Dieses Gefühl, wenn du am westlichsten Zipfel der Insel bist, es dunkel wird, dein Bus nicht kommt, obwohl sonst alle öffentlichen Verkehrsmittel in Japan immer pünktlich sind. Dieses Gefühl, wenn du genau weißt, dass du ohne den Bus den letzten Zug nicht bekommst, irgendein Idiot den Fahrplan abgerissen hat, dein Geld nicht mehr für ein Taxi oder Hotel ausreicht und die Kreditkarte nur ganz selten als Zahlungsmittel akzeptiert wird. Dieses Gefühl, wenn kein Anderer mit dir auf den Bus wartet, du die Landessprache nicht sprichst, deine Wasserflasche leer ist und du total hoffnungslos nichts tust und wartest. Und dann dieses Gefühl, wenn endlich der Bus um die Ecke biegt und dich nach Hause bringt. Es ist einfach unbeschreiblich.

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Dieses kleine innere Drama ereignete sich, als ich heute Abend von Naruto zu meinem Hotel in Tokushima reisen wollte. Naruto ist eine kleine Stadt, die ganz im Westen von Shikoku liegt. Eine 1629 Meter lange Brücke verbindet im Norden die Inseln Shikoku und Awaji. Unter dieser Brücke treffen der Pazifik und die Seto-Inlandsee aufeinander. Und genau dieses Naturschauspiel wollte ich mir heute ansehen.

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 Foto: http://commons.wikimedia.org

Also habe ich am Nachmittag Tokushima verlassen und mich in den nächsten Zug nach Naruto gesetzt. Für die kurze Strecke von etwa 20 Kilometern musste ich ungefähr eine Dreiviertelstunde einplanen. Am Bahnhof Naruto folgte die Weiterreise mit dem Bus. Das ist unerlässlich, da ich auf dem Weg zum Meer über eine von zwei großen Brücken musste und das funktioniert leider nicht zu Fuß. So konnte ich nach dem Gelatsche der letzten Tage mal etwas meine Füße schonen.

Die letzten Meter galt es dann doch zu Fuß zu nehmen. Aber nun zum Wesentlichen.

Der Pazifik und die Seto-Inlandsee tauschen aufgrund der Gezeiten zwei Mal täglich riesige Wassermengen aus. Da die Meere durch das Relief auf gerade einmal 1,3 Kilometer begrenzt werden, entstehen schnelle Gezeitenströmungen mit Höchstgeschwindigkeiten von 20 Kilometer pro Stunde. Zum Vergleich: Ein gewöhnlicher Mensch schwimmt mit einer Geschwindigkeit von etwa drei bis vier Kilometer pro Stunde. Der Höhenunterschied der sich ausgleichenden Wassermassen liegt sogar bei bis zu 1,7 Meter. Man kann sich vorstellen, was hier für gewaltige Kräfte wirken. Diese Kräfte lassen Strudel entstehen, die einen Menschen problemlos in die Tiefe zerren können.

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Foto: http://commons.wikimedia.org

Von der Naruto-Brücke oder vom Boot, kann man sich dieses Spektakel ansehen. Da ich ziemlich spät dran war, blieb mir die Wahl aus. Zu dieser Zeit fuhren die Boote nicht mehr. Eine Tafel informierte am Eingang über die Zeiten, zu denen man die größten Strudel beobachten konnte. Ich war fast zwei Stunden hinter dem Peak,was bedeutete, dass die Strömungsgeschwindkeit nicht mehr so groß war.

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Und hier die Strudelvorhersage für morgen, Dienstag den 20. August 2013.

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Die Naruto-Brücke ist mit mehren Panoramafenstern im Boden ausgestattet, führt unter der Autobahn entlangt und realisiert so einen wunderbaren 360° Blick auf die Meeresenge und ihre Strudel. Anfangs war mir bei dem Betreten der Glasfenster etwas unwohl zumute. Denn von hier geht es 45 Meter in die Tiefe. Aber das zusätzliche Drahtnetz schaffte doppeltes Vertrauen. =)

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Solange man nicht nach unten schaut, ist alles wunderbar.

 

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Mein „bester“ Strudel. =)

 

Nachdem ich diesen Strudel im Kasten hatte, ging ich zum Bus…

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frisch gebloggt am 20. August um 02:09 Uhr japanischer Zeit.

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Autor

Ich bin Steven, 27 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Natur und Nachhaltigkeit. Schön, dass du hier bist. Projektvorschläge, interessante Themen oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

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