Den letzten Sommer verbrachte ich einige Wochen mit der Suche nach den schönsten Naturregionen in Frankreich. Eine Reise mit vielen kulinarischen Erfahrungen, sportlichen Aktivitäten, kulturellen Eindrücken und freundlichen Gesprächen führte uns zuvor durch die Vogesen, das Département Eure et Loir und auf die Inseln der Filmstadt Cannes. Bevor wir die Lozere erreichten, erkundeten wir die Côte d´Azur. Und genau um diese Erfahrungen an der blauen Küste soll es in diesem Beitrag gehen.

Vorher: Vogesen, Eure et Loir, Cannes
Jetzt: Côte d´Azur
Bald: Lozère



Stéphen Liégeard verdankt die azurblaue Küste ihren Namen. Am Ende des 19. Jahrhunderts schrieb er ein Buch mit dem Titel „La Côte d´Azur“. Über hundert Jahre später hat dieser Teil der Mittelmeerküste Südfrankreichs weiterhin den gleichen Namen. Den englischen Begriff der „French Riviera“ möchte man hier entweder, wie die englische Sprache insgesamt, nicht hören oder kennt ihn nicht. Alle Bestrebungen, die Verleumnung des Namens zu erfahren, führten, wie soll es an der Côte d´Azur auch anders sein, ins Blaue.

Einen ersten Überblick über die Küste der Côte d´Azur, die nicht sonderlich „blauer“ erscheint als andere Küstenabschnitte Südfrankreichs, entdeckten wir während der Autofahrt durch den Naturpark der Préalpes d´Azur. Am frühen Morgen waren wir nach einem viel zu reichhaltigen Frühstück aus Cannes gestartet. Kurvige Bergstraßen führten uns in Schlängellinien durch den warmen Morgen. Nach 21 Kilometern erreichten wir mit einer halben Stunde Verspätung die Stadt Jean-Baptiste Grenouilles, die Heimat Fragonards – die Stadt des Parfüms. Hier trafen wir in einer kleinen Parkbucht nahe des Stadtzentrums Franck und Manuel, die uns den Rest des Tages begleiten sollten.

 

Grasse – Zwischenstopp in der Stadt des Parfüms

„Das Parfüm“ war wohl einer der ersten und einzigen Filme, der mich in einer gewissen widerlichen Art begeisterte. Obwohl Eichinger viele Szenen seines Films in Spanien drehte, fanden der Schlussakt und viele weitere Szenen tatsächlich in Grasse statt. Es ist wohl unmöglich nachzuvollziehen, wie andere Menschen die Einflüsse der Umwelt mit ihren Sinnesorganen wahrnehmen. Der eine ist geräuschempfindlich, hat eine Liebe zur Musik und erkennt jeden halben Ton auf Anhieb und ein anderer hat eben ein gutes Näschen. Ich persönlich liebe den Geruch frisch gewaschener Wäsche, rieche das qualmende Marihuana in meiner Heimstadt aus Meilen der Entfernung und kann es auf den Tod nicht ausstehen, wenn ein Handtuch wenige Tage ungewaschen ist oder am Morgen die Wohnung nicht gelüftet wurde. Als wir Grasse besuchten, kamen sie wieder hoch: Meine Emotionen zur Geruchswelt. An allen Enden und Ecken duftete es nach Lavendel oder Rosen. Die Sonne stand gut an diesem Tag. Sie flutete die Gassen Grasses mit einem angenehm warmen Licht und verzauberte die bunten Häuserwände, wie ich es noch niemals gesehen hatte. Mehrere Stunden hielten wir uns in Grasse auf, obwohl die Stadt gar nicht auf unserem Programm stand.

 

Die weitere Fahrt durch den regionalen Naturpark der Préalpes d’Azur sah die folgende Strecke vor: Grasse – St Vallier – Seranon – Thorenc – Col de Vence – St Jeannet.

