Etwa 110 Kilometer liegen hinter mir, als die Akkuanzeige meines E-Bikes in den kritischen Bereich rutscht. Ich schalte die elektronische Schubkraft aus, die mich über die letzten einhundert Kilometer so wunderbar gepusht hat und spare mir den letzten Prozent der Akkuladung für die Nacht.

Schlagartig wird es schwer. Zwanzig Kilogramm Gepäck, zwanzig Kilogramm Fahrradgewicht und vermutlich mehr als zwanzig Kilogramm Steven sind zu transportieren. Während Schweißperlen meine Stirn fluten und der frische Geruch der Kiefernnadeln ein paar Nieser herauskitzelt, bin ich auf der Suche nach einem Lager für die Nacht.

Der nächste Campingplatz liegt in Lindow (Mark). Die letzte Pension habe ich in Neustrelitz passiert. Umdrehen ist keine Alternative. Mein Handy zeigt Edge und ich habe keine Recherchemöglichkeiten mehr. Zwei Brote und etwas Wasser werden mich über die Nacht bringen, also fange ich an nach einem Nachtplatz Ausschau zu halten.

Der Wald ist nicht genug

Ich bin in Brandenburg, dem Land der 3.000 Seen. Natürlich will ich nicht einfach im Wald übernachten. Ein Waldrand am See wäre ideal. Und so biege ich irgendwann in Richtung Osten und folge dem Rhin, dem größten Nebenfluss der Havel. Erst in einigen Tagen wird es Wassersportlern wieder erlaubt sein den Rhin zu passieren. Ich bin wohl der erste, der dieses herrliche Biotop in diesem Jahr passiert. Durch das dicke Geäst schiebe ich mein Fahrrad. Vorbei an herrlichen Gräsern, feuchten Baumstämmen und Ameisenhügeln. Mit dem Gesicht durchstreife ich ein Spinnennetz nach dem anderen. Der Boden ist feucht, bewachsen und ein Teppich aus alten Baumstämmen, Ästen und Kiefernnadeln durchzieht die Uferregion am Möllensee. Kein Problem, denke ich und muss schmunzeln. Mein Zelt werde ich einfach darüber spannen und das Naturschauspiel aus der Luft beobachten.

Zelten über jedem Untergrund der Welt

Seit vier Wochen habe ich mein neues Zelt dabei und bisher kam es nie zum Einsatz. Die Tage waren immer zu kurz und die Sucht nach Strom und Internet zu groß. Heute habe ich keine andere Wahl und ich freue mich auf mein kleines Abenteuer. Ich lehne mein Fahrrad an einen Baum, befreie es von der Last der Gepäcktaschen und breite das neue Zelt über dem Boden aus. Zwischen drei Bäumen muss ich es aufbauen und spannen. Zwei Anleitungen liegen in der Zelttasche. Ich missachte sie und beginne mit einer Mischung aus Ungeduld und Vorfreude das Zelt aufzubauen. Erst lege ich das Zelt in Richtung der Bäume aus, führe die Stangen durch die Ösen und lege die Gurte um die Bäume. Bis dahin klappt alles wunderbar.

Die Sonne verschwindet im Sinkflug vom Himmel. Jetzt muss ich mich beeilen, die Mücken kommen. Suuuurrr und ein erster Stich an meiner linken Wade. Dann einer am Nacken, auf dem rechten Handgelenk, in der rechten Kniekehle. Ahhhh!
Ich ziehe die Gurte an den Bäumen fest und fange an das Zelt zu spannen. Erst die eine Seite, dann die zweite und auf dem Weg zum dritten Baum trete ich auf einige Äste einer Kiefer. Tausende kleine Gnitzen steigen auf und sammeln sich auf meinen Beinen. Ich erinnere mich: Gnitzen stechen nicht, sie reißen die Haut aus ihren Opfern. Ob das stimmt? Naja, es erhöht zumindest die Dramatik. Ich beeile mich immer mehr und scheitere an dem Knoten. Seit meiner Prüfung für den Sportbootführerschein habe ich sämtliche Knoten wieder vergessen. Hmm, wie war nochmal jener Knoten, den man auch nach großer Belastung wieder lösen kann? Der klassische Standardknoten wird mir hier nicht helfen. Ich überlege und überlege, probiere einige Versuche aus und scheitere. 20 Mückenstiche.

Dann schnappe ich mir die Anleitung. Hier ist der Knoten idiotensicher erklärt. Super. Oder doch nicht? Leider scheine ich zumindest in dieser Sache ein kompletter Vollidiot zu sein. 44 Mückenstiche und noch keine Lösung in Sicht.

Nun ist es an der Zeit zu freestylen. Ich starte mit einem normalen Knoten und ziehe dann anstatt des gesamten Gurtes nur eine Schlaufe hindurch. Kurzer Test. Der Knoten ist sicher. Danach nehme ich die Spannrolle und spanne den dritten Gurt. So stabilisiert sich das ganze Zelt. 53 Mückenstiche.

