Nach einer wahren Tatsache. Leider.

Es ist kurz vor fünf Uhr morgens. Gleich wird der Wecker klingeln und Mark aus dem Schlaf reißen. Früher hat er es gehasst zeitig aufzustehen, gerade nach jenen Nächten, die er im dunklen Zimmer sitzend vor dem flackernden Computerbildschirm verbracht hatte. – Die letzte Nacht war wieder solch eine Nacht gewesen.

Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen befreit sich seine linke Hand schon Sekunden nach dem Weckerklingeln von der Last der Bettdecke, berührt das Display seines Smartphones und schaltet den Wecker aus.  Er springt aus dem Bett, reißt mit einem dynamischen Schwung die Jalousien hoch und blickt aus dem Fenster. Ihm geht es gut, stellt Mark erleichtert fest. Sehr kräftig steht er an diesem Morgen da. Die windige Nacht hat ihm nicht allzusehr zu schaffen gemacht. Folglich schlüpft Mark in seine Turnschuhe, zieht sich eine dünne Strickjacke über und geht die Wohnungstür hinaus. Im Keller angekommen schnappt er sich eine Harke und die große Gießkanne. Er erschrickt etwas, als er die Gießkanne anhebt, denn sie ist bereits prall gefüllt. In diesem Moment fällt ihm ein, dass seine Nachbarin Sandra das gestern noch gewhatsappt hatte. Sie war am späten Abend nochmal hinaus gegangen, um die Gießkanne am Hintereingang des Hauses mit Regenwasser aufzufüllen. Denn Regenwasser ist das beste Wasser.

Kurze Zeit später stolziert Mark mit Harke und Gießkanne bewaffnet aus dem Haus. Still, ganz still ist es draußen. Nach wenigen Metern ist er angekommen. Mark begrüßt ihn voller Hingabe, tätschelt seine Rinde und wünscht ihm einen angenehmen Morgen. Er entleert die komplette Gießkanne am Stamm der mächtigen Eiche. Der Hausmeister hatte hier erst vor ein paar Wochen einen langen Schlauch gelegt, der von der Erdoberfläche bis zum Wurzelwerk des Baumes führt. So geht das Wasser direkt dort hin, wo es eben hin soll. Anschließend harkt Mark die wenigen Blätter beiseite, die über Nacht herunter gekommen waren, verteilt etwas Komposterde und lockert den umliegenden Boden, damit er empfänglicher für Regen und weitere Mikroorganismen ist.

Als seine Arbeit getan ist, geht er in seine Wohnung zurück, checkt die notwendigen Parameter und schreibt eine kurze Übergabe an seine Nachbarin, die sich als Nächste um den Baum kümmern soll:

„Download-Geschwindigkeit 8.138 MB/s, Upload-Geschwindigkeit 2.935 MB/s, Signalstärke: 55 dBM;
wir haben ihn enorm gestärkt;
die Werte sind 15x höher als noch vor einem Jahr;
weiter so, was glaubt ihr was passiert, wenn er seinen ersten Ableger hat“

___

Wie würdet ihr handeln und was würdet ihr alles tun, wenn unsere Bäume Internet produzieren würden?
Doch leider stellt sich die Frage nicht. Sie produzieren nur lebensnotwendigen Sauerstoff.

Inspiriert durch: Vladi und stephaniesliv.blogg.se

 

steven_funkloch_nachhaltigkeit_blog1

 

Autor

Ich bin Steven, 27 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Natur und Nachhaltigkeit. Schön, dass du hier bist. Projektvorschläge, interessante Themen oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

3 Kommentare

  1. Vielen Dank für das Teilen dieser sehr interessanten Artikel. Ich genoss es zu lesen! halten Sie die großartige Arbeit wie gewohnt! gut gemacht!

Hinterlasse ein Kommentar

Unterstützte das funkloch mit einem Like. schliessen
oeffnen