremse wirkte, ansehen konnte, hatte Laurens schon einen seiner Flip Flops ausgezogen und die Fliege zwischen Flip Flop und Scheibe mit einem Knall und dem Ausfluss weißen Schleimes zerquetscht. Urgs.

 

 
 

Eingang Murchison Falls Nationalpark

Noch immer wusste ich nicht was hier Phase war und fragte nach, denn irgendwie fühlte ich mich wie ein kleines Kind, das gerade dabei war eine heiße Herdplatte mit der ganzen Handfläche zu berühren. Doris, Laurens und Trevor klärten mich auf:

Die blutsaugende Tsetsefliege und die Schlafkrankheit.

Im tropischen Afrika wird die Schlafkrankheit von der blutsaugenden Tsetsefliege übertragen. Die Fliege sieht der europäischen Bremse tatsächlich sehr ähnlich, hat aber einen stärkeren Stachel und verursacht einen schmerzhafteren Stich. Überwiegend hält sich die Tsetsefliege in feuchten Gebieten auf. Unbehandelt führt die Schlafkrankheit zum Tod und verläuft in mehreren Phasen. Als erstes erfolgt die Entzündung der Einstichstelle und grippeähnliche Symptome wie Fieber und Kopfschmerzen treten auf. Diesen Zeitpunkt sollte man als Alarmsignal wahrnehmen und sofort einen Arzt aufsuchen, denn nicht mit jedem Stich der Tsetsefliege infiziert man sich mit den Parasiten, den sogenannten Trypanosomen. In der darauf folgenden Phase breiten sich die Trypanosomen im Nervensystem aus und verursachen Schlafstörungen, Krampfanfälle und Verwirrtheit. In der letzten Phase befindet sich der Infizierte in einem schläfrigen Dämmerzustand, der der Krankheit ihren Namen gab.
Eine Prophylaxe für die Schlafkrankheit über Medikamente oder Impfungen gibt es nicht. Es sollte somit versucht werden durch Insektenschutz, Moskitonetze und lange Kleidung die Tsetsefliege vom Stechen abzuhalten.

Wie schwierig es war diese kleinen aggressiven Biester abzuwehren, merkten wir auf den nächsten Kilometern. Sobald wir den Wagen stoppten, klatschten mindestens 15 bis 20 Tsetsefliegen gegen die Scheiben des Geländewagens. Verrückte kleine blutsaugende Biester dachte ich
 mir, wenige Minuten nachdem ich das erste Mal von der Tsetsefliege gehört hatte.

 

Nilpferde sind Pflanzenfresser, die hin und wieder Lust haben ihre Zähne zu reinigen.

Gaehnendes-Nilpferd-Uganda

Der weitere Aufenthalt im Murchison Falls Nationalpark sollte trotz wesentlich größerer Tiere weniger gefährlich werden. Doch zunächst begann ich an dieser Aussage zu zweifeln, als wir im Red Chili Rest Camp begrüßt und eingewiesen wurden.

In der Nacht kommen die Nilpferde aus dem Wasser und wandern die etwa fünfhundert Meter zum Camp hinauf auf der Suche nach Nahrung. Bitte bleiben Sie in den Zelten und leuchten Sie den Tieren nicht mit der Taschenlampe in die Augen.

Als Laurens mir im Folgenden erzählte, dass Nilpferde Pflanzenfresser sind, aber andere Tiere töten um ihre Zähne zu reinigen und das Nilpferde von allen Tierarten weltweit die meisten Menschen auf dem Gewissen haben, da wusste ich nicht mehr so recht, ob ich es lieber mit einer Fliege oder einem 1 bis 4,5 Tonnen schweren Nachtwanderer aufnehmen sollte.

Uganda-Nilpferd

Murchison-Falls-Nationalpark-Flusspferde-mit-Vögel
Aber bevor ein falscher Eindruck entsteht: So dramatisch war es im Murchison Falls Nationalpark gar nicht. Es war nur sonderbar, dass ich diese beiden Erlebnisse innerhalb der ersten beiden Stunden erlebte. Uns besuchten in der Nacht keine Nilpferde und der Besuch des Murchison Falls Nationalparks war einer der besten Tage meiner Reise nach Uganda.

 

Der Namensgeber: Murchison-Wasserfall.

Das Spektakulärste, was dem Nil auf seiner Reise zum Mittelmeer geschieht.“ sind nach Aussage von Winston Churchill die Murchison-Falls. Durch eine nur sechs Meter breite Felsspalte stürzen sich hier 300.000 Liter Wasser pro Sekunde in die Tiefe. Kurz nach unserer Ankunft und der blutrünstigen Begrüßung durch die Tsetsefliegen besuchten wir den Wasserfall. Es beeindruckte mich welche Kraft die strömenden Wassermassen hier hatten und mit welcher Geschwindigkeit sie die Felsen hinunterstürzten.
Ich überlegte, ob man es mit entsprechender Schutzausrüstung überleben würde dort hinunter zu springen. Trevor verneinte meinte Überlegungen und berichtete, dass selbst die meisten Fische das nicht überleben und unten von den wartenden Krokodilen verspeist werden. Ähm, okay. Also sollte man lebendig unten angekommen, dann wären da wohl noch die Krokodile.

Murchison-Falls-Wasserfall-Nil

Murchison-Falls-Wasserfall-oben

Murchison-Falls-Wasserfall

Mit dem Boot über den Nil und zu den Murchison Falls.