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Downhill Mountainbike im Parc de la Moulière

„Das Département Alpes-Maritimes besteht zu 80% aus Bergen und zu 20% aus Küste“, erklärt uns Yves Funel, der hier im Parc de la Moulière Mountainbikes verleiht. Und dennoch ist die Region fast ausschließlich für ihre Küste bekannt, fährt er in seinen Erklärungen fort. Die Tatsache, dass hier im Park im Winter Hunderte Menschen die Abfahrten auf Skiern passieren, kann man sich an der Côte d´Azur kaum vorstellen. In diesem Spätsommer sieht man die Schäden, die der Skitourismus verursacht, dem Landschaftsbild des Parc de Moulière jedoch an. Die Böden sind trocken, verhärtet und grau. Aufgrund der Planierung kann der Boden weniger Wasser aufnehmen und die Pflanzenwelt beginnt zu vertrocknen. Sicherlich kann das auch an der Trockenheit des Sommers liegen, aber die Härte des Bodens spricht eine eindeutige Sprache. Um auf den Berg zu kommen und mit dem Mountainbike hinunter zu fahren, wird für uns extra der surrende Skilift angeworfen. Ich fühle mich schlecht. Natur wollte ich hier erleben und mich nicht herumkutschieren lassen.

Die Abfahrt mit dem Mountainbike ist unheimlich anstrengend. Ich hätte niemals gedacht, dass Bergabfahren so viel Kraft zehren kann. Unser grauhaariger Guide Yves beherrscht im Gegensatz zu mir sein Mountainbike perfekt. Ohne Probleme knallt er durch die engen Kurven des Waldes und schreckt auch nicht davor zurück, über eine Wippe zu fahren. Klitschnass geschwitzt und zittrig komme ich nach wenigen Minuten am Fuß des Berges an.

Ein reichhaltiges Mittagessen nehmen wir im Restaurant Chez Huguette. Es ist wie früher bei Omi. Ich sage, dass ich nur ganz wenig Hunger habe und in wenigen Minuten ist der ganze Tisch randvoll mit sämtlichen Köstlichkeiten bedeckt. Es ist eine tolle und gemütliche Stimmung bei Huguette. Das Restaurant erinnert an eine Alpenhütte Österreichs. Die Tatsache, dass wir uns hier in den Voralpen befinden, hatte ich ganz verdrängt. Die Côte d’Azur ist Teil der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Hier im bergigen Hinterland gibt es die Seealpen, die Provenzalisch-Nizzardischen Voralpen und das Massif des Maures. Eine sehr gebirge Landschaft schummelt sich ins mediterrane Klima.

Bierdurstige Einheimische mischen sich hier im Restaurant unter entspannte Touristen, die kühlen Weißwein zu knackigen Salaten genießen. Als Vorspeise, versteht sich. Ich mag es hier. Die Tatsache, dass ich kugelrund gefressen bin, hätte es mir auch fast ermöglicht zu bleiben. Doch nun folgt das Highlight des Tages.

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Wildpferde und europäische Bisons im Réserve des Monts D´Azur

Das Réserve des Monts D´Azur ist ein Wildgebiet an der französischen Riviera. Es ist nur eine Stunde vom Meer entfernt, 700 Hektar groß und wurde als Naturschutzgebiet eingerichtet. Hier hat der Mensch keinen Einfluss auf die Natur und überlässt sie sich selbst. Hier leben Wildpferde, die mit den Zebras eng verwandt sind und europäische Bisons. Zu Fuß führt uns Hadrien Aizpuru durch den Park. Er redet sehr schnell. Ich kann ihm manchmal nicht folgen und muss auch seine Sprachgeschindigkeit im Videointerview um 10% reduzieren. Man merkt ihm sofort an, dass er das Naturschutzgebiet liebt und gerne hier arbeitet. Er ist einer dieser Typen, die ich beneide. Viel Zeit verbringt er im Büro. Aber wenn es etwas draußen zu tun gibt, schnappt er sich seinen Wanderstock und seinen Hund und geht den Problemen auf den Grund. Das Réserve des Monts D´Azur ist ein Projekt, das wie kaum ein anderes für nachhaltiges Reisen steht. In Zelten und Ecolodges können Touristen am Rande des Naturschutzgebietes übernachten. Sie verpflegen sich selbst, campen, grillen und machen Lagerfeuer. Das ganze Ambiente erinnert an Safaricamps in Afrika. Von den Umsätzen mit den Touristen kann sich der Park finanzieren. Wir bleiben hier viel länger, als wir es geplant hatten. Es wird langsam dunkel und wir müssen weiter und ich bin etwas traurig, dass Jonas und ich nicht am Rande des Parks unsere Zelte aufschlagen können und weiteren Erzählungen Hadriens lauschen können.