Das Überzelt ist schnell befestigt. 59 Mückenstiche.

Eilige werfe ich meine Gepäcktaschen in das schwebende Zelt, ziehe meine Schuhe aus und springe hinterher. Die Knoten halten, zum Glück, denn an die hatte ich gar nicht mehr gedacht. Dann schließe ich den Zelteingang. Gegen das Netz des Zeltes prasseln weitere Mücken. Doch ich bin in Sicherheit.

Die perfekte Mischung aus Hängematte und Zelt

Im Zelt liegt es sich überraschend gut. Der Zeltboden ist sehr straff. Ich sortiere mein Gepäck und nehme ein kleines Abendessen zu mir. Mit einem Feuchttuch kühle ich meine Mückenstiche. Bei 70 höre ich auf zu zählen. Es ist unvorstellbar wie viele Mücken mich hier draußen attackiert haben.

Um etwas von der wunderbaren Atmosphäre des Sonnenuntergangs hinter dem See mitzubekommen, löse ich das Überzelt und schiebe es nach hinten.

Vor mir liegt der Möllensee. Ganz ruhig liegt das Wasser an diesem Abend. Die Kiefern spiegeln sich im Wasser und ich höre das entfernte Zwitschern der Vögel und das Schnattern der Enten. Das Zirpen der Grillen wird leiser. In der Ferne baden Kinder im See. Ich sehe sie nicht, aber kann sie beim Spielen hören. Zwischen Waldboden und Baumgipfeln, zwischen Wald und See, zwischen hier und dort, ohne Strom und Internet: Hier kann ich mich mal richtig auf die Natur einlassen. Hier möchte ich bleiben und versinke langsam aber sicher, noch bevor die Sonne untergegangen ist, im Tiefschlaf.


Fakten zum Baumzelt
Hersteller:
Tentsile

Onlineshop für Baumzelte: www.lebe-abenteuerlich.de

Besonderheit:
lebe-abenteuerlich.de spendet pro verkauftem Tentsile Baumzelt 5 Euro an den Verein beeionic e. V. Der Verein forscht in Richtung Bienenschutz und sucht Lösungen für den Erhalt der Bienen auf unserem Planeten.
Der Hersteller Tentsile pflanzt für jedes verkaufte Zelt drei Bäume.

Fakten Tentsile Flite+:
– Innenraum: 3,75 qm
– 2 seitliche Eingänge
– Platz für 2 Personen bis zu 220 kg Gesamtgewicht
– max. Körpergröße von 1,84 m ist ideal. (Ich habe alleine im Zelt übernachtet, da bin ich auch mit meinen 1,92m ausgekommen)
– Außenmaß: ca. 3,25 m x 3,25 m x 2,7 m
– Packmaß: 0,43 m x 0,20 m x 0,20 m
– Gewicht: 3,2 kg
– Regendach: Wasserdichtes Polyester 70D PU, Wassersäule 3000mm

Einsatzgebiet: Über jedem erdenkliche Untergrund kannst du mit dem Tentsile Baumzelt übernachten – vorausgesetzt du findest drei Bäume zum Spannen. Bei trockenen und ebenen Bodenverhätlnissen kannst du das Zelt aber auch wie ein herkömmliches Zelt nutzen.

Die Baumzelte von Tentsile gibt es in diversen Modellen. Vom leichten Trekkingzelt bis zum Familienzeit. Außerdem gibt es im Shop auch die Hängematten Trillium und T- Mini.

Aufbauzeit: Beim allerersten Aufbauversuch war das Zelt nach 40 Minuten und 70 Mückensticken einzugsfertig. Beim zweiten Mal dauerte es nur 9 Minuten das Zelt zu spannen. Den geheimen Superknoten zeigt Bernhard von lebe-abenteuerlich.de übrigens hier.

Vor lauter Mücken und entspannter Natur habe ich es total vergessen Fotos vom Zelt zu machen. Alle Bilder, die du hier siehst, habe ich einige Tage später am Tiefen See gemacht.

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Offenlegung: Vor meiner 4-wöchigen Radtour durch Brandenburg habe ich den Outdoorshop lebe-abenteuerlich.de angeschrieben und nach einem Zelt gefragt. Bernhard war so freundlich und hat mir das Tentsile zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde davon nicht beeinflusst. Die Mücken leider auch nicht.

Autor

Ich bin Steven, 28 Jahre alt und der Autor dieses Blogs über Reisen, Natur und Nachhaltigkeit. Schön, dass du hier bist. Projektvorschläge, interessante Themen oder Kritik nutze gerne die Kommentarfunktion oder verbinde dich mit mir auf Facebook oder Twitter.

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