Mit routinierter Hand und schnellen Bewegungen klingt Nacho die Metallrolle aus meinem Gurt, legt sie über das Drahtseil und befestigt einen der Karabiner an eben jener Metallrolle. Den zweiten Karabiner nutzt er, um mich am Drahtseil zu sichern. Ich schaue ihn verunsichert an und bitte ihn um einen Doppelcheck. Er lacht. Mir ist gerade nicht danach sein Lachen zu erwidern. Eben sind wir eine kleine, etwa 20 Meter lange Seilbahn, nach unten geglitten – um die Bremstechniken zu üben. Und jetzt? Jetzt stehe ich hier vor dem Abgrund. Über 200 Meter geht es nach unten, fast 500 Meter ist das Drahtseil lang, welches mich auf die andere Seite des Waldes bringen wird. So die Theorie.

Und ehe ich die Zeit habe ins Zweifel zu kommen, bittet mich Nacho mich in den Gurt zu hängen und loszulegen. „Na gut, wagen wir es“, denke ich mit der einen Gehirnhälfte, während die andere grübelt wie man wohl auf seinen Spitznamen gekommen ist. Ich habe keine Zeit mehr meinen Gedankengang zu Ende zu führen, hebe meine Beine, lege mich in den Sitz und sause mit einem regelrechten Affenzahn los. Die Bäume unter meinem Körper verschwinden immer schneller. Fast so, als ob ich als Super Mario einen Stern eingesammelt hätte und in unglaublicher Geschwindigkeit Richtung Bildrand sause. Rand ist ein gutes Stichwort. Der Regenwald, der erst sehr nah war, verschwindet in einem riesigen Tal. In gigantischer Höhe fliege ich über den Tropenwald. Auf der linken Seite sehe ich den See Laguna de Arenal, fast direkt vor mir den Vulkan Arenal. Mein Adrenalinpegel steigt in nie dagewesene Höhen, so dass ich mir sicher bin, dass ich die ganze Fahrt über vergessen habe zu atmen. Am Ende des Drahtseils fange ich an zu bremsen und reduziere die Geschwindigkeit so gut, dass ich langsam und ruhig zum Stehen komme. Ich blicke kurz zurück und in mir startet ein Gefühlfeuerwerk. War das krass!
Und weitere Drahtseilbahnen liegen erst noch vor uns: Speedy Gonzales zum Beispiel, die ihren Namen der perversen Geschwindigkeit zu verdanken hat.

Es ist schon krass was hier über den Regenwald gebaut wurde. Abenteuer pur war das. Wie ein Flughörnchen, nur eben rücklinks und zusammengekauert wie ein Igel, flog ich über den Regenwald. Ich sah Bäume, die so groß sind wie ganze Häuserblocks in meiner Heimat Berlin. Es war ein schönes Gefühl die Natur Costa Ricas auf diese Art und Weise zu erleben. Doch wirklich Zeit etwas zu sehen hatte ich bei meinem „Flug“ nicht.

Daher haben wir bereits vor der Fahrt mit dem Zipliner eine ausgiebige Wanderung durch den Regenwald gemacht. Und die war so:

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Live gebloggt am 15. Oktober um 06:13 Uhr.

Rückblick Tag 1: Kanufahren und Nachtwanderung durch den Regenwald
Rückblick Tag 2: Costa Rica zwischen Leguanen und heißen Quellen

Ich danke Futuropa für die Einladung nach Costa Rica. Eine Woche reise ich durch das Land, auf der Suche nach den besten Abenteuern in der Natur Costa Ricas. Meine Meinung bleibt von der Einladung unvoreingenommen und meine eigene.

 

Autor

Ich bin Steven, 28 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Natur und Nachhaltigkeit. Schön, dass du hier bist. Projektvorschläge, interessante Themen oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

1 Comment

  1. Cool, oder? ;-) Habt Ihr auch den „Tarzan Jump“ gemacht? Einer unserer Guides antwortete damals auf die Frage, ob er nicht auch springen wolle: „Nein, niemals!!!“ ;-)

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