vom 7. März bis 11. März

Ging es letzte Woche noch relativ gemäßigt zu, einfühlen in die Kultur, das Klima und den anderen Tagesryhtmus (zum Sonnenaufgang aufstehen und früh schlafen gehen) – ging es diese Woche richtig zur Sache. Die Trenchline musste fertig werden. Ziel war es bis zum Samstag das von Steven angefangene Stück (220 m) nun von der Brunnenseite zu erreichen.

Der Weg hierhin war steinig und so schien das Ziel immer unwahrscheinlicher zu werden. Doch Gott sei Dank bekamen wir rege Unterstützung aus dem Dorf, unser Projekt hatte sich rumgesprochen. Dazu beigetragen hat allerdings auch das Angebot Father Josephs, für die Arbeit 3 Mahlzeiten am Tag zu erhalten. Es war letzteres, das zu einer solch starken Motivation bei den Arbeitern führte, so dass wir am Abend des 10. März unser Ziel erreichten. Die Freude war überschwänglich, war die Arbeit bei 30 Grad, und 1200 Höhenmetern doch sehr Kräfte zehrend.

 

Doch Stück für Stück…

Montag, 07. März

Am Montag nachdem wir Steven zum Flughafen gebracht hatten und einer wilden Fahrt nach Kampala (Father war nach unseren Abschiedsbieren und dem Tagesgeschehen sooo müde, dass er nicht mehr fahren konnte und so musste Hannes uns irgendwie sicher ans Ziel bringen. Was bei dem hiesigen Linksverkehr und Rechtslenker erst zu einigen Verwechselungen führte, später jedoch zu einer interessanten und witzigen Fahrt wurde.) erreichten wir endlich das Haus eines Schulfreundes von Father bei dem wir nächtigen konnten. Nach zwei Stunden Schlaf und einem spärlichen Frühstück (bestehend aus Toast und Tabasco) begaben wir uns auf die Suche nach einer Wechselstube, bei der wir die mitgebrachten 2.600 € für Busoga Trust zu einem möglichst guten Kurs wechseln konnten. Erfolgreich getauscht, machten wir uns mit einem riesigen Haufen (9.529.000 UGX) Scheinen, an jeglichen Teilen unseres Körpers versteckt, und einem leicht mulmigen Gefühl mit so viel Bargeld durch die Gegend zu laufen auf den Weg zur nächsten Bank, um es direkt an Busoga Trust zu überweisen.

Stark erleichtert das viele Geld endlich los zu sein und mit knurrendem Magen genossen wir im Anschluss ein üppiges Mittagessen in der Casia Lodge mit Blick über Kampala und auf den nördlichen Teil des Viktoriasees (ein Tipp, den uns Steven kurz vor seinem Abflug steckte). Gestärkt schauten wir uns noch den Gaba-Fischmarkt  an und machten uns dann wieder auf den Weg nach Nandere, unserem neuen Zuhause für die nächsten Wochen. Nach einer 4 stündigen Fahrt, wovon 2 Stunden auf den Feierabendverkehr Kampalas zurückzufahren waren, war mit dem restlichen Abend nicht mehr viel anzufangen und so legten wir uns zeitig schlafen.

Gaba-Fishmarket© Hannes Schwessinger

Dienstag, 08. März

Am Dienstag erfuhren wir am Morgen, dass die Busoga-Mitarbeiter gestern Abend auf Wasser gestoßen sind. Ansonsten arbeiteten wir hauptsächlich an der Trenchline. Es musste der Weg von zahlreichen Büschen und Bäumen befreit werden, die dem Graben für die Leitungen im Wege standen. Unsere Mittagspause bestand aus zahlreichen TV Sendungen zum Thema Emanzipation der Frau in Afrika und Belehrungen Fathers, dass wir doch bitte allen unseren weiblichen Freunden und Familienangehörigen einen wunderschönen Weltfrauentag wünschen sollten. Nach dem die Mittagshitze vorüber war, arbeiteten wir die restlichen Nachmittagsstunden bis in den Abend hinein weiter an der Trenchline.

Steffen Machete Busch entfernenSteffen mit vollem Körpereinsatz / © Hannes Schwessinger

 

Colline erzählte uns von Affen, die in dem nahegelegenen Wald teilweise zu finden sind und so machten wir uns mit ihm und einem Freund auf den Weg, um Affen einmal hautnah im Regenwald erleben zu können. Stattdessen bekamen wir jedoch eine Unterrichtsstunde darüber, wie man sich hier um seine Nahrung kümmert. Wir kletterten auf Bäume, erfuhren wie man die Reife von Früchten an ihrem Klang erkennt und so kamen wir anstatt mit Fotos von Affen mit einer Jackfruit nach Hause.

