Hör mir mal zu kleiner, du kannst hier nicht bleiben. Das Leben bei den Menschen ist nicht das Richtige für dich. Die geben dir nur Fastfood zu fressen und machen dich träge und faul. Reh´ mal lieber zurück in den Wald zu den anderen Tieren. Ich komme auch mit!

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Ich konnte sagen was ich wollte. Der kleine Rehbock wollte einfach nicht zurück in den Wald von Miyajima Island, oder wie ich bevorzugt sage: Bambi Island.

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Das ist eine kleine Insel, die via Bahn und Fähre nur eine Stunde von Hiroshima entfernt liegt. Und Miyajima hat ein Problem. Täglich strömen massenhaft Touristen auf die Insel, um die wunderschöne Natur sowie den Daiganji Tempel und das Ohtorii Gate zu sehen. Dass die Touristen gerne ihr Essen teilen oder manchmal auch etwas brauchbares liegen lassen, haben die Bewohner des Waldes vor einiger Zeit bemerkt. Nun finden sich hunderte von Rehen auf den Straßen am Fußes des Berges und mischen sich unter das Menschenvolk.

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Die normalerweise pflanzenfressenden Rehe werden hier mit allerlei Junkfood vollgestopft, gewöhnen sich an den Menschen und sind alleine gar nicht mehr lebensfähig. Das ist schade, auch wenn sich viele freuen die eigentlich scheuen Lebewesen mal aus der Nähe bestaunen zu können.

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Ohtorii Gate bei Flut und am Nachmittag fotografiert.
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Ohtorii Gate bei Ebbe gegen Mittag.

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Nachdem ich mir den das Ohtorii Gate ganz genau angesehen hatte, entschied ich mich dazu den Mount Misen, den höchsten Berg der Insel, zu bewandern. Nach der Besteigung des Mount Fuji sollte ja eigentlich ein 4000er folgen, aber gut, ein kleiner 500er wäre als Warm-up sicher nicht schlecht!

Wie schon so oft, sollte ich mich aus dieses Mal irren. Warm-up. Ha! Es war wohl eher ein Heat-up, denn los ging´s um kurz nach zwölf Uhr und somit in der prallen Mittagssonne. Den auf dem Mount Fuji so geschätzten Temperaturabfall gab es hier natürlich nicht. Zum Glück verlief mein Wanderpfad einige Zeit parallel zu einem kleinen Bach. Hier konnte ich etwas Wasser auffüllen (nur zum Erfrischen) und mich ordentlich abkühlen.

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Da die milde Erfrischung immer nach Sekunden verdampfte, entschloß ich mich kurzer Hand dazu mein klitschnasses Shirt auszuziehen, es am Rucksack trocknen zu lassen und meinem weißen Bäuchlein mal die japanische Sonne zu zeigen. Das kam der neulich gewünschten Nacktwanderung schon sehr nahe, war aber kein bisschen kühler. Spaß machte der etwa eineinhalb stündige Trip nach oben trotzdem, denn der Pfad, den ich aufgrund der vielen Stufen auch gerne den „Der-neue-BILD-der-FRAU-in-2-Stunden-zum-Knackarsch-Pfad“ nannte, führte durch eine sagenhafte Flora und Fauna.

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Der-neue-BILD-der-FRAU-in-2-Stunden-zum-Knackarsch-Pfad

Schon von unterwegs hatte man oft einen tollen Blick auf den Tempel und die Umgebung. Außer ein paar Reptilien, Insekten und einer etwa zehnköpfigen deutschen Wandergruppe traf ich auf dem Weg zum Gipfel nahezu niemanden. Erst kurz vor dem Ziel traf ich dann einige andere Menschen. Sie waren über zwei Seilbahnen auf den Berg gekommen und fluchten nach den paar Metern von der Seilbahn zum Gipfel schon erheblich. Ich grinste mir ins Fäustchen und freute mich, dass ich es ganz alleine geschafft hatte.

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Aussicht zum Schrei(e)n
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Darf ich vorstellen: Jumper. Ich taufte ihn so, da er jede Stufe runter sprang und jedes Mal mit einem satten Bauchklatscher landete.
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Suchbild

Oben wurde ich ein Mal mehr mit einer tollen Aussicht auf die andere Seite der Insel beglückt. Es hatte sich gelohnt. Am Vortrag hatte ich für eine tolle Aussicht noch den Fahrstuhl eines Hotels genommen – jetzt hatte ich die Höhe selbst bewältigt. Wuhuu und endlich war es Zeit für ein ausgiebiges Päuschen.

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Ich war sichtlich im Eimer, aber für das Foto bekam ich die Arme noch hoch.

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Ein Tempel darf in Japan auf keinem Berg fehlen.

Der Abstieg ging dann wie im Fluge – ich nahm die Seilbahn. Schließlich wollte ich neben dem Mount Misen noch etwas anderes auf der Insel erleben.

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Ich liebe Japan. Die Menschen haben hier echt Humor.

Als ich unten ankam war es bereits halb drei. Nun sollte das folgen, was für viele andere der Start in den Inseltag gewesen war. Ab zum Strand. Miyajima hat einen ausgezeichneten Strand an der Süd-Ost-Küste der Insel. Auf der Karte sah das gar nicht so weit aus. Allerdings konnte ich nicht die ganze Zeit am Meer entlang laufen, so dass es auf der Hintour, also von der Seilbahn aus, etwa 5 Kilometer waren und auf dem Rückweg 2,8 Kilometer. Ich jammerte, denn ich war doch heute schon genug gelaufen. Warum fuhr hier kein Taxi? Aber halb so Wild, so traf ich wenigstens noch ein paar neugierige Rehe.

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Außerdem schlenderte ich eine ganze Weile am Ufer entlang und erreichte auf der Mitte der Wegstrecke eine malerische Bucht. Das hätte mir eine Taxifahrt auf keinen Fall geboten.

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Genauso malerisch und menschenleer war auch der Strand, den ich kurze Zeit später erreichte. Ich verweile fast drei Stunden, bis ich bei Sonnenuntergang den Rückweg in Angriff nahm.

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Auf dem Rückweg: Sonnenuntergang hinter der größten Insel Japans, Honshu.

Mit dem Ende des Tages endete auch mein Trip auf Miyajima. Trotz der Massenbesichtigung am Ohtorii Gate war das einer der besten Tage in Japan. Er beinhaltete von Sightseeing über Wandern und Natur bis hin zum abendlichen Badengehen und Sonnenuntergangs-Inselfeeling einfach alles. Ich glaube, ich habe meine kleine Trauminsel gefunden. Nein, ich habe Lummerland gefunden!

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…und wieder zurück…

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frisch gebloggt am 18. August um 01:34 Uhr japanischer Zeit.

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Autor

Ich bin Steven, 27 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Natur und Nachhaltigkeit. Schön, dass du hier bist. Projektvorschläge, interessante Themen oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

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