Am folgenden Tag hatten wir nochmal die Gelegenheit den Wasserfall vom Wasser aus zu beobachten. Und diese Perspektive erlaubte es uns die Krokodile zu sehen. Doch neben den Krokodilen und unfassbar vielen Nilpferden beobachten wir jede Menge Vögel. Uganda gilt als Paradies für Ornithologen. In kaum einem anderen Land der Welt können so viele verschiedene Vogelarten beobachtet werden.

Wasservoegel

Wassertiere-Voegel-Uganda

verrückte-Vogelnester

Uganda-Kronenkranich

Nilkrokodil-Uganda

Nilkorokodil-Uganda

Nilkrokodil-Uganda-Murchison-Falls

Während unserer Touren durch den Murchison Falls Nationalpark erkannte ich wie unglaublich vielfältig der Nationalpark ist:
Grassavanne im Norden,
Trockenwald im Süden,
hügeliges Grasland und Sümpfe im Westen
und Baumsavanne im Osten. Wahnsinn!

 

Gamedrive durch den Murchison Falls Nationalpark.

Mein absoluter Höhepunkt im Murchison Falls Nationalpark war jedoch der Gamedrive (= engl. „Game“ für Wildtiere, also frei übersetzt Pirschfahrt) durch den Park.

Noch vor Sonnenaufgang klingelten unsere Wecker. Mit leichten Kopfschmerzen durch ein paar Nile Special zu viel im Magen stiegen Laurens und ich aus unseren Zelten. Zu unserer Freude, hatten uns auch in dieser Nacht keine Nilpferde besucht. Schon gegen 6 Uhr fuhren wir mit unserem Geländewagen los und überquerten zunächst mit einer kleinen Fähre den Nil.

Murchison-Falls-Nationalpark-Fähre

Es lag ein leichter Nebel in der Luft, der nach und nach durch die Sonnenstrahlen durchbrochen wurde. Ich war irrsinnig aufgeregt und freute mich auf den Tag. Zu unserer Enttäuschung war unser Guide noch nicht vor Ort.

Murchison-Falls-Nationalpark-Guides

Wir warteten einige Minuten in denen Trevor zunehmend unruhiger wurde. Irgendwann sprang Trevor in den Wagen und signalisierte durch das Lösen der Handbremse, dass wir keine weitere Zeit zu verlieren hatten. Glücklicherweise war er schon oft genug im Murchison Falls Nationalpark gewesen und kannte sich entsprechend aus. Über staubige Straßen führte unsere Fahrt nördlich des Nil in die Savanne. Auf unserem Weg durch die Savanne begegneten uns einige Uganda-Kobs und Hornraben.

Uganda-Kop

Murchison-Falls-Nationalpark-Uganda-Kop

Knochen-Murchison-Falls-Nationalpark

Hornrabe-Murchison-Falls-Nationalpark
In der Ferne sahen wir eine Hyäne, die uns eine ganze Zeit lang begleitete und in etwa 200 Meter Entfernung parallel zum Geländewagen lief. Während wir immer tiefer in den Nationalpark fuhren, ging die Sonne auf und ihr warmes Licht machte diesen Moment noch perfekter als er ohnehin schon war. Zu unserer Linken sahen wir drei Elefanten mit einem Jungtier und wenig später Giraffen. Es waren die seltenen Rothschild-Giraffen, die wir beobachten durften und die es nur noch im Lake-Nakuru-Nationalpark in Kenia sowie im Murchison Falls Nationalpark in Uganda gibt. Ich fühlte mich wie in der Vorführungsecke eines Elektromarktes in dem gerade 5D-Fernsehen mit einzigartigen Bildern getestet wird. Ich mochte die Lichtstimmung, die warme afrikanische Luft und die vielen wilden Tiere, die wir beobachteten.

Murchison-Falls-Nationalpark-Elefant

Rotschild-Giraffen

Rotschild-Giraffe-Uganda

Nach einiger Fahrzeit entdeckten wir auf der rechten Seite einige weitere Giraffen. Doch Trevor bog nach links ab. Ich klopfte ihm nervös auf die Schulter und zeigte in Richtung der Giraffen, da ich vermutete, dass er diese nicht gesehen hatte. Aber ich irrte mich. Er hatte sie gesehen. Nur hatte er in kleiner Entfernung eine Löwemutter mit zwei Jungtieren entdeckt. Wir fuhren langsam an sie heran, die Jungen tollten über das trockene Gras, entdeckten uns wenige Augenblicke später und versteckten sich in einem dichten Gebüsch. Einige Minuten parkten wir den Geländewagen neben dem Gebüsch und beobachteten die Löwenmutter durch die geöffneten Fensterscheiben in gut zehn Metern Entfernung.

Löwenmutter

In diesen Minuten, ganz nah bei einem wilden Raubtier verspürte ich unheimliche Freude und Dankbarkeit. Ich war froh und glücklich darüber, dass wir all diese wilden Tiere sehen durften, ohne groß in ihre natürliche Umwelt einzugreifen.

 

Wildschwein-Uganda

Wasserbüffel

Wasserbueffel

Murchison-Falls-Nationalpark-Funkloch-Abschalten

Murchison-Falls-Nationalpark-Crew
Du willst in den Murchison Falls Nationalpark in Uganda reisen? Dann bereite dich optimal vor und lies dir meine Reisetipps für eine Reise zum Murchison Falls Nationalpark durch!

Autor

Ich bin Steven, 27 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über das Abschalten vom Alltag, Reisen und Nachhaltigkeit. Schön, dass du hier bist. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

3 Kommentare

  1. Pingback: Funkloch | Reisetipps für eine Reise in den Murchison Falls Nationalpark in Uganda - Funkloch

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  3. Kerstin Antworte

    Tolle Bilder. Abwägen zwischen Insektenstichen und Naturerlebnissen ist nicht immer leicht.

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