Jackfruit-HannesHannes und eine Jackfruit / © Hannes Schwessinger

 

Den Abend ließen wir dann in einem von Father sehr geschätzten Afro Club ausklingen und trafen hier eine gesunde Sissy wieder, die wir bei unserer Ankunft wegen Verdacht auf Malaria ins Krankenhaus gebracht hatten.

 

Mittwoch, 09. März

Wir wachten mit starken Schmerzen in Händen und Rücken auf, die Motivation für die kommende Arbeit lag am Boden. Träge schleiften wir uns zur Stelle, an der wir am Tag zuvor die Arbeiten an der Trenchline aufgegeben hatten und buddelten lustlos weiter.

Hannes bricht Spitzhacke abHannes zerstört Spitzhacke statt Stein / © Hannes Schwessinger

 

Die Tatsache, dass es am Nachmittag plötzlich stark anfing zu regnen, kam uns da mehr als gut gelegen. ;) Folglich verbrachten wir den restlichen Tag mit Organisation und Ideengebung zur Markierung des Grabens, um eine Beschädigung der Leitung zu verhindern und um die Leitung ständig wieder finden zu können. Diese soll nun aus einer Art natürlicher Markierung einerseits, durch bestimmte Pflanzen /Bäume und Elefantengras entstehen, sowie andererseits aus Schildern.

 

Donnerstag, 10. März

Früher als erwartet schlossen wir schon am Donnerstag die Arbeiten an der Trenchline ab, was definitiv ohne die zahlreiche Unterstützung niemals möglich gewesen wäre. Dafür noch einmal ein ganz großes Dankeschön!

 

Freitag, 11. März

Am Morgen besserten wir die Trenchline an Stellen aus, an denen sie noch nicht tief genug war, so dass die Leitungen nicht von zukünftigen Landwirtschaftsarbeiten beschädigt werden. Später inspizierten wir die Trenchline mit einem Busoga-Techniker, um das weitere Vorgehen zu besprechen und die aktuelle Situation, um die eigentliche Brunnengrabung zu erfahren. Die Mitarbeiter vor Ort von Busoga sprechen meist nur Luganda und so ist es leider unmöglich sich mit ihnen auszutauschen.

Desweiteren gaben wir weitere Kostenvoranschläge für ein gemauertes Brunnenhaus (um die Pumpe so gut wie möglich vor Fremdeinwirkung schützen zu können) und zusätzliche Leitungslegung für andere Stellen im Dorf in Auftrag. Geplant ist es in der Zukunft eine direkte Versorgung mit Wasser für alle Institutionen sicher zu stellen und nicht nur eine öffentliche Wasser-Entnahme-Stelle zu installieren. Neben der öffentlich geplanten Wasser-Entnahme-Stelle, sollen somit auch das Schwesternhaus, die Schule sowie das Krankenhaus direkt mit Wasser versorgt werden.

Dabei stellte sich heraus, dass der Brunnen nun eine Tiefe von 8,1 m erreicht hat und ca. 2 m Wassersäule fördert. Die Arbeiten sollen nun auf weitere 5 m Tiefe erweitert werden, um auf eine Wassersäule von 7 m zu kommen. Vielmehr wird leider durch die traditionelle, aber preisgünstige Brunnenbohrungs-Variante, nicht möglich sein. Auch wurde mit dem Mauerwerk innerhalb des Brunnens begonnen. Das Mauerwerk soll die Wände stabilisieren. Wir konnten uns vergewissern, dass es sich bei den Backsteinen um gute Materialien handelt, die der Wasserqualität nicht schaden.

Brunnenloch 8m© Hannes Schwessinger

 

Am Abend drehten wir eine Runde durchs Dorf und wurden Zeuge von einer Brandrohdung, die zu unserer Verwunderung von kleinen Kindern durchgeführt wurde.

Brandrohdung© Hannes Schwessinger

 

Wir beschlossen die abendliche Runde durchs Dorf zu einer Art Ritual werden zu lassen, um abgesehen von unserem Projekt und den hieran beteiligten Menschen das Leben im Dorf mehr zu verfolgen. Den Abschluss fand der Tag mit kühlem Bier, interessanten Gesprächen mit Father über das Leben in Uganda und einem Sonnenuntergang, der musikalisch begleitet wurde durch Chorproben unter einem Mangobaum … an dieses Leben in Uganda könnten wir uns gewöhnen. :)

Euer Hannes und euer Steffen

 

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Autor

Steffen und Hannes sind Mitglieder der Regionalgruppe Leipzig von Technik ohne Grenzen e.V. Beide lernten Steven im Zuge des Brunnenprojektes für Uganda kennen. Gemeinsam wollen die drei eine Regionalgruppe in Berlin gründen. Doch davor betreuen Steffen und Hannes den Brunnenbau im Dorf Nandere in Uganda und berichten hier alle paar Tage live.

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