Sauna

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Zwischen Küstenpanorma und idyllischer Natur: St. Jeannet

Die Trauer darüber, dass wir Hadrien „Auf Wiedersehen!“ sagen mussten, ist überwunden, als wir das Frog’s House erreichen und uns Corinne unser Zimmer zeigt.
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St. Jeannet liegt in einer der tollsten Dörfer, die ich jemals besuchen durfte. Es ist etwa 22 Kilometer von Nizza entfernt. Von unserem Balkon aus haben wir einen grandiosen Ausblick über Antibes, Nizza und Monaco. Es ist ein wahnsinnig tolles Gefühl, nach einem Tag mit diesen vielen Eindrücken auf dem Balkon zu sitzen und einfach nur die Aussicht zu genießen.

Eine noch bessere Aussicht haben wir einen Tag später.

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Gleich früh morgens sind wir mit Benoit zum Wandern aufgebrochen. Er ist der Ex-Freund von Corinne. Beim Reisen lernten die beiden sich kennen, bis sie sich gemeinsam entschlossen, Fuß zu fassen und eine nachhaltige Unterkunft mit selbstgemachten Marmeladen und Broten im Panorama der Côte d´Azur zu eröffnen. Die Beziehung zerbrach leider irgendwann, die Freundschaft und das Frog´s House gibt es bis heute. Ich freue mich sehr darüber, dass die beiden sich noch verstehen. Während Corinne den Haushalt schmeißt und sich auch um das Frühstück kümmert, liegen Benoits Aufgaben darin mit den Gästen wandern oder klettern zu gehen, mit Ihnen zu picknicken und ihnen den Dorfkern zu zeigen. Ich muss nicht lange überlegen um festzustellen, dass Benoit den besseren Job abgegriffen hat. Täglich ist er in der Natur unterwegs, zeigt den Menschen die ältesten Eichen Europas mit einem Durchmesser von über vier Metern, klettert über Felsen und lehrt in Kräuterkunde.

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Picknick

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Außerdem kennt sich Benoit auch noch erstklassig mit Weinen aus und leitet die Verkostungen des Weingutes in Saint Jeannet. Er hat echt alles richtig gemacht, denke ich mir, nachdem wir mit ihm vier Stunden wandern waren und uns bei einer Weinverkostung für einen Weißwein entscheiden.

 

Es ist der letzte Tag, den Jonas und ich auf unserer Reise zusammen verbracht haben. Nach einem Abendessen im Auberge du vieux Chateau in Cabris setzen wir uns auf die Dachterrasse, trinken den Wein aus St. Jeannet und reflektieren die Tage, die wir im Hinterland der Côte d´Azur hatten.

 

Wir kommen zu dem Fazit, dass sich niemand mehr zwischen Strandurlaub und Urlaub in den Bergen, zwischen Badeurlaub und Bergurlaub entscheiden muss. In der Côte d´Azur gibt es einfach alles und dabei kann man eine ganz tolle Lebensqualität genießen und wenn man sich Mühe gibt, auch auf ökologisch nachhaltigen Spuren unterwegs sein.

 

Danke Hadrien, Benoit, Corinne, Franck, Manuel, Yves und Marion, danke, dass ihr uns euer Hinterland der Côte d´Azur gezeigt habt.
Und wenn ihr doch lieber Lust habt die Sonnen- und Strandseite der Côte d´Azur zu entdecken, dann sind euch die Tipps der lieben Anja von Travel On Toast ans Herz gelegt.

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Meine Reise durch Frankreich wurde in erster Linie von Atout France unterstützt und ermöglicht. Außerdem durfte ich auch auf die Unterstützung zahlreicher regionaler Unternehmen zählen. Ziel der Reise war es Eindrücke über Reisen in der Natur Frankreichs zu sammeln.

Impressionen und Ergebnisse präsentierte ich am 29. Oktober 2015 im Workshop Natur- und Aktivreisen in Frankfurt am Main.
Meine Meinung wurde durch die Unterstützung nicht beeinflusst und bleibt meine eigene.

Das Copyright der Fotos liegt bei Jonas Giese.

Autor

Ich bin Steven, 28 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über das Abschalten vom Alltag, Reisen und Nachhaltigkeit. Schön, dass du hier bist. Für Lob oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

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  1. Pingback: Funkloch | Lozère: Urlaub in Südfrankreich? 

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